Kinofilm

Die Welt der Wunderlichs

Eine Komödie frisch von der Psychiatercouch.
Was nach heiler Welt und Kitschroman klingt ist das genaue Gegenteil. Die Wunderlichs sind eine Familie wie aus dem Bilderbuch der modernen Psychiatrie. Jedes Familienmitglied hat eine Meise und ihre Gespräche klingen wie aus der Gruppentherapiestunde. Das betrifft bereits den Jüngsten. Felix (Ernst Wilhelm Rodriguez) leidet unter AHDS und macht es seiner allein erziehenden Mutter noch schwerer, als sie es eh schon hat. Mimi (Katharina Schüttler) steht permanent kurz vor dem Nervenzusammenbruch.

Kein Wunder bei der Familie. Ihr Vater Walter (Peter Simonischeck) lebt im Pflegeheim ist manisch-depressiv. Ex-Mann Johny (Martin Feifel) ist das Paradebeispiel des abgestürzten, ausgebrannten Künstlers. Und Nico (Steffen Groth), der versucht bei ihr zu landen, tickt ebenfalls nicht ganz richtig.

Mitten im absoluten Chaos kommt der Anruf einer Castingshow aus der Schweiz und ist der Lichtstreif am Horizont. Man bietet Mimi an bei Second Chance aufzutreten. Außer der Gage spendiert der Sender auch das Flugticket.
Mimi greift nach dem Strohhalm und arrangiert alles für den Trip. Doch dann macht jeder in ihrer Familie ihr einen Strich durch die Rechnung. Notgedrungen fahren Mimi, ihre Schwester, der neue Flirt und ihr Sohn mit einem Auto in Richtung Zürich. Nicht ahnend, dass der Ex-Mann sie verfolgt. Schon die Fahrt wird zum Abenteuer und dann steht plötzlich Mimis Mutter, der ehemalige Schlagerstar im Hotelzimmer. Mimi versteht einfach nicht, weshalb man ihr immer alles kaputt machen muss?

Kritik

Der Film von Dani Levy (Drehbuch und Regie) ist ein anstrengendes Werk. Von der ersten Minute an ist die Handlung entweder überfrachtet oder laut beziehungsweise beides zugleich. Ich warte bis Filmende, dass die Dramaturgie mal einen Gang runterschaltet. Eine Hoffnung, die sich nicht erfüllt. Der durchgängige Stil ist wahrscheinlich humorvoll gemeint und für den Zuschauer herausfordernd, denn die Familie ist nicht nur dysfunktional, sondern die Handlung erzählt sprunghaft und hektisch.

Auf einen Ausbau der Charaktere wird verzichtet. Sie sind fest stehend und erzählen die Handlung ohne eine Weiterentwicklung zu erleben. Aus ihren Fehlern werden sie nicht schlau. Einblicke in ihre Vergangenheit bleiben aus.
Grundsätzlich wirkt die Handlung wie dem Leben abgeschaut. Etwa wenn der Sohn die Verhaltensweisen der Erwachsenen kopiert. Oder die Schwester es gut meint. Der Knackpunkt besteht in der Überfrachtung. Regisseur Dani Levy übertreibt mit Freude und der Zuschauer muss Gefallen an dieser speziellen Darstellung finden.

Neben der Familiengeschichte will der Film auch den modernen Medienzirkus der Castingshows entlarven. Das nimmt einen für die Handlung zu langen Zeitraum ein. Das Wiedersehen mit Arabella Kiesbauer, Thomas Anders, Sabrina Setlur und Friedrich Liechtenstein entschädigt nicht.

Von den Darstellern ist das gut umgesetzt. Hannelore Elsner badet in ihrer Depression, Katharina Schüttler ist mit den Nerven zu Fuß und Christiane Paul spielt die Schwester, die man nicht zur Schwester haben möchte.

Fazit
Sich die "Welt der Wunderlichs" anzusehen ist wirklich eine Herausforderung, denn es ist ein Film mit AHDS. Sein Stil hat keine Brüche und im Programmkino ist der Therapiefilm vorstellbar.
Filmkritik: Thomas Maiwald

Wertung: 60 %

Credits

Original Film-Titel: "

Land: Deutschland • Schweiz

Laufzeit in Minuten ca.: 103

Kinostart / Filmstart: 13.10.2016

Regie: Dani Levy

Drehbuch: Dani Levy

Schauspieler (Besetzung): Katharina Schüttler (Mimi Wunderlich) • Ernst Wilhelm Rodriguez (Felix Wunderlich) • Peter Simonischek (Walter Wunderlich) • Christiane Paul (Manuela Wunderlich) • Martin Feifel (Johnny) • Steffen Groth (Nico) • Hannelore Elsner (Liliane Wunderlich) • Heinrich Giskes (Richter) • Mike Müller (Sascha) • Rolf Scheider (Maskenbildner) • Arabella Kiesbauer • Sabrina Setlur • Thomas Anders

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