Es war einmal, es war einmal 1959 ein Dorf in Frankreich. In diesem Dorf hatten die Menschen verlernt zu leben. Sie hatten ihre Lebenslust gegen eine strenge Scheinmoral getauscht. Und damit niemand vom rechten Weg abkam, wachten die Menschen übereinander wie Geier. Und der, der das am besten konnte, der, der die scheinheiligste Fassade wahrte, den hatten die Bürger zum Bürgermeister ernannt.
Doch weil dieser Film ein Märchen ist, wehte ein guter Wind eine Zauberin in die Stadt. Die Zauberin, gefolgt von ihrer Tochter, eröffnete ein kleines Geschäft in der Stadt, eine Chocolaterie. Da nun die Menschen nichts mehr fürchteten als in den Spiegel zu sehen und die Zerbrechlichkeit ihres Selbstbetruges einzusehen, deshalb mieden sie die Chocolaterie wie der Teufel das Weihwasser. Selbst die Kinder hatten Angst die Schwelle der Chocolaterie zu überqueren.
Nun ja. Wie das Leben so spielt, gab es auch in dem Dorf einige Menschen, die sich wenig um das scherten, was die anderen sagten und ihren eigenen Weg gingen. Für diese wurde die Chocolaterie zum Treffpunkt. Da man zwar versuchen kann das Leben auszutricksen, sich das Leben aber weder austricksen noch betrügen lässt, begann die Front der Boykotteure langsam, aber dennoch stetig zu bröckeln. Da halfen keine Strafpredigten, keine bösen Blicke und keine Predigten - das Leben wollte einfach gelebt werden. Und so geschah es, dass der Bürgermeister der Zauberin im Film zwar den Kampf ansagte, doch letzten Endes musste auch er einsehen, dass man das Leben nicht aussperren kann. Und?, fragst du. Und was ist mit der Liebe zwischen der Zauberin und dem Zigeuner? Was ist mit dem Känguruh mit dem kranken Bein?
Scht, sage ich. Gehe hin und siehe selbst.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Credits
Original Film-Titel: "
USA 2000
Laufzeit ca. 120 Minuten
Kinostart / Filmstart: 15.03.2001
Regie: Lasse Hallström
Drehbuch: Robert Nelson Jacobs
Schauspieler (Besetzung): Juliette Binoche, Lena Olin, Johnny Depp, Carrie-Anne Moss, Judi Dench, Alfred Molina