Kinofilm

Venus Boyz

Männer in Frauenkleidern, egal ob Tunte oder Hetero - das kennt man seit langem, und wie oft hat man schon gedacht: Wahnsinn, fast besser als das Original. Sogar der letzte Spießer in Hintertupfingen kann darüber mit gutem Gewissen staunen und lachen. Vor Männern im Fummel muss man keine Angst haben. Sind ja quasi fast "nur" Frauen.

Jetzt richtet die Schweizer Filmemacherin Gabriel Baur in "Venus Boyz" erstmals den Fokus auf den entgegengesetzten Part: Frauen, die sich in die Männerrolle begeben, die sich Bärte ankleben, Nadelstreifenanzüge tragen und sich in aller Öffentlichkeit in den Schritt fassen. Auf Streifzügen durch New York und London, durch die Szene der Drag Kings (weibliche Form der Drag Queens) hat sie Frauen, Künstlerinnen getroffen, die auch die männliche Seite in sich leben. Ein Ausleben, das den Frauen durch die Kultur eigentlich verboten ist. Immer wieder taucht die Frage auf: Was ist weiblich, was ist männlich? Der Film und seine Protagonistinnen / Protagonisten diskutieren die Frage, inwieweit Geschlechterrollen kulturell definiert sind. Denn ob wir wollen oder nicht: Wir spielen, was wir sind.
Von der Berlinerin Bridge Markland über die afroamerikanische Dred Gerestant bis hin zu Del LaGrace Volcano, die / der sich auf dem Weg zum körperlichen Mann befindet, kommen die verschiedensten Frauen zu Wort. Ihre Erfahrungen allerdings überschneiden sich auf interessante Weise. So lassen sich "echte" Männer sehr leicht von Drag Kings provozieren: "Einmal hab ich einen Typen einen Moment zu lange angeschaut. Da wollte er mich verprügeln" erzählt De LaGrace Volcano. "Ich hab gesagt: Sorry, ich dachte du seiest schwul. Da hab ich echte Probleme bekommen." Eine andere interessante Beobachtung der Drag Kings ist aber auch, dass sie als Mann mehr respektiert werden. "Wenn du als Mann einen Raum betrittst", sagt Diane Torr, "dann schenkt dir jeder respektvolle Aufmerksamkeit. Wenn du als Frau einen Raum betrittst wird erstmal gecheckt, ob du sexy bist - und zwar von Männern "und" Frauen!" Diane Torr zeigt, wie sie als Mann gehend den Raum für sich in Besitz nimmt. "Du musst das Gefühl haben, der Boden gehört dir, solange du den Fuß darauf hast. Es ist wichtig, fest auf dem Boden zu stehen". Das gestaltet sich schwierig, wenn man auf Pfennigabsätzen daherstakselt.

Kritik: Leser des Buches "Female Masculinity" von Judith Halberstam, die ebenfalls im Film zu sehen ist, werden einige Theorien und auch Darstellerinnen wieder erkennen. "Venus Boyz" ist ein farbenvoller Film mit hinreißenden und höchst interessanten Menschen. Gabriel Baur sagt über ihren Kino-Film: "Es hat schon immer Frauen gegeben, die als Männer gelebt haben oder sich männliche Attribute angeeignet haben, sei es aus einer Notwendigkeit heraus oder um ihre weiblichen Reize zu erhöhen. Aber Frauen, die sich lustvoll, in glamouröser Weise als Männer verkleiden, und dies auch noch mit Humor, das ist neu und zeugt von einem neuen Selbstvertrauen."
Anmerkung zur Filmkritik: Dieses sollte auf die Zuschauer abfärben. Ob homo-, hetero-, trans- oder pansexuell - es geht darum man selbst zu sein, egal was andere davon halten.
Tina Manske

Credits

Original Film-Titel: "

Schweiz 2001

Laufzeit ca. 104 Min.

Kinostart / Filmstart: 04.07.2002

Regie: Gabriel Baur

Schauspieler (Besetzung): Dred Gerestant, Diane Torr, Del LaGrace Volcano, Bridge Markland, Storme Webber, Mo Fischer, Queen Bee Luscious, Mistress Formika, Dee Finley, Martina Meijer Torr, Marcel Meijer, Shelly Mars

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