Kinofilm

Der Alte Affe Angst - Kritik

Ein Paar wie aus dem Bilderbuch: Die Kinderärztin und der Künstler; die Wohnung ein Loft. Das ist außen - innen tobt ein Kampf. Marie (Marie Bäumer) liebt Robert (Andre Hennicke), der ihr das Geliebtwerden nicht eben einfach macht. Seine Probleme und Neurosen belasten die Beziehung sehr - wie sehr zeigt sich gegen Ende des Films.

Marie ist stark und kämpft um ihre Liebe, vielleicht deshalb nimmt sich Robert viel Zeit. Er besucht einen Psychiater, aber kommt mit der Verarbeitung seiner Probleme nicht voran. In dem Theaterstück, das er selbst schrieb und momentan inszeniert, thematisiert er seine Probleme, ohne sich dessen bewusst zu werden. Seit sechs Monaten hatten Marie und Robert keinen Sex mehr und Maries Kraft ist am Ende. Um die angespannte Situation noch zu erschweren, wird bei Roberts Vater Krebs im Endstadium diagnostiziert. Robert pendelt nur wenige Male zwischen Marie und seinem Vater, dann stirbt sein Vater überraschend schnell. Weder kann er den Vater bei sich aufnehmen, noch kann er ihm den letzten Wunsch nach Euthanasie erfüllen.
Thoeretisch hätte Robert Zeit sich mit Marie auseinander zu setzen, oder besser sich mit ihr zusammenzusetzen, doch statt die Lösung für seine Potenzprobleme gemeinsam mit Marie zu suchen, sucht Robert Entlastung für seine gestaute Libido bei Prostituierten. Als Marie hinter sein Treiben kommt, weil Robert Regelblut am Gemächt klebt, zwingt sie ihn ihr die Frau zu zeigen, mit der er Sex hatte. Es ist die Mutter eines an AIDS erkrankten Kindes, das Marie im Krankenhaus behandelt. Marie erleidet eine Fehlgeburt und bricht endgültig zusammen, es folgt ein zweiter Selbstmordversuch, dann flieht sie zu ihren Eltern. Erst dadurch erwacht Robert aus seinem Dämmerzustand. Hatte bislang Marie um Robert gekämpft, kämpft Robert nun um Marie.

Filmkritik

"Der Alte Affe Angst" ist ein schwieriger, unbequemer, sehenswerter Film mit kleinen dramaturgischen Schwächen. Er eröffnet mit einem Schreiduell zwischen Marie und Robert, verfolgt Maries Kampf um Roberts Liebe. (Kann oder will Robert nicht über seinen Schatten springen?) Und endet mit einem Hoffnungsschimmer.
Als Zuschauer muss man mit aufgegriffenen, aber nicht aufgelösten Konflikten und Andeutungen leben. Die Vater-Sohn-Problematik wird zwischen Robert und seinem Vater nur angeleuchtet, aber nicht aufgelöst oder vertieft. Maries Eltern sind Geistliche; ihr Vater kann Robert nicht böse sein, weil er Geistlicher ist. Wohin sollen diese Andeutungen der elterlichen Problematik führen? Die Antwort bleibt Regisseur Oscar Roehler schuldig. Die moderne Psycho-Analyse scheint weniger zu funktionieren als der gesunde Menschenverstand, beziehungsweise ein liebendes Herz. Doch wirklich ausgeführt wird auch dieser Gedankengang nicht. Sicherlich kann man als Zuschauer mit den Fragen leben - schöner ist es jedoch, wenn ein Film die Fragen, die er aufwirft, auch Antworten findet.
Marie Bäumer brilliert als Marie, die um die Liebe eines Mannes kämpft - bis zur Selbstaufopferung. Auch Andre Hennicke zieht viele Register seines Könnens und verkörpert den Knoten-Mann sehr glaubhaft. Sein Spiel ist überzeugend und dicht - auch wenn man als Zuschauer Gefahr läuft ihn als Ekelpaket vorschnell abzustempeln. Wenig gelungen sind die Szenen, in denen Emotionalität durch Schreien ausgedrückt wird. Auf der Bühne und im Film wirkt es leicht so als übertünchten Schauspieler handwerkliche Schwächen. Dass Marie Bäumer und Andre Hennicke das übertriebene Geschrei nicht nötig hätten beweisen sie eindrucksvoll; es scheint eher eine Schwäche des Regisseurs zu sein.
Filmkritik: Thomas Maiwald

Credits

Original Film-Titel: "

Deutschland 2003

Laufzeit ca. 92 Min.

DVD-Start: 12.08.2005

Regie: Oskar Roehler

Drehbuch: Oskar Roehler

Schauspieler (Besetzung): Marie Bäumer (Marie), Andre Hennicke (Robert), Vadim Glowna (Klaus), Christoph Waltz (Analytiker), Catherine Flemming (Mutter), Herbert Knaup (Wolfgang), Nina Petri (Klinikpsychologin), Ralf Bauer (Frauenarzt), Jutta Hoffmann (Maries Mutter), Eva Habermann (Prostituierte), Ingrid van Bergen (Schauspielerin Theater), Hilde Van Mieghem (Brigitte), Hermann Beyer (Maries Vater)

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