Fußball und das derzeitige Modethema Homosexualität zu verschmelzen, damit sollte ein Film auf der sicheren Seite sein. Oder?
In Boldrup wird gerne gebolzt. Die Freizeitkicker haben eine schlechte Phase und einen Schuldigen: Torwart Ecki. Das Runde geht ins Eckige - womit der Aufstieg in die Regionalliga vergeigt ist. Man ertränkt den Frust in Alkohol, was für Ecki im Fiasko endet, denn in der Bierseligkeit versucht er einen Kameraden zu küssen. Damit ist es raus: Ecki ist schwul - und Schwule können nicht Fußball spielen. Er wird mit Schande aus der Mannschaft geworfen, was ihn zu Rache anstachelt. In vier Wochen will er zurückkehren und mit einer Homo-Mannschaft beweisen, was eine Harke ist.
In Dortmund zieht Ecki zunächst bei seiner Schwester Susanne ein und geht von dort aus auf die Suche nach Mitspielern. Das sollte in einer Großstadt ja kein Problem sein. Und tatsächlich wird er an den seltsamsten Orten fündig. Ein schwuler Dönerverkäufer, der David Beckham verehrt, in der Lederdisco können Mitspieler gewonnen werden und sogar in einer Fankneipe - allein unter Heteros - findet Ecki einen Mitstreiter. Selbst für einen heterosexuellen Mann ist Platz in der Mannschaft, solange der vorgibt schwul zu sein. Dazu erobert Ecki das Herz von Zivi Sven, der auf Susannes Station arbeitet. Dass aus dem Haufen überhaupt eine Mannschaft wird, dafür sorgt Ex-Fußballprofi Karl (Rolf Zacher). Zunächst nur widerwillig, aber auf die Dauer holt er aus den Männern raus, was in ihnen steckt. Dafür legt man sogar die Piercings ab und verzichtet auf Sex. Damit die Geschichte nicht zu glatt verläuft, knirscht es zwischen Sven und Ecki, weil Ecki nicht zu Sven stehen kann. Rudolf möchte seinem Sohn die Wahrheit offenbaren, doch seine Ex-Frau vereitelt jeden Anlauf. Als die Mannschaft dann erfährt, dass Ecki sie nur für seine Rache benutzen will, droht das große Scheitern. Aber am Ende siegt rosa über blau.
Filmkritik
"Männer wie wir" hieß ursprünglich "Lattenknaller", was dem Inhalt des Films gerechter wird. An Witz, Rasanz und Originalität von "Kick it like Beckham" kommt die Produktion nicht heran. Regisseurin Sherry Hormann gab sich Mühe Feelgood zu drehen, doch das Ergebnis wurde eine lauwarme Ruhrpott-Komödie. Dabei muss man der Produktion anrechnen, dass sie einen homo-freundlichen Streifen drehen wollten. Leider blieb es beim Bemühen und der Schuss ging nach hinten los. Abgenudelte Schwulen-Witze werden vorgetragen, ohne entsprechend dagegenzuhalten. Die Schwulen sind schwul, weil sie schwul sind. So gibt es die schwule Troika, die gemeinsam arbeitet und lebt. Damit auch der Dümmste sie als schwul erkennt, tragen sie schwarzes Leder. Dazu gibt es natürlich die Tunte (einen weibischen Homo), die im Dönerladen ein Portrait von David Beckham verehrt. Weil es gut ins Bild passt, werden auch zwei schwule Brasilianer aufs Grün gestellt. Rudolf ist ein geschiedener Vater, der seinem Sohn etwas erklären möchte, doch es kommt nie dazu, weil seine eifersüchtige Ex-Frau das Kind in jeder Szene wegreißt.
Die Klischees reichten den Drehbuchautoren als Charakterisierung aus. Ecki und Trainer Rolf bekommen ansatzweise eine Vergangenheit spendiert, der Rest der Darsteller ist entweder homo, homophob, liebevoll, vergrätzt oder zufällig im Film anwesend. Da RTL einen Teil der Produktionskosten finanzierte, spielen auch Serienstars mit. Macht im Ergebnis keinen großen Unterschied ob Willi Thomczyk bei den "Campern" Würstchen grillt oder aufm Bolzplatz launige Kommentare gibt. Die allerdings besser in "Lattenknaller" passten. Wegen Mariele Millowitsch ins Kino zu gehen lohnt nicht, denn sie sagt nur einen Satz. Den Rest der Zeit steht sie deplatziert hinterm Tresen.
Das holperige Drehbuch bietet noch weitere Eigenwilligkeiten: So bleiben die Feelgood-Momente ohne Unterbau. Die vertrocknete Wirtin Elke küsst ohne Grund Trainer Karl. Zum entscheidenden Spiel taucht eine Samba-Truppe auf. Frei nach dem Motto: Auch wenn es keine Vorgeschichte hat, es wäre an der Stelle eine tolle Idee - also rein damit. Die Konflikte sind vorhersehbar, man ahnt beispielsweise, dass die Mannschaft rebellieren wird, wenn sie erfährt, dass sie für Eckis Rache herhalten soll. Des Weiteren gibt es zu wenig schöne Ideen. Etwa dass es nach Eckis Weggang in der elterlichen Bäckerei nur noch verunstaltete Brezen zu kaufen gibt. Zu den Darstellern ist wenig zu sagen. David Rott spielt überzeugend. Im Gegensatz zu Maximilian Brückner, der für die Hauptrolle zu farblos bleibt. Den besten Eindruck hinterlässt Rolf Zacher als miesepetriger Trainer.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Credits
Original Film-Titel: "
Alternativ-Titel: "Lattenknaller"
Deutschland 2004
Laufzeit ca. 106 Min.
Kino-Start: 07.10.2004
DVD-Start: 09.06.2005
Regie: Sherry Hormann
Drehbuch: Benedikt Gollhardt
Schauspieler (Besetzung): Maximillian Brückner, Lisa Maria Potthoff, Dietmar Bär, Saskia Vester, Rolf Zacher, Mariele Millowitsch, David Rott, Christian Berkel, Charly Hübner, Markus John, Andreas Schmidt, Willi Thomczyk, Hans Löw, Billey Demirtas, Edesson Batista de Jesus, Edilton Pereira Da Cruz