Kinofilm

Der Mann ohne Vergangenheit - Kritik

Mies vailla menneisyyttä

Ein Mann auf der Reise mit einem Koffer. Am Zielort wird er von Rowdys überfallen und fast totgeschlagen. Im Krankenhaus verstirbt der Unbekannte, um nach seinem klinischen Tod einfach aufzustehen und das Weite zu suchen. An Land gespült, wird er von einer Familie gesund gepflegt und findet sich inmitten einer schäbigen Containersiedlung wieder, die architektonisch wie gesellschaftlich am Rande der Gesellschaft siedelt. Einige Schläge auf den Hinterkopf haben ihm das Gedächtnis geraubt und somit seine Vergangenheit - aus staatlicher Sicht kam ihm auch die Existenzberechtigung abhanden.

Der Mann nistet sich in der Containersiedlung ein und versucht in der Gesellschaft wieder Fuß zu fassen. Dabei hilft ihm, dass er sich in Irma verliebt, eine Frau aus der Heilsarmee. Seine Versuche in die Bürgerlichkeit zurückzukehren scheitern von Amts wegen vordergründig an der Gedächtnislosikgkeit, weil Namenlosigkeit. Am laufenden Band gerät der Mann ohne Gedächtnis und ohne Vergangenheit dabei in die absurdesten Situationen. Einen Arbeitsplatz könnte er als Schweißer bekommen. Das Lohnbüro der Firma würde ihm auch einen Namen geben, irgendeinen Namen. Aber ein Girokonto ist im Film Bedingung - und wenn es ein Nummernkonto in der Schweiz ist. Bei seinem Versuch der Kontoeröffnung wird erst die Bank überfallen, dann erfährt er, dass die Bank schließt, weil der Konzern übernommen wurde, während er mit der einzigen noch verbliebenen Bankangestellten im Tresor sitzt, die Klimaanlage aus Kostenersparnis abgeschaltet wurde und deshalb die Luft knapp wird. Danach will ihn ein fieser Polizist festnageln, weil er seine Personalien nicht angeben kann oder will. Wieder auf freiem Fuß kontaktiert ihn der Bankräuber und bietet ihm ehrliche Arbeit an, um sich zu erschießen nachdem der Namenlose ihn verließ.

Filmkritik

Im Kinofilm "Der Mann ohne Vergangenheit" reiht sich eine abstruse Situation an die nächste. Gespräche arten in surreale, verbale Schlagabtäusche aus. Die Figur des M, die alle diese lakonisch Szenen durchlebt, ist der rote Faden im Film, ohne ihn wäre alles eine Abfolge surrealer Einzelszenen. Mit stoischer Ruhe nimmt er die Dinge als gegeben hin - bringt der Heilsarmee ein neues Repertoire bei, verliebt sich und stattet seiner Ex-Frau einen Besuch ab: Um schlussendlich das bürgerliche Leben gegen eine unsichere Existenz mit Irma von der Heilsarmee zu tauschen. Die Erzählweise von Regisseur Aki Kaurismäki muss man mögen. Die Stimmung, Kameraführung und das Thema bilden einen eigenwillig schönen Film, jenseits von Hollywood.
Filmkritik: Thomas Maiwald

Credits

Original Film-Titel: "Mies vailla menneisyyttä"

Finnland / Deutschland / Frankreich 2002

Laufzeit ca. 116 Min.

Kinostart / Filmstart: 14.11.2002

Regie: Aki Kaurismäki

Drehbuch: Aki Kaurismäki

Schauspieler (Besetzung): Markku Peltola (M), Kati Outinen (Irma), Juhani Niemelä (Nieminen), Kaija Pakarinen (Kaisa Nieminen), Sakari Kuosmanen (Anttila), Annikki Tähti (Flohmarkt Leiterin), Tähti (Hund Hannibal)

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