Kinofilm

Der Schmetterling - Le Papillon - Kritik

Die Suche nach dem seltenen Isabellespinner wird für den passionierten Sammler Julien zum Abenteuer, denn die vernachlässigte Nachbarstocher Elsa hat sich an seine Fersen geheftet. Für das ungleiche Paar wird die Reise in die Alpen gleichzeitig eine Wegfindung zueinander. Der alte Mann ist alt genug der Großvater des Mädchens zu sein - doch genau das lehnt er vehement ab. Der Grund resultiert in seiner traurigen Lebensgeschichte, die der Zuschauer erst gegen Film-Ende erfährt.

Kinder besitzen ein untrügliches Gespür dafür, wem sie sich anvertrauen. Dennoch verläuft die erste Begegnung zwischen Julien (Michel Serrault) und Elsa (Claire Bouanich) frostig. Das Mädchen ohne Wohnungsschlüssel wurde von der Mutter vergessen. So gewährt ihm der Nachbar Asyl. Doch Elsa missachtet sein Verbot und betritt ein geheimnisvoll wirkendes Zimmer. Plötzlich ist sie im Film von Schmetterlingen umringt, die sogleich in die Wohnung und den Hausflur hinausflattern. Für den leidenschaftlichen Schmetterlings-Sammler Julien eine Katastrophe!

Als der pensionierte Uhrmacher in die Alpen aufbricht um den seltenen Isabellespinner zu fangen, folgt ihm das Mädchen heimlich. Das kleine Biest versteckt sich in seinem Wagen und gibt ihm eine falsche Telefonnummer, damit er ihre Mutter nicht erreicht. Später ändert sie die PIN seines Handys und wirft die Simkarte fort. In den Alpen reißt dem alten Mann des Öfteren der Geduldsfaden, denn Elsa fragt ihm in "Der Schmetterling - Le Papillon" Löcher in den Bauch. Das Kind ist von den Ermahnungen, die Schönheit der Natur zu genießen wenig angetan. Nach ausreichender Reibung pendeln sich beide aufeinander ein, aber genau in dem Moment schlägt das Schicksal zu.
Elsa schildert ihre Welt mit kindlicher Logik, die der Film wunderbar umsetzt. So vergleicht sie den Blick der alten Frau, die eine stehengebliebene Uhr anstarrt, mit dem Blick eines Fernsehenden. Und sie hat recht, denn nachdem Julien die Uhr reparierte, sitzt die alte Frau mit demselben Blick vorm Fernseher. Viele Handlungen tragen symbolische Bedeutungen. Der pensionierte Uhrmacher haucht der alten Uhr neues Leben ein. Dadurch erhält er selbst Lebendigkeit zurück. Ähnliches gilt für die Suche nach dem seltenen Schmetterling. Am Ende hat er das Besondere bereits besessen - er musste es nur finden. Die gesamte Zeit stehen im Film die leisen Töne im Vordergrund. Beispielsweise rückt die Kamera für Augenblicke die Schönheit der Alpen ins Bild. Kleine Lebensweisheiten werden unaufdringlich eingestreut: "Wer einen Liebesbeweis fordert, hat kein Vertrauen. Und wer kein Vertrauen hat, kann nicht lieben." So zeigt der alte Mann dem Mädchen die Welt ohne den Zeigefinger zu erheben.

Filmkritik

Von Schauspielern hört man immer wieder, sie spielten nicht gerne mit Kindern und Tieren, weil sie ihnen die Show stehlen. Der französische Star Michel Serrault teilt diese Berührungsängste offensichtlich nicht. Ihm gelingt es, sich zurückzunehmen und Claire Bouanich als Elsa die Bühne zu überlassen. Mehr noch: der Film lebt von dem sehr guten Zusammenspiel der Darsteller.
Die achtjährige Claire überzeugt durch ihr intensives Spiel. Der alte Hase lobt seine junge Kollegin. Sie sei charmant und talentiert. Wobei das Mädchen einräumt, sie sei in den Drehpausen ab und an eingeschlafen. Der Dreh ging dann weiter, wenn sie wieder fit war. Für das Mädchen war es nicht die erste Berührung mit dem Medium Kino. Ihre Mutter ist Schauspielerin und Claire spricht Synchron. Trotzdem möchte sie später nicht Schauspielerin werden sondern Astronomin. In Frankreich wurde "Le Papillon" zu einem Erfolg. Mehr als 1 Million Zuschauer ließen sich im Kino verzaubern. Denselben Erfolg wünsche ich dem Film für Deutschland.
Filmkritik: Thomas Maiwald

Credits

Original Film-Titel: "Le Papillon"

Frankreich 2002

Laufzeit in Minuten ca.: 83

Regie: Philippe Muyl

Drehbuch: Philippe Muyl

Kinostart / Filmstart: 11.03.2004

Schauspieler (Besetzung): Michel Serrault (Julien), Claire Bouanich (Elsa), Nade Dieu (Isabelle), Francoise Michaud (Bedienung), Helene Hily (Concierge), Pierre Poirot (Polizist), Jacky Nercessian (Polizist), Jacques Bouanich (Sebastians Vater), Catherine Cyler (Sebastians Mutter), Jerry Lucas (Sebastian)

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