Kinofilm

Gangs Of New York - Kritik

New York um 1860, der große amerikanische Bürgerkrieg ist zu Ende und in Five Points, dem ärmsten Viertel der Stadt, tobt der Bürgerkrieg weiter zwischen den "Gangs Of New York". Zwischen den Natives, also denen die bereits amerikanische Vorfahren haben und den irischen Einwanderern, Chinesen und allen anderen Neuankömmlingen toben blutige Bandenkriege. Sechzehn Jahre, nachdem sein Vater der Priester, bei einem der Bandenkriege starb, kehrt Amsterdam Vallon (Leonardo DiCaprio) aus der Besserungsanstalt nach Five Points zurück um seinen Vater zu rächen.

Doch noch ehe er Rache nehmen kann erliegt er dem Zauber des Vatermörders Bill the Butcher (Daniel Day-Lewis), der Amsterdam an Sohnesstelle aufnimmt. Zudem verfällt Amsterdam der attraktiven Taschendiebin Jenny (Cameron Diaz). Auch sie wurde von Bill the Butcher wie ein leibliches Kind aufgezogen; Bill hatte zwar mal ein Auge auf Jenny geworfen, aber das ist kein Spannungsmoment und wird nicht weiter verfolgt.

Filmkritik

Der Kinofilm "Gangs Of New York" beginnt mit einer monumentalen Schlacht, die dramaturgisch geschickt im Kunstschnee stattfindet, der nach der Schlacht blutrot gefärbt ist. (Leider fehlen während des Kampfes die Atemwolken, die man bei Minusgraden erwarten dürfte und entlarvt den Schnee als Effekthascherei.) Der Alltag der Menschen im Slum ist die reinste Hölle. Bandenkriege, korrupte Polizisten und Politiker. Bis Amsterdam, der Sohn des ermordeten Priesters, sich anschickt den Mörder seines Vaters zu rächen, müssen viele Menschen in Five Points sterben. Insgesamt verbrauchte man dramatisch viel Kunstblut. Keine zehn Minuten vergehen in denen nicht ein Mensch erstochen, erschlagen, erschossen oder sonst wie widerwärtig zu Tode kommt. Die eigentliche Handlung beschränkt sich auf eine Rahmenhandlung und ist dünne: Der Sohn als Racheengel, Liebe, Verrat, Treue und Rache.
Es mag sein, dass der Film unter der Kürzung gelitten hat. (Angeblich wurde er um eine Stunde gekürzt.) Vielleicht würde eine längere Fassung ihn retten - aber das kann hier nicht das Thema sein, denn man kann nur beurteilen, was vorliegt. In der jetzigen Fassung werden alle Konflikte durch Gewalt gelöst. Gewinnt der falsche Kandidat die Wahl, jagt man ihm ein Schlachterbeil in den Rücken, verrät jemand die Bande, spießt man ihm am Zaun auf - so einfach ist das.

Es fällt wirklich schwer aus der abgehackten, blutigen Handlung Gesellschaftskritik herauszuhorchen, obwohl sie stattfindet und die amerikanischen Grundrechte als schlechten Witz darstellt. Es ist als läge diese Kritik auf dem Boden eines Eimers der randvoll mit Blut gefüllt ist. Wem fiele da noch die Kritik auf? Und wer möchte hineinfassen? Zudem ist der Film ermüdend, denn die wenigen Minuten in denen nicht aufgespießt, gestochen, gehackt und gestorben wird, warten mit dramaturgischen Durchhängern auf den Zuschauer.
Die schauspielerische Leistung von Daniel Day-Lewis und Leonardo DiCarpio tritt in den Hintergrund, denn die banalen Dialoge und die Schwarzweißmalerei des Films überschatten die Kunst der Schauspieler. Die Gedanken Amsterdams, die den Zuschauer durch den Film leiten sind keine Höhenflüge: "Wenn du einen König umbringst, dann erstichst du ihn nicht im Dunkeln. Du tötest ihn so, dass sein ganzer Hofstaat ihm beim Sterben zusehen kann."

"Amerika wurde in den Straßen geboren" lautet der Werbeslogan. Eine sehr blutige Geburt ... die kaum als Huldigung an die Stadt New York gesehen werden kann. Eher gilt er sie als Hassliebe. Am Ende philosophiert Amsterdam, dass man eines Tages ein New York errichtet haben wird, in dem die Personen und Geschehnisse vergessen sind. Dann blendet der Film über in die Skyline des New York von 1910, 1930 und 1980 (mit den Zwillingstürmen des WTC). Ein eigenwilliger Ausklang für diese Schlachtplatte.
Filmkritik: Thomas Maiwald

Credits

Original Film-Titel: "The Gangs Of New York"

USA 2002

Laufzeit ca. 166 Min.

Kinostart / Filmstart: 15.02.2003

Regie: Martin Scorsese

Drehbuch: Jay Cocks, Steven Zaillian, Kenneth Lonergan

Schauspieler (Besetzung): Leonardo DiCaprio (Amsterdam Vallon), Daniel Day-Lewis (Bill "the Butcher" Cutting), Cameron Diaz (Jenny Everdeane), Jim Broadbent (Boss Tweed), John C. Reilly (Happy Jack), Henry Thomas (Johnny Sirocco), Liam Neeson (Priest Vallon), Brendan Gleeson (Walter "Monk" McGinn), Gary Lewis (McGloin), Stephen Graham (Shang), Eddie Marsan (Killoran), Alec McCowen (Reverend Raleigh), David Hemmings (Mr. Schermerhorn), Larry Gilliard Jr. (Jimmy Spoils)

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