Kinofilm

Gregs Tagebuch - Böse Falle!

Autofahrten mit der ganzen Familie werden gern zur Prüfung für Geduld, Nerven und Toleranz. In dieser Hinsicht ergeht es Greg nicht besser. Er kommt trotz oder wegen seiner jungen Jahre nicht zur Ruhe. Der Ausflug ins Familienlokal geht gründlich schief und endet für den Jungen mit einem peinlichen Video, das in sozialen Netzwerken zum Hit wird.

Dann plant seine Mutter, das Gefühl der Zusammengehörigkeit durch einen Ausflug zur Oma zu stärken. Die mehrtägige Fahrt dorthin wirft die Frage auf, ob der Wahnsinn Methode hat?

Kritik

"Gregs Tagebuch: Böse Falle!" ist eine quirlige Komödie für die ganze Familie, der es leider an Ausarbeitung mangelt. Den Kern der Handlung bildet das Motiv Tradition gegen Moderne. Wobei Greg (Jason Drucker) und sein älterer Bruder Rodrick (Charlie Wright) moderne Kinder verkörpern, die ohne Technik sprich ein Smartphone nicht mehr leben können. Dem steht die Mutter gegenüber, die ihrer Familie gerne klassische Werte vermitteln möchte. Zunächst sind die Fronten verhärtet. Das versinnbildlicht zum Beispiel die Szene Ausdruck, in der die Mutter erzählt, einst eine wilde Haarfarbe gehabt zu haben und die Söhne fragen ungläubig, wann die Eltern so spießig wurden. Diese Generationskonflikte bilden nicht nur eine Triebfeder des Films, sondern auch die Grundlage für einen Gutteil seiner Witze. Davon abgesehen ist Greg sehr daran gelegen, die Scharte des Internetvideos auszuwetzen. Da er dies nicht offen mit seiner Familie bespricht, kreuzen die Pläne für den Ausflug einander, was zu Reibereien führt und für den Zuschauer lustig sein soll.
Sowie der Umstand, dass Gregs Mutter eine Matriarchin ist, die die Handlung offen zur Unperson stilisiert. Sie herrscht nicht nur über ihre Kinder, sondern auch über ihren Ehemann. Letzter hat eine Vorgesetzte und wird also von gleich zwei Frauen schikaniert. Das gibt der Handlung einen seltsamen Beigeschmack: Der Familienvater und seine Probleme mit den Frauen.

Unverständlich ist Gregs Hinweis auf ein Basiswissen an Physik und das der folgende Gag die Gesetze der Physik missachtet. Der Witz spielt in einem Rotor, einer Jahrmarktsattraktion, die Menschen durch die Fliehkraft an die Wand drückt. Im Film erbricht Rodrick und die Kotze schwebt im Raum, um dann einem anderen Mann in den offenen Mund zu fliegen. Womit ich einen weiteren seltsamen Punkt des Films ansprechen möchte. Er hat eine Vorliebe für Witze, die mit Körperausscheidungen in Zusammenhang stehen. So muss Greg während der Autofahrt in Flaschen pinkeln, es gibt gehäuft Witze über Stuhlgang von Mensch und Tier und es wird ausgiebig gefurzt. Hinzu kommen Witze, die aufgrund ihres Konstrukts kaum witzig sind. Wenn das Auto im Schlamm steckenbleibt und die Familie aussteigt und sich an ein Hinterrad stellt, dann erwartet der Zuschauer, dass der Vater Gas geben wird und der Rest der Familie mit Schlamm bespritzt wird. Und genau das passiert. Ja, Dummheit kann für den Zuschauer lustig sein - muss sie jedoch nicht. Rodrick schiebt eine Pizza in einen Zimmersafe, den er für eine Mikrowelle hält. Kann man witzig finden oder befremdlich.

Abträglich ist weiterhin der Umstand, dass viele Gags nicht zu Ende geführt werden. In einem Motel warnt der Vater davor, etwas aus der Minibar zu essen, weil das zu teuer ist. Am nächsten Morgen ist die Minibar geplündert und der Vater stöhnt über die Schweinerei. Statt ihn nun dabei zu zeigen, wie er mit verärgerter Mine eine riesige Rechnung zahlen muss, endet die Szene mit dem Aufstöhnen. Wie in dieser Szene fehlt meist die Konsequenz.
Dem Handlungsstrang, in dem eine fremde Familie Greg zum Feind erklärt, fehlt es außerdem an Anfang und Ende. Die Fetties tauchen einfach auf und ab. Eine runde Möglichkeit wäre, sie auf der Familienfeier als Verwandte auftreten zu lassen und so das Ganze abzuschließen, indem die Feinde Freundschaft schließen müssen. Und dieser Handlungsstrang verdeutlicht ein weiteres Problem: In Gregs Familie wird viel geredet doch nie über das Ausschlaggebende. Die Familienmitglieder reden allerdings nicht nur aneinander vorbei, sondern spielen auch nebeneinander her. Die Darsteller agieren nicht wie eine Familie und der Vater bleibt eine Randfigur. Die Animationssequenzen, die den Film eröffnen, werden zunächst spärlicher und dann vergessen.

Alles in allem fällt auf, dass der Story nicht nur der Feinschliff sondern auch der Grobschliff fehlt. Das beginnt damit, dass dem Grundkonflikt nicht konsequent bedient wird und setzt sich in der konfusen Autoreise fort. Am Ende stellen beide Seiten ihre Argumente vor und der Zuschauer erwartet eine Versöhnung, die jedoch nicht stattfindet. Die Geburtstagsfeier der Großmutter wäre eine schöne Gelegenheit. Und eine Zusammenführung der Familie unter ihrer Führung ein schönes Bild. Doch so bleibt das Jubiläum der Oma nur ein schaler Vorwand für die Autofahrt.

Fazit
Es ist schade, dass " Gregs Tagebuch - Böse Falle!" unfertig ins Kino kommt. Anstelle einer temporeichen Komödie bietet der Film Geholper und Gestolper. Die Gags siedeln auf veraltetem Niveau, die Darsteller sind bemüht ohne zu überzeugen und Logik ist ein Fremdwort.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 30 %

Original Filmtitel: Diary of a Wimpy Kid: The Long Haul
Land: USA
Jahr: 2017
Laufzeit ca.: 91
Genre: Familie • Komödie • Roadmovie
Verleih: 20th Century Fox
FSK-Freigabe ab: 0 Jahren

Kinostart: 01.06.2017
Heimkino: 28.12.2017

Regie: David Bowers
Drehbuch: Jeff Kinney • David Bowers
Literaturvorlage: Jeff Kinney

Schauspieler: Jason Drucker (Greg Heffley) • Alicia Silverstone (Susan Heffley) • Tom Everett Scott (Frank Heffley) • Charlie Wright (Rodrick Heffley) • Owen Asztalos (Rowley) • Dylan Walters (Manny Heffley) • Wyatt Walters (Manny Heffley) • Joshua Hoover (Mac Digby) • Chris Coppola (Mr. Beardo) • Mira Silverman (Brandi Beardo) • Carlos Guerrero (Luis) • Danny Vinson (Hog Man) • Stephen Dupree (Farmer) • Neva Howell (Farmer) • Ricky Muse (Verkäufer)

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