Kinofilm

Der Zimmerspringbrunnen

Weil Hinrich Lobek (Mitte 30) schon seit Langem nicht mehr gebraucht wird, ist die horizontale Lage auf seinem Ostsofa in der Plattenbauwohnung zur Widerstandsform gegen die Geschäftigkeit der verwestlichten Außenwelt geworden. Als das Arbeitsamt ihm einen Job als Vertreter für Zimmerspringbrunnen aufbrummt, entwickelt Lobek eigene Marketingstrategien und kreiert in schönster DDR-Nostalgie (und damit gar nicht im Sinne seines Arbeitgebers) ein eigenes Springbrunnenmodell: Der Wasser speiende Fernsehturm am Alex wird ein Verkaufsschlager und Lobek macht Karriere - doch die eigene Ehefrau will mit diesem neuen Helden nicht mehr ihr Leben teilen.

Langinhalt
In der DDR war Hinrich Lobek (Götz Schubert) ein "Vertreter der sozialistischen Ordnung" bei der KWV, der Kommunalen Wohnungs-Verwaltung, zuständig für die riesigen Plattenbauten in Ost-Berlin. Nach dem Fall der Mauer konzentriert er sich auf die Rolle des arbeitslosen Hausmannes: Er gießt die Kakteen, kauft preiswert ein und geht mit seinem heiß geliebten Hund Henry Gassi. Auf die Idee, sich einen neuen Job zu suchen, kommt er nicht. Eine Situation, die Gattin Julia (Simone Solga) nicht mehr ertragen will. Die Architektin hat sich der neuen Arbeitswelt bestens angepasst: Sie ist erfolgreich, immer unterwegs und in Eile.
Auf Drängen seiner Frau stapft Lobek eines Tages zum Arbeitsamt. Dort bekommt er ein Stellenangebot: Vertreter bei Panta Rhein, einer Firma für Zimmerspringbrunnen. Trotz einiger Skepsis bewirbt er sich und wird sogleich eingeladen - zur alljährlichen Firmenkonferenz nach Köln. Im Crashkurs versucht man ihn zum Vertreter westdeutschen Typs auszubilden: penetrant, verlogen, erfolgsorientiert. Schließlich hat Dr. Alois Boldinger (Hermann Lause), Chef von Panta Rhein, viel mit Lobek vor: Zusammen mit seinem Westkollegen Uwe Strüver (Gustav Peter Wöhler) soll er Ostdeutschland mit kitschigen Zimmerspringbrunnen beglücken.
Zurück in der Hauptstadt hat Lobek bald seinen ersten Einsatz: Berlin-Marzahn, ein Gebiet, das er aus alten Zeiten wie seine Westentasche kennt. Strüver versucht zunächst den Neuzugang zu beeindrucken, doch mit seiner nassforschen Art läuft er in den Plattenbauten gegen verschlossene Türen. Ganz anders Lobek. Der einstige Vertreter der KWV kennt viele Mieter, tritt bescheiden auf und verkauft gleich beim ersten Versuch einen Brunnen der "Jona"-Serie.
Glücklich über sein Geschick will er seine Frau im Büro überraschen. Dort wird gerade Geburtstag gefeiert. Julia unterhält sich mit Thomas Hamann (Bastian Pastewka). Seit Längerem hat der Mittdreißiger ein Auge auf die verheiratete Kollegin geworfen. Julia genießt seine Aufmerksamkeit, der Auftritt ihres Gatten ist ihr eher unangenehm. Lobek ertränkt seinen Frust in Prosecco.
Zweiter Tag im Vertreterleben: Das Geschäft läuft mies. Modell "Jona" mit Wasser speiendem Wal kommt bei den Ostberlinern nicht besonders an. Am Ende des Tages erfährt Lobek, dass er von nun an alleine auf Tour gehen muss. Strüver lässt ihm einige Dutzend Zimmerspringbrunnen zur Verwahrung da. Als Julia am Abend mit Hamann nach Hause kommt, traut sie ihren Augen nicht: Ihre Wohnung ist zur Lagerhalle umfunktioniert worden. Hamann verabschiedet sich pikiert. Julia ist stinksauer auf ihren Göttergatten. Dem scheint das egal. Mit Hingabe studiert er die Verhaltensfibel für das patente Verkaufsgenie und kümmert sich weder um Hund noch Ehefrau. Auf ihre Vorwürfe reagiert er mit auswendig gelernten Vertretersprüchen. Wutentbrannt zerdeppert Julia einen Brunnen. Zerknirscht geht das Paar zu Bett.
