Kinofilm

Babooska

Die Filmemacher erzählen in Episoden vom alltäglichen Existenzkampf der jungen Artistin Babooska, die mit ihrer Familie einen Wanderzirkus betreibt und durch Italien reist. Ein Jahr lang haben sie die Künstlerin auf ihrer Odyssee begleitet und einen ungeschminkten Blick hinter die Kulissen eines Mikrokosmos am Rand der Gesellschaft geworfen.

Babooska ist ein Dokumentarfilm, der auf jeglichen Kommentar und auf Interviews verzichtet und ein kaltes nebliges Italien abseits der Touristenklischees von Sonne und Meer festhält. Der Film ist sehr stark von der Montage geprägt und versucht, das Wesentliche ohne Erklärung der Handelnden oder der Autoren durch die Beobachtung der Menschen und der Orte erfassbar zu machen. Das verlangt neben einer Menge Geduld und Zeit vor allem auch eine Sensibilität für den richtigen Abstand zu den Gefilmten und ein starkes Rhythmusgefühl. Der Film legt seinen inhaltlichen Schwerpunkt auf das Zusammenleben der Familienmitglieder, die sich im Dauerzustand des professionellen Umherreisens befinden: das aufeinander angewiesen Sein, Babooskas Tochter, die von der Mutter unterrichtet wird, weil Sie nie lange genug an einem Ort in die Schule gehen könnte, die räumliche Enge, das tägliche Warten auf Besucher, die Dörfer, in denen nur noch alte Leute wohnen, die kein Interesse mehr für den Zirkus haben, das tägliche Improvisieren, Umstellen, Neu-Erfinden der Show. Die Auftritte selbst interessieren dabei nur am Rand, sie sind Alltag und werden nicht groß vorbereitet.
"Die gute alte Zeit" ist, woran sich Babooskas Familie festhält. Und gleichzeitig ist deutlich abzusehen, dass die Perspektiven für den kleinen Familienzirkus in einer Zeit, in der nur die großen Eventshows überleben, begrenzt sind. Doch eine fehlende Altersabsicherung, Veränderung, ein neuer Lebensentwurf sind Herausforderungen, denen sich diese Künstler, obwohl sich deren Leben auf Flexibilität und Improvisation geradezu gründet, nicht stellen wollen. Babooska ist keine journalistische Reportage. Sondern ein Roadmovie, das seinen Zauber und seine magischen Momente ganz ohne kitschige Reisebilder entfaltet. Es beschreibt melancholisch, aber auch humorvoll die aussterbende Lebensweise von modernen Nomaden und den Zustand des Unterwegsseins, zwischen einer glorreichen Vergangenheit und einer unsicheren Zukunft, zwischen dem Zweifel und der Hoffnung, dass das Leben doch immer so sein möge wie ein voller, moderner, gut geheizter Zirkus.

Copyright/Quelle: Salzgeber

Credits

Original Film-Titel: "

Land: Österreich / Italien 2005

Laufzeit in Minuten ca.: 100

Kinostart: 15.02.2007

Regie: Tizza Covi, Rainer Frimmel

Drehbuch: Tizza Covi, Rainer Frimmel

Schauspieler (Besetzung):



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