Kinofilm

Öffne meine Augen - Kritik

Te doy mis ojos

Eindringliche Filmstudie einer spanischen Ehe. Je selbstsicherer Pilar wird, desto unsicherer reagiert ihr Ehemann Antonio, was zu zunehmender Gewalt in der Ehe führt. Da seine Versuche, sich zu ändern scheitern, endet die Partnerschaft im endgültigen Bruch.

Mehr als 10 Jahre hat Pilar (Laia Marull) die Wutausbrüche ihres Ehemannes Antonio (Luis Tosar) ertragen. In dieser Nacht rafft sie eilig das Notwendigste zusammen, flieht Hals über Kopf zu ihrer Schwester Ana (Candela Pena). Die rät ihr mal wieder, den Kerl endlich zu verlassen, obwohl sie nur die halbe Wahrheit kennt. Erst als sie Kleidung aus der Wohnung ihrer Schwester holt, sieht sie nicht nur die Verwüstung, sondern findet Krankenhaus-Rechnungen, die offenbaren, dass Antonio seine Ehefrau wiederholt im wahrsten Sinn des Wortes krankenhausreif geschlagen hat.
In der kommenden Nacht schleicht Pilar heimlich in eine Telefonzelle um Antonio anzurufen, doch der lauert bereits vor dem Haus und setzt ihr nach. Im letzten Moment schlägt sie die Haustür zu, weshalb Antonio wieder einen seiner gefürchteten Gewaltausbrüche bekommt und kurz davor ist, die Tür einzuschlagen. Es wird zu weiteren vorsichtigen Annäherungen kommen, denn Pilar fällt die Trennung schwer - doch alle enden im Desaster. Antonio möchte sich zwar ändern, besucht eine Therapie, doch die Ratschläge des Therapeuten fruchten nicht. Es gelingt ihm nicht seine Emotionen zu beherrschen. Das verwundert nicht unbedingt, denn er bekommt seine Ängste nicht in den Griff. Ständig lebt er mit der Vorstellung, Pilar könnte ihn für einen anderen (Besseren) verlassen; bezieht Dinge auf sich, die nicht mit ihm zusammenhängen. Je selbstständiger sie wird, desto verängstigter reagiert er. Ein Teufelskreis, aus dem ihn kein Weg hinausführt. Als Pilar die Chance auf eine Arbeitsstelle erhält, kommt es zum endgültigen Bruch: Antonio dreht panisch durch und zerstört das letzte Fünkchen Hoffnung auf einen Neubeginn.

Filmkritik

Obwohl der Verleih den Titel drei Mal änderte und den Starttermin ebenso oft verschob, bleibt es ein unbequemer Kinofilm, der auf Grund seiner Thematik prädestiniert ist für Festivals. Das Thema beginnt bei der Problematik Gewalt in der Ehe, zeichnet zwei verunsicherte Menschen und hinterfragt das spanische Machotum. Regisseurin Iciar Bollain setzt dabei auf drei Spannungsfelder. Der zerrütteten Ehe stellt sie die funktionierende Beziehung der Schwester der Hauptdarstellerin gegenüber. Deren zukünftiger, schottischer Ehemann ist das Gegenteil des spanischen Machos. Er ist sanft, lieb und hilft sogar im Haushalt. Pilar hat damit ständig ein Beispiel vor Augen, wie eine Beziehung sein könnte. Doch die therapeutischen Sitzungen, an denen ihr Ehemann Antonio teilnimmt, führen zwar zu für den Zuschauer komischen Momenten, aber die Männer verändern sich nicht. Sie beharren auf ihrem Standpunkt. Ein weiterer Spannungspol ist die Mutter, die die Tradition verkörpert. Während Pilars moderne Schwester versucht, sie zur Trennung zu überreden, will die Mutter sie verhindern. Für die streng katholische Frau existiert die Möglichkeit einer Scheidung nicht. Eine Frau muss eine Ehe durchstehen und basta. Ohne Zweifel ein Kinofilm, den sich auch Männer anschauen sollten. Doch wahrscheinlich werden nur diejenigen ihn sehen, die es nicht "nötig" haben. Alles in allem sehenswertes Programmkino.
Filmkritik: Thomas Maiwald

Credits

Original Film-Titel: "Te doy mis ojos"

Land: Spanien 2003

Laufzeit ca.: 106 Minuten

Kino-Start: 04.08.2005

Regie: Iciar Bollain

Drehbuch: Iciar Bollain, Alicia Luna

Schauspieler (Besetzung): Laia Marull (Pilar), Luis Tosar (Antonio), Candela Pena (Ana), Rosa Maria Sarda (Aurora), Kiti Manver (Rosa), Sergi Calleja (Therapeut), Elisabet Gelabert (Lola), Nicolas Fernandez Luna (Juan), Dave Mooney (John), Chus Gutierrez (Raquel), Elena Irureta (Carmen)

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