Kinofilm

Timeline

Obwohl mit den Themen Zeitreise, Lovestory und mittelalterliche Schlacht drei Spannungs-Elemente zusammenkommen, ist der Wurm drin. Die Verfilmung des Romans von Michael Crichton lässt zu viele Wünsche offen.

Im französischen La Rogue der Jetzt-Zeit graben Archäologen die Ruine einer Festung des 14. Jahrhunderts aus. Mit den Neuankömmlingen wird auch der Zuschauer von Expeditionsleiter Professor Johnston in die Materie eingeführt. Besondere Beachtung findet ein altes Grab, dessen Abdeckung einen Ritter mit einem abgeschnittenen Ohr zeigt nebst seiner Geliebten. Ein weiteres Fundstück sorgt für Verwirrung: Die Grabungsarbeiten fördern die Brille des Professors zutage. Was wie ein schlechter Scherz anmutet, ist exakt zu datieren. Ein historischer Fund, mit einem Gegenstand der Neuzeit. Noch geheimnisvoller ist ein Hilferuf des Professors, der ebenfalls aus der Vergangenheit stammt. Wie passen eine Geschäftsreise, der Brillenfund und der Hilferuf zusammen?
Unverdrossen bricht das Team nach Mexiko auf, wo die Sponsoren der Grabung ebenso erschreckende wie faszinierende Neuigkeiten haben: Der Professor ist auf einer Zeitreise in die Vergangenheit verschollen. Die jungen Forscher zögern keinen Augenblick, fast jeder ist bereit sein Leben aufs Spiel zu setzen, um den Professor im 14. Jahrhundert zu suchen. Die Suchaktion muss innerhalb eines Zeitfensters von sechs Stunden stattfinden. Moderne Gerätschaften wie Brillen dürfen nicht mitgenommen werden. Als Begleiter dient ein dubioser Angestellter der Firma.
Das Team trifft pünktlich zu den Vorbereitungen der alles entscheidenden Schlacht ein. In der Nacht wird die Festung fallen. Jetzt bestünde die Aufgabe darin, den Professor zu finden und ihn zurückzuholen, ohne die Vergangenheit ("Timeline") zu ändern. Das ist verzwickter als angenommen. Ein Zeitreisender wird ermordet, die Zeitmaschine zerstört. Wie nicht anders zu erwarten, werden die Archäologen getrennt. Der Großteil der Gruppe wird verhaftet. Es gelingt ihnen den Professor zu befreien und anschließend zu fliehen, doch die Zeitmaschine versagt. Unbewaffnet und hilflos sitzen sie im späten Mittelalter fest. Marek, vom Rest getrennt, stolpert in ein Liebesabenteuer, für das er bereit ist den Lauf der Geschichte zu manipulieren.

Die einfache Story von "Timeline" variiert das Thema Zeitreisen, verbindet es mit einer Lovestory sowie mittelalterlichem Schlachtgetümmel. Die stärkeren Szenen spielen im Mittelalter, wiegen allerdings den schwachen Vorlauf nicht auf. Eigentlich böte das Drehbuch genügend Stoff für einen packenden Film. Aber die spannungsgebenden Elemente wurden zu einfach gestrickt. Zum Beispiel funktionieren die Marker, mit denen die Zeitreisenden in die Jetzt-Zeit zurückkehren können, nur sechs Stunden lang. Die Zeitmaschine wird zerstört und muss innerhalb von sechs Stunden repariert werden, was einer ihrer Erbauer verhindern will. Denn dann würde bekannt, wie unzulänglich der Prototyp arbeitet. Bei jedem Durchgang schleichen sich Fehler in den menschlichen Körperbau ein. Die Möglichkeit (pseudo-)wissenschaftlich auf das Ganze einzugehen, lässt der Film unbeachtet. Weitergehende Fragen, die mit dem Thema Zeitreise zusammenhängen, bleiben weitgehend außen vor.
Ausdrucksstarke Schauspieler hätten das schwache Drehbuch von "Timeline" aufwiegen können. Doch die spannungsarmen Darsteller tragen ihren Teil zum Misslingen bei. In der Jetzt-Zeit hetzt einer der jungen Forscher durch das Institut und markiert den hysterischen Ami. In der Vergangenheit gelingt es den restlichen Darstellern nicht zusammenzuspielen. Die Beziehungen untereinander bleiben leblos, selbst die Liebespaare agieren formal. Das liegt nicht zuletzt an der ungenügenden Regie. Die Dramaturgie zeigt das Team als heroische Amerikaner, denn nur durch deren Eingreifen wendet sich die Handlung zum Guten. Das Ende des Films beweist die Richtigkeit der Entscheidung.
Überzeugend ist die Inszenierung des Mittelalters. Die Kostüme und Bauten sind stimmig, besonders beeindruckend wirken die Aufnahmen der nächtlichen Schlacht. Den Vergleich zwischen Romanvorlage und Kino-Film muss ich schuldig bleiben. Nach der Pressevorführung meinte ein Kollege, der Film reiche an das Buch nicht heran. Das steht für das Buch zu hoffen.
Thomas Maiwald

Credits

Original Film-Titel: "

USA 2003

Laufzeit ca. 116 Min.

Kinostart / Filmstart: 11.03.2004

Regie: Richard Donner

Drehbuch: Jeff Maguire, George Nolfi

Romanvorlage: Michael Crichton

Schauspieler (Besetzung): Paul Walker (Chris Johnston), Frances O'Connor (Kate), Gerald Butler (Andre Marek), Billy Connolly (Professor Edward Johnston), Anna Friel (Lady Claire), Neal McDonough (Gordon), Ethan Embry (David Stern), David Thewlis (Robert Doniger), Marton Csokas (Robert de Kere), Michael Sheen (Lord Oliver), Lambert Wilson (Lord Arnaut), Matt Craven (Kramer)

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