Kinofilm

In & Out - Kritik

Greenleaf Indiana: Eine Kleinstadt im Sonnenschein - verschlafen, idyllisch. Noch ist die Welt hier rund und die Dinge nehmen den gewohnten Gang. Viel Abwechslung gibt bietet Greenleaf Indiana nicht und der berühmteste Sohn des Städtchens, Cameron Drake (Matt Dillon), ist dank seiner Oscarnominierung das Tagesgespräch.

Auch Camerons ehemaliger Lehrer Howard Breckett (Kevin Kline) kommt beim Unterrichten nicht um das Thema Cameron herum. Howard ist ein Lehrer wie aus dem (amerikanischen) Bilderbuch: Smart, adrett, gepflegt und begeistert die Schüler sogar für die, von ihm besonders geliebten, Shakespeare Sonette. Zur Oscarverleihung sitzt ganz Greenleaf vor den Flimmerkisten und fiebert. Cameron, ganz cool, nimmt die Oscarverleihung auf die leichte Schulter. Für seine Film-Rolle als homosexueller Soldat (eine wunderbare Parodie der amerikanischen Kriegsfilme) bekommt er die begehrte Trophäe. Bei seiner Dankesrede bedenkt er vor allem den vielen homosexuellen Soldaten. Im Überschwang der Gefühle dankt er auch seinem alten Lehrer Howard Breckett. Das lässt Howard und seine Verlobte aufhorchen, doch Camerons Nachsatz "Und er ist schwul!" lässt Howard und Emily (Joan Cusack) das Blut der Adern gefrieren.

Von dieser Minute an ist Howards Leben aus den Fugen. Seine Dementis kommen immer zögerlicher - der einzige Rettungsanker die anstehende Hochzeit mit Emily. Doch wie lang drei Tage werden können, erfährt Howard am eigenen Leib, denn das Spießrutenlaufen nimmt bereits am Tag nach dem Outing seinen Gang. Das Fernsehen verfolgt ihn. Allen voran der schwule Sensationsreporter Peter Malloy (Tom Selleck), der Howard auf offener (Land)straße einen Kuß abringt; und eine Minute später kommen Howards Eltern im Auto vorbei, mit der Hochzeitstorte auf dem Rücksitz. Nur drei Tage - solange ist es noch zur geplanten Hochzeit mit Emily, versucht Howard die Frage zu klären "bin ich's oder bin ich's nicht?" oder wie Peter Malloy es im Film formuliert: "In & Out" Den Tanztest - echte Männer tanzen nicht - besteht Howard nicht. Doch bis er selbst das anerkennt, was Cameron schon der ganzen Welt verriet, legt Howard einen ziemlichen Eiertanz hin. Voller Zweifel landet er vor dem Traualtar und hat nur noch eines zu sagen (statt dem Ja-Wort) "ich bin schwul". Mit der geplatzten Hochzeit ist der Schlamassel noch lange nicht überstanden, denn ausgerechnet der Verursacher des Chaos Camoran Drake kommt nach Green Leaf um zu retten, was noch zu retten ist.

Filmkritik

Der Kinofilm "In & Out" parodiert gekonnt liebgewonnene amerikanische Klischees: Angefangen bei der Oscar-Verleihung, die zur Farce gerät, über den nicht gerade hellen, großmäuligen Schauspieler mit seiner magersüchtigen Model-Freundin ("ich muss noch duschen und kotzen") bis hin zum allgegenwärtigen Fernsehen und seinen parasitären Reportern. Situationskomik trifft Wortwitz plus Starbesetzung. Was will man mehr? Vielleicht wünscht man sich als Zuschauer ein bisschen mehr Wagnis, denn außer einem Kuss zwischen den zwei Männern gibt es keine weitere Berührung oder zärtliche Gesten. Nette Ansätze, aber dann verlässt den Film der Mut.
Filmkritik: Thomas Maiwald

Credits

Original Film-Titel: "

USA 1997

Laufzeit ca. 87 Minuten

Kinostart / Filmstart: 29.01.1998

Regie: Frank Oz

Drehbuch: Paul Rudnick

Schauspieler (Besetzung): Kevin Kline, Matt Dillon, Joan Cusack, Tom Selleck

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