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The Westerner - Test

Das Spiel
Genre: Adventure
Entwickler: Revistronic
Verlag: dtp
System:
VÖ: 09.02.2004
USK: 6, freigegeben ab sechs Jahren
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Systemvoraussetzungen: Windows 98/ME/2000/XP, CPU mit 733 MHz, 128 MB RAM, 3D-Grafikkarte mit 32 MB RAM, Soundkarte, DirectX 9.0

Das klassische Point and Click-Adventure verpackt die Story in den Rahmen eines Westerns. Mit dabei: der einsame, etwas tollpatschige Cowboy, ein fieser Gegenspieler, in dessen Gewalt eine schöne Frau. In weiteren Rollen: der korrupte Sheriff, eine Eisenbahnbrücke, ein Saloon, das Pferd des Cowboys etc.  Fenimore Filmore, Held des Geschehens, gerät eines Nachts zwischen die Fronten: Die Schergen des rücksichtslosen Großgrundbesitzers wollen eine Farm niederbrennen. Somit schlägt sich Fenimore selbstver-natürlich auf die Seite der Farmer und hilft, die letzten zwei verbliebenen Farmen zu verteidigen. Dazu muss er diverse Rätsel lösen wie etwa das nötige Verteidigungsmaterial heranschaffen - nennen wir es einfach Dynamit - die schöne Nichte aus den Klauen ihres fiesen Onkels befreien sowie den Showdown überleben.
Fenimore reitet auf seinem treuen Pferd Ray von Farm zu Farm oder in die Stadt. Er führt Gespräche, stellt Untersuchungen an und sammelt Gegenstände ein. An einer Schießbude darf er Dollars verdienen, im Gemischtwarenladen gibt es diverse Waren zu kaufen.
Die Fortbewegung mit einer Pferdestärke ist der erste Pferdefuß des Spiels, denn das Pferd Ray will regelmäßig mit Mohrrüben gefüttert werden. Die kann Fenimore kaufen, oder selbst anbauen. Dazu wird der Cowboy regelmäßig zum Gärtner: Bewässert das Feld und erntet die Mohrrüben. Diese Tätigkeit ist hauptsächlich nervig. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, denn die Arbeit als Gemüsebauer verlängert ganz nebenbei die Spielzeit ... Der zweite Pferdefuß des Spiels: Fenimore muss in jedem Raum die Schubladen des Mobiliars durchsuchen. Dort findet er in der Regel benötigte Dollars, oder mal einen gesuchten Gegenstand. Positiv fällt die Bewegungsfreiheit auf. Fenimore kann fast alle Orte sofort erkunden und Gegenstände gleich einsetzen, ohne zu wissen, wofür das Ergebnis später eingesetzt wird.

Insgesamt setzt das Spiel auf einen albernen Humor. Der Held hat eine Allergie gegen Artischocken, die Bösewichte zertrampeln die Beete der Farm und die Trinkduelle, die eigentlich Beleidigungsduelle sind, fallen zu zahm aus. Gelungen: Die Entwickler des Spiels sind auf den Steckbriefen im Büro des Sheriffs zu sehen. Die Situationskomik an sich ist gut - kommt allerdings nur in Gesprächen zum Tragen. Die Frau des Farmers sagt zum Beispiel: "Ich bin nicht hier um Probleme zu lösen, ich bin hier, um Probleme zu machen. "Fenimore selbst gibt keine Kommentare ab zu dem, was er sieht oder findet. Gegenstände können den Figuren im Spiel nicht gezeigt werden. Somit bleibt das Lösen der Rätsel eine trockene Angelegenheit.

Die Sprecher des Spiels sind professionell und wurden passend zu den Charakteren ausgewählt. Die düdelige Hintergrundmusik spielt durchgängig einen Standard-Loop. Unterbrochen wird diese Kaufhausmusik nur selten von situationsabhängigen Einspielungen. Die Hintergrundgeräusche passen zur jeweiligen Situation.

Die Lösung der Rätsel ist einfach. Fenimore nimmt alles auf, was nicht niet- und nagelfest ist. Selbst eine Schubkarre oder einen Baumstamm kann er verstauen. Die Lösungswege sind logisch. Für viele Rätsel gibt es im Spiel sogar konkrete Lösungs-Hinweise. Das Lesen von Zeitungen verrät den richtigen Dreh, oder aber Gesprächspartner haben die Lösung parat.

Die Maus erledigt alle Aktionen im Spiel. Untersuchen, nehmen, benutzen und reden. Die Orte wechselt Fenimore auf einer Karte, die seine Fortbewegung aus der Vogelperspektive zeigt. Die unterschiedlichen Lokalitäten zeigt die Kamera aus wechselnden Perspektiven. So recht ausgegoren ist die Kameraführung allerdings nicht, denn sie arbeitet durchaus gegen den Spieler. Manche Gegenstände sind beispielsweise nur von einem Standpunkt aus zu sehen oder das Innere eines Möbelstücks ist in der Nahansicht nicht sichtbar, weil die Kamera statt dem Inneren des Schrankes die Nahansicht eines Gegenstandes zeigt, der zwischen Betrachter und Mobiliar steht. In der Praxis muss der Spieler Fenimore die Räume aus verschiedenen Ecken betrachten lassen, um nichts zu übersehen. Da einige Räume nur aus einem fixen Blickwinkel gezeigt werden, wäre 3D für die Hintergründe nicht zwangsläufig notwendig gewesen. Fenimore selbst läuft schön tollpatschig durch die Gegend, schaltet allerdings nur die gemütliche Gangart ein. Eine Möglichkeit zur Beschleunigung fehlt - angesichts der vielen Wege im Spiel ärgerlich.

Die 3D-Grafik im Comiclook überzeugt nur teils. Die Anzahl der Schauplätze ist überschaubar. Die Landschaft ist grob in Szene gesetzt und kann aufgrund der Detailarmut nicht mit der 3D-Grafik anderer Titel mithalten. An der Animation der Figuren und vor allen Dingen ihrer Gesichter, gibt es nichts zu mäkeln. Fenimore gehen beim Anblick der heißen Lehrerin die Augen über, Zorn, Zweifel oder Ratlosigkeit stehen ihm "ins Gesicht geschrieben".

Fazit

Nach dem Durchspielen wirkt das Abenteuer als hätte es noch einen letzten Schliff vertragen können. Die Dialoge sind auf die notwendigste Wissensvermittlung begrenzt und passen sich dem Spielablauf nicht immer an. Fenimore kann beispielsweise noch nach dem Rad fragen, wenn das Rätsel bereits gelöst wurde. Eine Gesprächsoption für Nichtansprechbarkeit fehlt. Stattdessen laufen Anfangs- und Abschiedsdialog hintereinander ab und für einen Sekundenbruchteil klappt das Dialogmenü auf. Die Idee mit den Mohrrüben war nicht so prickelnd. Alles in allem verschenkt "The Westerner" Potenzial. Die schönen Ansätze sind vorhanden, kommen aber nicht immer zum Tragen. Schwierigkeitsgrad und Humor sind familienfreundlich.
Thomas Maiwald

Wertung in Prozent: 75

The Westerner
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