Kinofilm

Echte Frauen haben Kurven

Real Women Haves Curves

Ana (America Ferrera) lebt als Tochter mexikanischer Einwanderer in Amerika. Sie hat Selbstbewußtsein, Charakter und ein gewichtiges Auftreten - nach dem Motto: "Echte Frauen haben Kurven". Die Mutter lässt keine Möglichkeit ungenutzt, ihr unter die Nase zu reiben, wie fett sie ist. In der Schule eine ausgezeichnete Schülerin, will die Mutter sie dennoch nicht aufs College gehen lassen. Die Tochter soll arbeiten, Kinder kriegen und einen Haushalt führen.

Anas Schwester schneidert in einer kleinen Manufaktur Modellkleider. Modehäuser kaufen bei ihr für 16 Dollar ein, und verkaufen dasselbe Kleid für 600 Dollar. Für Ana eine schreiende Ungerechtigkeit. Als sie gegenüber einer Auftraggeberin rebelliert, kommt es beinahe zur Eskalation. Die Regeln des Geschäfts sind hart: entweder pünktlich liefern, oder den Auftrag verlieren. Allmählich erwacht in Ana Anerkennung und Respekt für die Kolleginnen der Näherei. Nur ihre starrköpfige Mutter bleibt unerbittlich. Als Anas Vater entscheidet, die Tochter aufs College gehen zu lassen, zumal Ana ein Vollstipendium bekam, droht der offene Bruch.

Kritik: Die Fronten sind im Kino-Film "Echte Frauen haben Kurven" unvereinbar. Personifiziert durch Mutter und Tochter treffen Tradition und Moderne aufeinander. Hier die Tradition mit Heiligenfigürchen auf dem Küchenregal, dort gesundes Selbstbewusstsein. Ana gelingt es für die andere Lebensweise Verständnis aufzubringen - im Gegensatz zu ihrer Mutter, die dickköpfig und unverrückbar auf ihrer Position beharrt. Das geht soweit, dass sie ihrer Tochter den Segen fürs Studium verweigert. Eine Frau, die nicht loslassen kann. Weder verkraftet sie den Verlust ihrer Weiblichkeit durch die einsetzenden Wechseljahre, noch kann sie anerkennen, ihre Töchter werden erwachsen. Im Mittelpunkt des Mutter-Tochter-Dramas steht das weibliche Geschlecht - Männer spielen nur in Nebenrollen. Sie sind keine Unterdrücker, das besorgen die Weibsen untereinander, sondern bleiben Randfiguren wie Vater, Ehemann, Großvater, Lehrer oder erster Freund.
Das Tempo von "Echte Frauen haben Kurven" ist sehr ruhig. In 90 Minuten Film-Länge bietet der Film den genannten Mutter-Tochter-Konflikt und Ana bekommt ein positives Verhältnis zu ihrem Körper. Die Feelgood-Szenen sind rar und wirken mitunter aufgesetzt. Etwa der Cellulite-Wettbewerb in der Schneiderei, bei dem die Belegschaft darum wetteifert, wer die meiste Cellulite hat. Der an und für sich schöne Humor durchbricht die Konflikte zu selten und kommt insgesamt zu kurz. Eine Identifikationsfigur fehlt; sowohl Mutter wie Tochter bleiben recht unsympathisch. Im Ergebnis hat der Kino-Film "Echte Frauen haben Kurven" einen spröden Charakter, eingefangen in eine gute Kameraführung mit schönen Bildern.
Thomas Maiwald

Credits

Original Film-Titel: "Real Women Haves Curves"

USA 2002

Laufzeit ca. 90 Min.

Kino-Start: 06.05.2004

Regie: Patricia Cardoso

Drehbuch: George LaVoo, Josefina Lopez

Schauspieler (Besetzung): America Ferres (Ana), Lupe Ontiveros (Carmen), Ingrid Oliu (Estela), George Lopez (Mr. Guzman), Brian Sites (Jimmy), Soledad St. Hilaire (Pancha), Lourdes Perez (Rosali), Jorge Cervera Jr. (Raul), Felipe De Alba (Großvater)

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