Kinofilm

Der Krieg des Charlie Wilson - Kritik

Charlie Wilson's War

Nach dem Zweiten Weltkrieg führten die USA und die Sowjetunion den sogenannten Kalten Krieg, in dem sich beide Mächte bekämpften ohne den Konflikt in einen offenen Krieg ausbrechen zu lassen. Einer der Kriegsschauplätze war Afghanistan, in das die Sowjetunion im Dezember 1979 einmarschierte.

Wie die USA darauf reagierten oder besser gesagt nicht reagierten, erzählt der Kinofilm "Der Krieg des Charlie Wilson" aus der Sicht eines texanischen Abgeordneten. Dabei sollten Sie keine Dokumentation erwarten, denn der Unterhaltungswert der Komödie und die Wahrung des amerikanischen Gesichts wogen mehr als geschichtstreue und kritische Auseinandersetzung.
Charlie Wilson (Tom Hanks) ist mit sich und der Welt zufrieden. In seinem Büro arbeiten attraktive junge Frauen, die er nach einem Motto aussucht: Das Tippen kann man ihnen beibringen. Sich Brüste wachsen zu lassen nicht. Charlies weitere Charakterschwächen bestehen darin, dass er drei Dingen nicht widerstehen kann: Whisky, Frauen und Drogen. Trotzdem hat er seine festen Prinzipien und Kommunisten kann er nicht ausstehen. Diese Ansicht teilt die reiche Jetset-Lady Joanne Herring (Julia Roberts), die nicht nur Geld wie Heu hat, sondern auch jede Menge Einfluss auf ebenso reiche Freunde. Außerdem verbindet den Abgeordneten und die Lady eine gewisse körperliche Zuneigung. Der Dritte im Bunde ist der CIA-Agent Gust Avrakotos (Philip Seymour Hoffman). Ein Kotzbrocken, wie er im Buch steht; aber auch so gut, wie er meint, denn weder Vorgesetzte noch feindliche Spione haben es bislang geschafft ihn aus dem Amt zu heben beziehungsweise ihm das Lebenslicht auszupusten. Diese drei sehr unterschiedlichen Menschen bilden ein Zweckbündnis und trotz ihrer Antipathien gelingt es ihnen, von der US-Regierung Gelder in Millionenhöhe locker zu machen, um damit die Afghanen im Kampf gegen die Sowjets zu unterstützen. Dies geschieht weniger aus Menschenfreundlichkeit heraus, sondern vielmehr aus dem Kalkül, den Sowjets den größtmöglichen wirtschaftlichen Schaden beizubringen. Davon können auch Kameraeinstellungen nicht ablenken, in denen die Amerikaner in Afghanistan ein Flüchtlingslager besuchen und sich mit eigenen Augen ein Bild vom Grauen des Krieges machen.

Filmkritik

Der Kinofilm "Der Krieg des Charlie Wilson" stellt Tom Hanks klar in den Mittelpunkt. Julia Roberts und Philip Seymour Hoffman, die Hanks hinsichtlich schauspielerischer Leistung in Nichts nachstehen, geraten aufgrund des Drehbuchs ein wenig ins Hintertreffen. Und ob Tom Hanks nun die Traumbesetzung für die Rolle eines Politiker-Playboys war - darüber kann man streiten. Ohne Frage. Er ist ein guter Schauspieler. Nur auf mich wirkt er mit seiner rundlichen Figur und dem gutmütigen Gesichtsausdruck im Film eher wie ein Familienvater. Insbesondere in den Szenen, in denen Julia Roberts sich ihm an den Hals wirft, zeichnet der Film ein Fragezeichen in mein Gesicht. Schade ist weiterhin, dass die Motivation der Personen nicht immer klar wird. So müssen pauschale Aussagen wie christlicher Glaube ausreichen. Und selbst Parolen, über die man ansonsten den Kopf schüttelt, werden fröhlich gedroschen. So kämpft Gott selbstredend aufseiten der Amerikaner (und Afghanen) gegen die bösen Russen. Die wiederum zu euphorischer Musik in ihren Kampffliegern und -Hubschraubern abgeschossen werden. Um nicht auszuufern: An einigen Stellen des Filmes schlägt der böse Humor unfreiwillig ins Böse um und man muss gleich beide Augen zudrücken.
Ansonsten weiß der Film durchaus mit bösem Humor zu gefallen. So ist Charlie Wilson beim pakistanischen Präsidenten zu Besuch und bestellt sich frei heraus einen Whisky. Wofür ihn der Präsident als charakterschwach anklagt und Wilson sich später darüber beschwert, dass ihn einer charakterschwach nennt, der sich selbst an die Macht putschte und seinen Vorgänger hinrichten ließ. Schön auch, wenn Waffenschieber mit ihren Todfeinden kooperieren - Geschäft ist Geschäft.

Fazit
Vom politischen Standpunkt ist der Film nicht korrekt. Allerdings bin ich persönlich der Meinung, dass es bei einer Komödie zu verschmerzen ist, denn es handelt sich um Unterhaltung und nicht um eine Dokumentation. Und als Komödie bietet der "Krieg des Charlie Wilson" gute Unterhaltung.
Filmkritik: Thomas Maiwald

Credits

Original Film-Titel: "Charlie Wilson's War"

Land: USA 2007

Laufzeit ca.: 97 Minuten

Kinostart / Filmstart: 07.02.2008

Regie: Mike Nichols

Drehbuch: Aaron Sorkin

Schauspieler (Besetzung): Tom Hanks, Julia Roberts, Philip Seymour Hoffman, Amy Adams, Ned Beatty

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