Kinofilm

Sully

Das Unmögliche wagen.
Die Verfilmung der realen Katastrophe des Jahres 2009 gerät unter der Regie von Clint Eastwood zum runden Unterhaltungskino. Für mich als Laie ist das, was Captain "Sully" Sullenberger am 15.09.2009 gelang eine Meisterleistung.

Kurz nach dem Abheben von New Yorks LaGuardia Airport geriet ein Schwarm Vögel in die Triebwerke des Flugzeugs. Beide Triebwerke fielen aus und Sully blieben nur Sekunden um eine Entscheidung zu treffen. Zurück zum Flughafen? Oder das schier Unmögliche wagen: Eine Notlandung mitten in der Stadt. Sully entschied es zu versuchen und es folgte das, was die Medien ein Wunder nennen: Die Wasserlandung auf dem Hudson. Sein Können und sein Mut rettete allen 155 Menschen an Bord das Leben. Niemand starb und die Medien feierten ihn als Helden.

Im Film fühlt Sully (Tom Hanks) sich nicht als Held. Er hat Zweifel und es plagen ihn Albträume. War die Entscheidung richtig? Kurz darauf geraten er und sein Copilot Jeff Skiles (Aaron Eckhart) in die Mühlen des NTSB (National Transportation Safety Board). Eine Untersuchungskommission nimmt die Arbeit auf und verhört die Piloten. Sie sind parteiisch und glauben Sully nicht. Vielmehr unterstellen sie ihm Fahrlässigkeit, denn nach derzeitigem Erkenntnisstand wäre eine Rückkehr zum Flughafen möglich gewesen, weil eines der Triebwerke noch funktionierte. Das untermauern auch Computersimulationen. Damit belasten Sully nicht nur die eigenen Zweifel, sondern auch die Vorwürfe. Am Ende wird es ihm gelingen sie als nichtig zu entkräften. Doch der Weg ist zehrend.

Kritik

Clint Eastwood liefert eine runde Mischung aus Drama, Katastrophenfilm und Gerichts-Thriller ab. Zunächst zieht er den Film auf die persönliche Ebene und schildert das Geschehen als Drama. Dann wird der Absturz als Katastrophen-Sequenz gezeigt und anschließend die Helden vor Gericht gestellt. Ob dem Komitee die letztlich ausschlaggebenden Beweise in der Realität so spät vorlagen wie im Film wage ich zu bezweifeln. Dramaturgisch passt es gut ins Bild. Und insgesamt gibt es eine solide Spannungskurve.

Der Fokus liegt dabei klar auf Tom Hanks. Er spielt den nervlich zerrütteten Flugkapitän, der allerdings während des Unglücks auffällig souverän ist. Ja, so werden Helden dargestellt. Was nicht heißen soll, dass ich die Meisterleistung des echten Sully schmälere. Damit möchte ich ausdrücken, dass die Handschrift des Films bisweilen etwas arg amerikanisch ist.
An Hanks Seite spielt Aaron Eckhart nur eine Statistenrolle. Schade, denn ich hätte von ihm gerne mehr gesehen als den grauenvollen Schnauzer und mehr gehört als die wenige Sätze, die er sprechen darf. Auch Laura Linney als loyale und unter Druck stehende Ehefrau darf nicht viel von ihrem Können zeigen. Sie hält zuhause die Stellung und leistet ihrem Mann am Telefon seelischen Beistand.

Zu den wenigen Schwachpunkten gehören die zahlenmäßig zu häufigen Szenen, in denen Tom Hanks durch New York joggt. Gut, so zeigt man beiläufig, dass Darsteller und Filmfigur fit wie Turnschuh sind. Und die Szenen strecken den Film.
Die Darstellung des Absturzes kostet alle Möglichkeiten aus. In Panik springt ein Passagier ins Wasser und ertrinkt fast, weil das Wasser im Januar eisig ist. Eine dicke Frau fällt aus Ungeschick in den Hudson und muss umständlich gerettet werden. Und auch Sullys Abschlussplädoyer bei dem der darauf pocht, dass auch die Crew Teil der Rettung war, klingt etwas zu sehr politisch korrekt. Das sind alles keine großen Klopfer. Ebenso wie die Albtraumszene, die an den 11.09. erinnert. Manche Dinge gehören bei amerikanischem Kino einfach dazu.
Was dem Film wiederum sehr gut gelingt, ist es die Frage aufzuwerfen, woran wir Menschen messen? Das Untersuchungskomitee ist im Film befangen. Und dann ist da noch die Versicherungsgesellschaft, der es lieber wäre, wenn sie nicht zahlen muss.

Fazit
Abschließend möchte ich Clint Eastwood als Altmeister bezeichnen, der einen handwerklich ausgesprochen soliden Unterhaltungsfilm ins Kino bringt.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 80 %

Credits

Land: USA
Jahr: 2016
Laufzeit ca.: 96

Kinostart: 01.12.2016
Heimkino: 20.04.2017

Regie: Clint Eastwood
Drehbuch: Todd Komarnicki
Romanvorlage: Chesley Sullenberger • Jeffrey Zaslow

Schauspieler: Tom Hanks (Chesley Sullenberger (Sully)) • Aaron Eckhart (Jeff Skiles) • Laura Linney (Lorraine Sullenberger) • Valerie Mahaffey (Diane Higgins) • Delphi Harrington (Lucille Palmer) • Mike O'Malley (Charles Porter) • Jamey Sheridan (Ben Edwards) • Anna Gunn (Elizabeth Davis) • Holt McCallany (Mike Cleary) • Ahmed Lucan (Fahrer) • Laura Lundy Wheale (Reporterin) • Onira Tares (Reporterin) • Gary Weeks (Reporter) • Katie Couric (sie selbst) • Jeff Kober (Cook)

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