In der Nacht kann Lobek nicht schlafen: Er hat eine Idee. Aus dem kaputten "Jona"-Modell bastelt er ein neues Wasserspiel. Dabei erhebt sich zur Melodie von "Auferstanden aus Ruinen" ein Miniatur-Fernsehturm aus einer Landschaft mit den Umrissen der DDR und spritzt los. Voller Stolz präsentiert er seiner Frau am nächsten Morgen die ostalgische Erfindung mit dem klangvollen Namen "Atlantis". Für Julia ist klar: Ihr Mann ist endgültig übergeschnappt. Sie hat die Schnauze voll, packt ihre Koffer und zieht zu Freundin Conny (Nina Franoszek).
Während seine Ehe in einer handfesten Krise steckt, entpuppt sich Lobeks Modell "Atlantis" als Verkaufsschlager. Lobek hat den Nerv des Ostens getroffen. Mit der Neuproduktion kommt er kaum nach. Jede Nacht bastelt er in liebevoller Kleinarbeit diverse "Jona"-Wasserspiele zu "Atlantis"-Brunnen um. Seine Versuche, mit Julia zu sprechen, scheitern an der feindseligen Conny.
Währenddessen machen Lobeks Verkaufserfolge die Runde bei Panta Rhein. Dr. Boldinger möchte den erfolgreichsten Mann aus seinem Stall besser kennenlernen und besucht ihn mit Strüver auf einer Messe für Ostprodukte. Ziemlich baff sehen beide erstmals die umgebauten Jona-Modelle. Dr. Boldinger geht, ohne ein Wort zu sagen. Doch beim gemeinsamen Essen am selben Abend zeigt sich der Chef begeistert über die Eigeninitiative seines Mitarbeiters. Er verkündet, dass "Atlantis" in Serie gehen soll, und befördert Lobek zum Vertriebsleiter Ost. Ein Schlag ins Gesicht für Strüver, denn eigentlich war er für diese Position vorgesehen. Lobek hat Mitleid mit seinem Kollegen und tröstet ihn.
Julia hat sich immer noch nicht gemeldet. Lobek fühlt sich einsam, da bringt ihn ausgerechnet Strüver auf die rettende Idee: Heiligabend steht vor der Tür. Warum die Treulose nicht zum Weihnachtsbraten einladen? Gesagt, getan - doch Julia reagiert nicht auf Lobeks Einladung.
24. Dezember, abends: Seit Tagen hat Lobek die Wohnung auf Vordermann gebracht, der Kaninchenbraten duftet köstlich im Ofen, Hund und Herrchen sind erwartungsfroh. Doch plötzlich fehlt Henrys Futter und Lobek eilt mit Henry noch schnell zum Supermarkt um die Ecke - kurz darauf trifft Julia in der Wohnung ein. Als sie niemanden antrifft, hinterlässt sie traurig ihr Weihnachtsgeschenk und geht. Als Lobek zurückkehrt, findet er nur noch Julias Karte mit den Worten "Ich habe Dich sehr lieb, aber ich kann nicht mit Dir leben". Lobek ist am Boden zerstört.
Am nächsten Tag feiert Thomas Hamann das Heilige Fest, gemeinsam mit vielen Freunden, kitschigen Liedern und teurem Buffet. Julia ist auch da. Wie immer schmeichelt Thomas ihr mit Gesang und Geschenken, doch die Umschwärmte wendet sich ab. Der Grund: kurz vor Weihnachten ist ihr gekündigt worden, und ihr ach, so aufmerksamer Kollege weiß seit Längerem davon. Enttäuscht von Hamanns Heuchelei, verlässt sie die Party.
Lobek hingegen will endlich um seine Frau kämpfen. Connys Sohn verrät, dass Julia zu ihrer Mutter nach Magdeburg fahren will. Mit Henry verbringt Lobek eine ganze Nacht auf dem Bahnhof - doch keine Spur von Julia. Erst am Morgen steht sie endlich vor ihm auf dem Bahnsteig, doch es bleiben nur wenige Minuten, bis der Zug fährt. Ungelenk und schüchtern, wie er ist, schafft Lobek es nicht, Julia zu sagen, dass er sie liebt und vermisst. Julia steigt in den Zug.
Einige Tage später: Vertreterkonferenz im Restaurant des Berliner Fernsehturms. Lobek steht vor der ganz großen Beförderung. Da kommt plötzlich Julia durch die Tür. Jetzt weiß er endlich, wie er sich entscheiden soll - und macht seinen Kollegen Strüver zum glücklichsten Vertreter der Republik ...
Copyright/Quelle: Senator

Credits
Original Film-Titel: "
Land: Deutschland 2001
Laufzeit in Minuten ca.: 90
Kinostart / Filmstart: 29.11.2001
Regie: Peter Timm
Drehbuch: Kathrin Richter, Ralf Hertwig
Schauspieler (Besetzung): Götz Schubert, Simone Solga, Gustav Peter Wöhler, Hermann Lause, Bastian Pastewka, Nina Franoszek, Christof Wackernagel, Thomas Gimbel, Christel Peters

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