Kinofilm

Es

Derry ist eine dieser vielen amerikanischen Ansiedlungen, die man ohne sie zu beleidigen als Nest bezeichnen darf. Eigentlich passiert in diesen Dörfern nichts Aufregendes. Außer eben in Derry. Dort geschehen alle 27 Jahre Unglücke beziehungsweise es verschwinden auffällig viele Kinder.

Das Grauen beginnt im Oktober 1988. Der kleine Georgie spielt im Regen mit einem selbstgebastelten Boot, dass in der Kanalisation verschwindet. Als er es zu bergen versucht, entdeckt er im Abwasserkanal einen Clown. Pennywise lautet dessen Name und Georgie fast vertrauen zu ihm. Eine schlechte Idee, denn der hinterlistige Clown beißt ihm einen Arm ab und zieht ihn hinab.
Es ist noch kein Jahr vergangen und Georgies älterer Bruder Bill ist immer noch auf der Suche nach ihm. Die großen Schulferien stehen an und er überredet seine Freunde, ihm bei der Suche zu helfen. Ihre Nachforschungen bringen sie zur Kanalisation und während sie dort nach Hinweisen suchen, zieht das Grauen langsam auf. Etwas greift nach ihnen. Doch was?

Kritik

Der Film "Es" deckt gleich zu Beginn eine seiner Karten auf. Pennywise ist ein echter Horror-Clown, dessen besondere Diät schnell erklärt ist. Nun ist es an der Zeit, die Hintergrundgeschichte aufzudröseln - was in "Es" ausbleibt. Die Hoffnung mehr zu erfahren liegen auf dem zweiten Teil. Der Schwerpunkt dieses ersten Teils liegt auf einer Gruppe von sieben Kindern, die an der Schwelle zur Pubertät stehen. Das verdeutlichen die vielen Witze der Jungen über die menschliche Sexualität. Sie sind wahrscheinlich typisch für das Alter, in dem man sich mit Dingen zu beschäftigen beginnt, die noch ein großes Mysterium darstellen.

Auch nicht ungewöhnlich für das Alter ist es von älteren Halbstarken drangsaliert zu werden. Was die Sieben zu Außenseitern macht ist nicht in allen Fällen eindeutig. Beverly ist neu an der Schule und wird deshalb von den anderen Mädchen gehänselt. Mike wächst ohne Eltern auf und ist einer der wenigen Farbigen des Ortes. Richie ist eine Brillenschlange. Bill stottert. Ben ist übergewichtig. Eddie hat Asthma. Stanley ist der Sohn des Rabbi. So gibt die Handlung in einigen Fällen Erklärungsansätze. Wirklichen Klartext spricht sie nicht.

Die jungen Darsteller verkörpern ihre Rollen annehmbar, in einigen Szenen etwas arg amerikanisch. Dass sie keine bleibenden Eindrücke hinterlassen, liegt nicht zuletzt am mageren Ausbau der Rollen. So hat Bill Schuldgefühle, weil er sich für den Tod seines Bruders verantwortlich fühlt, weil er das Papierschiff baute, mit dem der Bruder im Regen spielen ging und nie zurückkehrte. Ben ist der dicke Bücherwurm, der in der Bibliothek Zuflucht sucht, weil ihn die anderen Kinder wegen seines Übergewichts mobben. Alles in allem sind die Rollen schablonenhaft und lassen Ausgestaltung vermissen.
Sein Alter verrät nur Ben, wenn er sagt, in 27 Jahren 40 Jahre alt zu sein. Wenn der Rest der Bande ungefähr gleichaltrig ist, dann sind die Kids zwischen 12 und 14 Jahre alt. Im Fall von Beverly ist mir dann nicht klar, ob sie so erstaunlich reif sein soll, wie sie auftritt?

Den wenigen Erwachsenen des Films fallen Nebenrollen zu. Ein Teil von ihnen trägt dazu bei, dass ihre Kinder zu Außenseitern werden. Der Rabbi erkennt seinen Sohn nicht an. Ähnlich ergeht es Mike, den sein Onkel für ein Weichei hält. Eddie leidet unter einer überfürsorglichen Mutter. Beverly hat zuhause mit ekelhaften Problemen zu kämpfen. Ansonsten erstaunt es, wie gelassen die Erwachsenen mit der Situation umgehen. Obwohl im Ort mehrere Kinder verschwinden, zeigt die Handlung keine Such- oder Polizeiaktion.

Etwas seltsam ist, dass für einen Horrorfilm der Horror kurz kommt. Es dauert nach der Eröffnung lange, bis die Kinder die nächste Sequenz in einem alten Haus erleben. Wie in den restlichen Momenten auch, fällt die Darstellung hinsichtlich der Ideen und der Qualität der Tricks ab. Gut gelungen ist die Darstellung des abscheulichen Clowns Pennywise. Der lässt zwischen Grimassen und Geplänkel immer wieder die Maske fallen. Nach der Konfrontation mit dem Bösen stehen erneut Themen an, die dem Film Spannung geben und fast schon in Mystery übergehen.
Weiterhin fällt der Humor auf. Wiederholt sind die Szenen so komponiert, dass man fast lachen möchte. Im Kino wird etwa gerade "Nightmare on Elmstreet" gezeigt. Wirklich lustig wird der Film nicht. Es ist auch nicht so, dass einem das Lachen im Hals stecken bleibt. Vielmehr ist der gut gesetzte Humor ein kleines Bonbon.

Eine Frage stelle ich mir. Ich kann mich aus meiner eigenen Kindheit an Bonanzaräder mit den typischen Bananensatteln erinnern. Doch gab es die noch in den späten 1980er Jahren? In dem Dorf, in dem ich aufwuchs, waren die Dinger irgendwann tabu, weil die Kinder sich beim Fahren an den Sattel lehnten und beim Bergauffahren zu oft eine Rolle rückwärts machten.

Fazit
Die Phase des Übergangs zwischen Kindheit und Pubertät trifft der Film gut. Die Jungs und das Mädchen kämpfen mit alltäglichen Problemen und müssen ein Rätsel lösen. Wie in vielen Märchen sind es sieben. Doch die magische Zahl spielt keine erkennbare Rolle. Der Horror kommt etwas kurz. Das offene Ende ist unbefriedigend.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 70 %

Original Filmtitel: It
Land: USA
Jahr: 2017
Laufzeit ca.: 135
Genre: Drama • Horror
Verleih: Warner Bros.
FSK-Freigabe ab: 16 Jahren

Kinostart: 28.09.2017
Heimkino: 22.02.2018

Regie: Andy Muschietti
Drehbuch: Chase Palmer • Cary Fukunaga • Gary Dauberman
Literaturvorlage: Stephen King

Schauspieler: Jaeden Lieberher (Bill Denbrough) • Jeremy Ray Taylor (Ben Hanscom) • Sophia Lillis (Beverly Marsh) • Finn Wolfhard (Richie Tozier) • Chosen Jacobs (Mike Hanlon) • Jack Dylan Grazer (Eddie Kaspbrak) • Wyatt Oleff (Stanley Uris) • Bill Skarsgård (Pennywise) • Nicholas Hamilton (Henry Bowers) • Jake Sim (Belch Huggins) • Logan Thompson (Victor Criss) • Owen Teague (Patrick Hockstetter) • Jackson Robert Scott (Georgie Denbrough) • Stephen Bogaert (Mr. Marsh) • Stuart Hughes (Officer Bowers)

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