Kinofilm

Sushi in Suhl

Manche Geschichten klingen zu schön, als dass sie das Leben geschrieben haben könnte. Wie etwa die vom Sushikoch aus der DDR. Rolf Anschütz entdeckte zu Zeiten der real existierenden DDR seine Begeisterung für die japanische Küche und später auch für die japanische Kultur. Seiner Leidenschaft fiel die Ehe zum Opfer und sie wurde von den Funktionären der DDR nicht immer begrüßt.

Das Leben in Suhl geht seinen gewohnten Gang. Während die Gäste des Restaurants Waffenschmiede Gerichte wie Gulasch und Würzfleisch loben, leidet Küchenchef Rolf Anschütz unter dem tagtäglichen Einerlei. Als er seinem Sohn die abendliche Gutenachtgeschichte vorliest, bringt der ihn auf die Idee etwas Japanisches zu kochen.
Gegen die Widerstände der Planwirtschaft besorgt sich Anschütz die Zutaten oder ersetzt sie fantasievoll. Den frischen Fisch etwa angelt sein Vater aus einem Teich. Und mit Milchreis und Spinatblättern wird daraus Sushi nach Art des Hauses. Der Erfolg der Gerichte spricht sich rum und eines Tages sitzt ein echter Japaner in der Gaststube und verlangt nach japanischem Essen. Dr. Hayashi (Gen Seto) schmeckt es und es entsteht zwischen den Männern eine Freundschaft. Die wiederum zieht weitere Kreise und bald darf Anschütz eine japanische Delegation in seinen Räumen verköstigen. Das Ambiente wird mit den Jahren immer professioneller, das Lokal immer bekannter und sogar dem Westfernsehen ist es einen Hetzbericht wert. Doch auch im Osten ziehen dunkle Wolken auf. Anschütz' Ehe zerbricht und als Japan ihm einen Orden verleihen will, sieht sich die Führung der DDR in Zugzwang.

Der Kinofilm "Sushi in Suhl" kommt mit deutlichen Stärken und Schwächen. So erfüllt der Film seine eigenen Ansprüche nicht. Formal ist die Erzählung wie ein Märchen aufgezogen und es liegt eine gute Portion Ostalgie über dem Ganzen - nur fehlt der warmherzige, märchenhafte Charakter.
Die Schauspieler spielen ihre Rollen zwar gut, aber ihre Führung macht einen ungelenken Eindruck. Besonders deutlich wird das in den Szenen der Führungsetage. Hier holpern Humor und Darstellung arg. Des Weiteren tut sich der Film mit der Darstellung von Emotionen schwer.
Das Drehbuch lässt Entwicklungen vermissen. So geschieht das Meiste in Sprüngen; also auch das Zerbrechen der Ehe. Zudem fanden Details, die das Presseheft zum Film aufführt, keinen Eingang in den Film. Laut Presseheft eignete sich Anschütz autodidaktisch die japanische Sprache an; im Film wird aufgezeigt, dass die DDR extra für ihn Zutaten importiert, aber weder der Umbau des Restaurants zum Gourmettempel noch das Erwerben der Kenntnisse kommen vor. Am Ende verläuft sich die Handlung dann leider zusehends und verliert den Fokus.
Auf der Habenseite punktet der Film mit guten Darstellern und ist szenenweise köstlich. Etwa wenn der angehende Spitzenkoch den Funktionären der HO (Handelsorganisation) Maikäfersuppe serviert (für die er einen Satz Winterreifen zahlen musste). Oder in der Szene in der Dr. Hayashi seinen neuen Freund echte japanische Zutaten kosten lässt und der Ahnungslose einen gehäuften Teelöffel Wasabi probiert.
Zudem ist das Lokalkolorit gut gelungen und es wurde geschickt Alltägliches eingeflochten (das auf mich authentisch wirkt). So hapert es immer wieder daran gewünschtes Material zu organisieren. Etwa einen Kittel, der für Geisha Gisela zum Kimono werden soll. Später macht Gisela dann bei der ersten Gelegenheit rüber (flieht in den Westen).

Fazit
Mit Herzblut gemacht und trotzdem schwingt sich der Film nicht, hinsichtlich Handlung und Bildern nicht zu Kinoformat auf. Es bleibt bei einem netten TV-Film.
Filmkritik: Thomas Maiwald

Wertung: 40 %

Credits

Original Film-Titel: "

Land: Deutschland 2012

Laufzeit in Minuten ca.: 107

Kinostart / Filmstart: 18.10.2012

Regie: Carsten Fiebeler

Drehbuch: Jens F. Otto

Schauspieler (Besetzung): Uwe Steimle, Julia Richter, Ina Paule Klink, Deborah Kaufmann, Thorsten Merten, Michael Kind, Ernst-Georg Schwill, Gen Seto, Christian Tramitz, Angelika Böttiger

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