Schon der Name sagt aus, es funktioniert nur aus einem Blickwinkel: Kampf! Um großes Effekt-Kino zu erreichen, haut George Lucas (Drehbuch, Regie) mächtig auf den Pudding und entfesselt ein Effekt-Gewitter. Die Darstellung der kriegerischen Auseinandersetzungen ist innovativ, die Druiden werden immer verspielter, der Computertrick nähert sich der Perfektion. Somit lautet die Bewertung als FX-Movie: 8,5 von 10 Punkten.
Filmkritik
Als Spielfilm eingeschätzt, fällt die Sache anders aus, denn hier zeigt George Lucas deutlich, wo Schwächen und Stärken liegen. Frische Ideen fehlen, selbst guten Darsteller entlockte er wenig Leistung. Teilweise schmücken sie nur die facettenreichen Kulissen. So steht Padmé Naberrie-Skywalker (Natalie Portman), Anakins schwangere Frau, abends auf dem Balkon und kämmt ihre Haare. Dialoge fallen in die Kategorie "oft gehört, gern gehört". Drehbücher sind halt nicht Herrn Lucas' Stärke. Experimentierfreudiger ist er in puncto Äußerlichkeiten, weshalb Frau Portman bei jedem Auftritt eine andere Frisur sowie ein anderes Kleid trägt. Gut geklaut, statt selbst ausgedacht: Bei ihrer Beerdigung sieht sie aus wie Sissy. Das ist übrigens charakteristisch: Der Effekt macht das Bild. Derart mag auch die Besetzung des Anakin Skywalker mit Hayden Christensen zu erklären sein, denn als Schauspieler erreicht er nur die Ausstrahlung eines Frisurenmodells. Sein Wechsel zur dunklen Seite der Macht ist mit Liebe so schlüssig wie simpel begründet. Den Weg dorthin nimmt ihm der Kritiker nicht ab. Das ist wenig tragisch, denn es ist nun einmal eine Seifen-Oper, deren Stärke das Visuelle ist. Bedenkt man die Werbung, handelt es sich allerdings um Etikettenschwindel, denn das Studio wirbt mit der Beantwortung "brennender und entscheidender" Fragen. Eine nette Idee: Als Darth Vader erblickt er parallel mit seinen Kindern das Licht der Welt, in einer Art Frankenstein-Szene. Viel hat er nach dieser "Götterdämmerung" nicht mehr zu tun. Ein wenig staksen, röchelnd atmen - und der Käse ist gegessen. Von Lord Darth Vader bekommt der Zuschauer nicht viel für sein Geld.
An Tempo wiederum wird nicht gegeizt. Das bezieht der Film weniger aus der Handlung, als vielmehr aus schnellen Schnitten, durch die einzelne Szenen nur noch 3 Sekunden dauern, derweil die Erzählung unablässig zwischen verschiedenen Handlungsorten springt. Dank der einfachen Strickweise verlieren Sie trotzdem nie den roten Faden ;-). Der Kern des Ganzen ist in weniger als 10 Minuten erzählt. Die noch losen Handlungsfäden müssen verknüpft werden, überzählige Charaktere sterben, die zweieiigen Zwillinge Luke und Leia auf die Welt kommen. Die Kunst besteht darin, das Grundlegende durch Kämpfe auf mehr als zwei Stunden aufzublasen. Das ist gelungen, der Film bleibt ohne Längen. Und die Fans wird es kaum stören, dass auch der Rest ohne sonderliche Überraschungen bleibt. Der Kritiker jedoch hat nicht schlecht gestaunt, wie dümmlich die Jediritter agieren. Bis auf zwei werden alle von Verrätern erschossen.
Die Überlebenden tragen ein schweres Los. Yoda geht auf Grund eines einzigen verlorenen Kampfes ins Exil! Obi-Wan Kenobi zahlt das Überleben mit dem Verlust des Schülers. Bis dahin hat er viel zu tun, aber außer viel Gefuchtel mit dem Lichtschwert, darf der Schauspieler Ewan McGregor kaum Können unter Beweis stellen. Im Gegensatz zu R2, der in dieser Episode Tricks beherrscht, die ihm später wieder fehlen. Ganz nebenbei sorgt er für gespielte Gags. Noch nicht an seiner Seite, sondern Begleiter von Padmé Naberrie-Skywalker ist C3PO. Weshalb erinnert er den Kritiker immer an einen tuntigen Homosexuellen? Egal. Der Druide ist ein weiteres schönes Beispiel für die Bevorzugung nahe liegender Lösungen. Sein Gedächtnis wird in den letzten Filmminuten gelöscht. Eine logische Erklärung bietet der Film nicht mehr, denn er endet gleich darauf. Das hat den Vorteil, dass R2, dank der verminderten Auftritte, weniger pfeifen kann - trotzdem ist der Geräuschpegel an Gezwitscher, Gezirpe und Gefiepe relativ hoch.
Was ich neidlos anerkenne, ist nicht nur der Mut zur Trivialität, sondern ebenso das Talent, Archetypisches aufzugreifen. Gemischt mit historischen Symbolen und Science-Fiction ergibt es eine eigene Handschrift. Die wirkt bisweilen etwas befremdlich, wenn sogar asthmageplagte Druiden Umhänge tragen, aber das ist künstlerische Freiheit.
Fazit
Der Kinofilm "Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith" ist als Action- und Spezialeffekt-Kino konzipiert - und kann nur als solches bestehen. Dementsprechend sind die Kämpfe innovativ, der Rest Hausmannskost. George Lucas hat seine Hausaufgaben gemacht. Die Anknüpfung an bestehende Punkte ist vollbracht. Für das nächste Projekt sollte er trotzdem darauf verzichten auch das Drehbuch selbst zu schreiben, denn darin liegt seine Stärke weiß Gott nicht. Fans der Reihe werden bekommen, was sie erwarten und trotz der genannten Schwächen bietet der Film gute Unterhaltung.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Credits
Original Film-Titel: "Star Wars: Episode III - Revenge of the Sith"
Land: USA 2005
Laufzeit ca.: 140 Minuten
Kino-Start: 19.05.2005
DVD-Start: 31.10.2005
Regie: George Lucas
Drehbuch: George Lucas
Schauspieler (Besetzung): Ewan McGregor (Obi-Wan / Ben Kenobi), Hayden Christensen (Anakin Skywalker / Lord Darth Vader), Natalie Portman (Amidala / Padmé Naberrie-Skywalker), Ian McDiarmid (Supreme Chancellor / Emperor Palpatine / Darth Sidious), Samuel L. Jackson (Mace Windu), Christopher Lee (Count Dooku / Darth Tyranus), Anthony Daniels (C-3PO), Kenny Baker (R2-D2)
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