Kinofilm

Hidalgo - 3000 Meilen zum Ruhm

Ein Abenteuer braucht einen Helden. Da lag es nahe ein Gesicht zu wählen, das bereits den Heldenstatus mitbringt. Deshalb verlegt Viggo Mortensen seinen Wirkungsbereich von Mittelerde ("Herr der Ringe") nach dem Wilden Westen sowie in die arabische Wüste.

Bereits nach wenigen Film-Minuten wird der Held gebeugt. Das Halbblut Frank muss ein Massaker am Wounded Knee mit ansehen, bei dem die Sioux auf Grund eines Missverständnisses von der Armee niedergemetzelt werden. Frank schmeißt die Karriere als Kurierreiter hin und endet im Alkohol. Er tingelt fortan als Star einer billigen Wild-West-Show durch die Lande. Die Behauptung, sein Mustang sei das ausdauerndste Pferd der Welt, nehmen einige arabische Besucher für bare Münze und fordern Frank heraus. Er soll am großen Rennen durch den "Ocean of Fire" teilnehmen. Das notwendige Kleingeld für die Reise legen Franks Kollegen zusammen, dann schifft sich Frank ein. Auf der Überfahrt lernt er die bezaubernde Lady Davenport (Louise Lombard) kennen. Die ehrgeizige Dame findet nicht nur an Pferden gefallen ... Doch Frank hat nur Augen für sein Pferd. Die Lady mischt ebenfalls mit beim großen Rennen quer durch die Wüste. Dabei hat sie sich in den Kopf gesetzt, ihr Pferd müsse um jeden Preis gewinnen. Dasselbe Ziel verfolgt Scheich Riyadh (Omar Sharif), der die besten Pferde der Welt sein Eigen nennt. Trotzdem Frank ein Ungläubiger und damit ein Außenseiter ist, entsteht zwischen dem weltoffenen Scheich und dem Abenteurer eine Freundschaft. Das wird später noch von bedeutender Wichtigkeit sein.
Über dem Rennen selbst kreisen im Film "Hidalgo - 3000 Meilen zum Ruhm" bereits die Geier, denn regelmäßig kommen Teilnehmer bei den übermenschlichen Strapazen um. Und sorgen nicht Hitze, Sandstürme oder Heuschreckenschwärme fürs jähe Ende, dann greifen die Konkurrenten zu unlauteren Mitteln. Es grenzt schon an Wunder, wie Frank und sein Mustang die Herausforderungen meistern. Doch das Rennen bleibt nicht das einzige Spektakel. Um Scheich Riyadh gibt es eine Verschwörung. Der Preis: der stolzeste Hengst des Scheichs. Als Geisel dient die Tochter des Scheichs, die schöne Prinzessin Jazira (Zuleikha Robinson). Für Frank bedeutet es Glück im Unglück. Er wurde bei einem Zwiegespräch mit der Holden erwischt. Da kein Mann ungestraft das Antlitz der Schönen sehen darf, soll Frank kastriert werden. Nur der entstehende Tumult rettet Frank seine Männlichkeit. In einem heroischen Akt eist er die Entführte gemeinsam mit ihrem Leibwächter los. Um dann im entscheidenden Moment zu kneifen. Die Prinzessin erwartet von ihrem Retter einen Kuss, aber der Ehrenmann fasst nichts an, was ihm nicht gehört. So bleibt die Schöne ungeküsst und Frank kehrt als einsamer Held nach Amerika zurück.

Kritik: "Hidalgo - 3000 Meilen zum Ruhm" ist ein Abenteuer-Film wie aus dem Bilderbuch. Die Story spielt vor exotischen Kulissen; bietet neben der handfesten Handlung eine schöne Prinzessin und einen menschenfreundlichen Scheich, dessen Interesse am Westen erstaunt. Dazu kommen intrigante Figuren, die selbst vor Mord nicht zurückschrecken. Der Held verkörpert Ehre und Aufrichtigkeit.
Seine Abstammung (Halbblut) kann als Versöhnung zwischen Indianern und Amerikanern gesehen werden. Frank gibt symbolisch den Indianern ihre verlorene Freiheit zurück, indem er seinen Mustang gehen lässt. Zudem beweist er, dass eine Freundschaft zwischen Arabern und Amerikanern möglich ist. Besonders interessant vor den politischen Hintergründen im Jahr 2004.
So groß wie erhofft ist der Kino-Film im Ergebnis nicht geworden. Viggo Mortensen spielt die Rolle gut, vollbringt allerdings keine überdurchschnittliche Leistung und wäre ohne "Herr der Ringe"-Bonus aber wohl kaum besetzt worden. Im englischen Original kriegt er vor Männlichkeit die Zähne kaum auseinander - hier könnte die deutsche Synchronfassung ein Segen sein. Seine Freundschaft zu "Hidalgo", einem Mustang, den er nicht zähmte, sondern der ihm freiwillig folgt, ist dick aufgetragen. Das Pferd kann zwar nicht sprechen, guckt oder wiehert stattdessen stets im richtigen Moment. Bei einigen sehr emotionalen Szenen steht das Pferd "Hidalgo" im Film klar im Mittelpunkt. Das ist Absicht, denn der Regisseur legte Wert darauf, dass das Publikum zu Frank und "Hidalgo" eine emotionale Beziehung aufbaut.
Der "David-Gegen-Goliath-Stoff" basiert auf einer wahren Begebenheit. Allerdings sind nicht vielmehr als die Eckpunkte der Geschichte bekannt. Im Film tritt die Grenze zwischen Ausschmückung und Realität deutlich zutage. Die Figuren erfüllen so ziemlich alle Klischees, die ein Zuschauer von Abenteurern, Arabern, Adel und schönen Prinzessinnen erwartet. Das ist insgesamt nicht schlecht, sondern viel des Guten. Ein Teil der Story erinnert an an den Kino-Film "Last Samurai". Auch dort gibt es einen Angehörigen der Armee, der dem Alkohol verfällt, als Held in einer Wild-West-Show auftritt und im fernen Land geläutert wird. Hier enden dann die Parallelen. Die Kamera hat große Bilder von schönen Landschaften eingefangen. Die Regie gibt dem Film einen wohltuenden Touch von Handarbeit. Der Streifen hat keine wirklichen Längen, trotzdem stünde ihm ein gerafftes Erzähltempo gut, was bei einer Filmlänge von 136 Minuten mehr als eine Pferdelänge ausmachte.
Thomas Maiwald

Credits

Original Film-Titel: "

USA 2004

Laufzeit ca. 136 Min.

Kino-Start: 08.04.2004

Regie: Joe Johnston

Drehbuch: John Fusco

Schauspieler (Besetzung): Viggo Mortensen (Frank Hopkins), Zuleikha Robinson (Jazira), Omar Sharif (Scheich Riyadh), Louise Lombard (Lady Davenport), Adam Alexi-Malle (Aziz), Said Tagmaoui (Prinz Bin Al Reeh), Silas Carson (Katib), Harsh Nayyar (Yusef), J. K. Simmons (Buffalo Bill Cody), Adoni Maropis (Sakr), Victor Talmadge (Rau Rasmussen), Peter Mensah (Jaffa), Joshua Wolf Coleman (The Kurd), Franky Mwangi (Sklavenjunge), Floyd Red Crow Westerman (Chief Eagle Horn), Elizbeth Berridge (Annie Oakley)

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