Kinofilm

Die Geschichte vom weinenden Kamel

Der alte Hirte, der in der Wüste nach Feuerholz sucht, erzählt ein Märchen: "Vor vielen Jahren schenkte Gott dem Kamel ein Geweih für seine Gutmütigkeit. Eines Tages kam ein listiger Hirsch und bat das Kamel, ihm sein Geweih zu leihen. Er wollte sich damit für ein Fest im Westen schmücken. Das Tier vertraute dem Hirschen und gab ihm sein Geweih. Aber der Hirsch brachte das Geweih nie zurück. Seitdem halten die Kamele am Horizont Ausschau nach dem Hirschen und warten immer noch auf seine Rückkehr."

Die Wüste Gobi ist eine besondere Welt. Einsam stehen die Zelte der Nomadenfamilie. Eng verbunden mit dem Schicksal der Großfamilie ist das Wohlergehen der Tiere. Selbst im Innern des Rundzelts tollen einige junge Schafe herum. Es ist die Zeit, in der die Kamele ihre Jungen zur Welt bringen.
Zwei Tage dauert es, bis das letzte Junge das Licht der Welt erblickt. Für das junge, weiße Kamel ist es eine raue Welt, denn seine Mutter verstößt ihr Kind. Das kann bei Erstgeburten oder besonders langen Geburten der Fall sein. Während sich die Nomaden liebevoll um es kümmern, wird das Junge von der Mutter gebissen und verstoßen. Für einige Tage helfen die Tricks der Nomaden. Das Muttertier wird festgebunden, damit das Junge trinken kann und nicht verhungern muss. Doch das ist keine Lösung auf Dauer. Also wird der älteste Sohn der Familie losgeschickt um in der Stadt Hilfe zu holen. Der kleine Bruder darf mitreiten - und so legen die Kinder alleine die 400 Kilometer zurück. Unterbrochen wird die Reise bei einer befreundeten Nomadenfamilie. Diese Familie besitzt ein Fernsehgerät. Ugna, der kleine Bruder ist wie besessen von den verrauschten, bewegten Bildern. Am nächsten Tag setzen die Kinder ihre Reise fort. Für den Großvater kaufen sie neue Batterien für das Radio. Im Supermarkt gibt es sogar ein Fernsehgerät zu kaufen - das macht Ugna ganz kribbelig. Sie vergessen natürlich auch nicht ihren Auftrag und suchen einen Musiker auf. Der verspricht so schnell wie möglich zu kommen und gemeinsam mit der Familie das Hoos-Ritual durchzuführen.
Einige Tage vergehen, dann taucht der Musiker in der Wüste auf. Es wird geplauscht, die Familie serviert Tee und Süßigkeiten. Am Hoos-Ritual nehmen sie alle teil. Ugnas Mutter singt für die Kamelstute, während der Musiker auf der Pferdekopfgeige spielt. Unvermittelt beginnt ein kleines Wunder: Die Stute lauscht den Klängen und beginnt zu weinen. Danach lässt sie ihr Junges endlich trinken.

7 wochenlang wurde für den halbdokumentarischen Film "Die Geschichte vom weinenden Kamel" in der Wüste Gobi gedreht. Die Tränen der Kamelstute sind echt, denn das Tier war sehr aggressiv und ließ nur die Nomaden an sich herankommen; das Filmteam hielt gebührenden Abstand. Wer den Film sieht, kann sich leicht vorstellen, dass es bessere Bedingungen für einen Dreh gibt als die Wüste mit ihren Winden und dem Sand. Gegen Ende des Films steht eine Sattelitenschüssel vor dem Zelt von Ungnas Eltern. Sie wirkt in der Wüste wie ein Fremdkörper.
Interessant ist es zu sehen, wie ähnlich sich Menschen sind. Ungnas Großeltern gehen nicht anders miteinander um als alte Ehepaare in Deutschland. Ugna ist von den Fernsehbildern und Videospielen ganz in den Bann geschlagen. Auf dem Marktplatz in der Stadt hockt ein junger Mann im typischen Imponiergehabe auf seinem Motorrad. Es ist ein schöner, wenn auch sehr eigenwilliger Kino-Film geworden. Er hätte gut in die Vorweihnachtszeit gepasst.
Thomas Maiwald

Credits

Original Film-Titel: "

Deutschland 2003

Laufzeit ca. 90 Min.

Kinostart / Filmstart: 08.01.2004

Regie: Luigi Falorni, Byambasuren Davaa

Drehbuch: Luigi Falorni, Byambasuren Davaa

Schauspieler (Besetzung): -

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