Kinofilm

Kalender Girls

Calendar Girls

Manchmal liegen Freude und Leid nahe beieinander. Dass erfahren auch die Freundinnen Annie (Julie Walters) und Chris (Helen Mirren). Im Women's Institute von Knapely lauschen die zwei, gemeinsam mit den Hausfrauen des Ortes, den spannendsten Vorträgen a la "Socken und die Geschichte röhrenförmiger Fußbekleidung". Um nicht einzuschlafen machen Annie und Chris abwechselnd freche Bemerkungen, tuscheln und kichern wie Schulmädchen. Zum Backwettbewerb tritt Chris mit einem gekauften Kuchen an - und gewinnt prompt den ersten Preis. Die diebische Freude über den gelungen Streich wehrt nicht lange, denn Annie hat eine schlechte Nachricht. Ihr geliebter Mann John ist an Leukämie erkrankt.

Mit John geht es rapide bergab. Schon bald kann er das schäbige Krankenhaus nicht mehr verlassen. Im Aufenthaltsraum gibt nicht einmal ein Sofa, dafür arbeitet das Personal aufopfernd. John, der vor kurzem noch ein Gedicht auf die Frauen Yorkshires verfasste, leidet nicht lange und verstirbt alsbald. Aus Dank für die gute Pflege würde Annie dem Krankenhaus gerne ein vernünftiges Sofa schenken - doch mit Geld sind die Leute in Knapely nicht gerade gesegnet. Dafür mangelt es den Freundinnen nicht an Humor und Einfällen. Als Chris unter dem Bett ihres Sohnes ein Erotikmagazin mit nackten Frauen findet, stöbert sie interessiert darin. Als ihr Sohn sie dabei beobachtet, schließt er messerscharf: Meine Mutter ist lesbisch geworden. Dieser Eindruck verstärkt sich noch, als er seine Mutter im Kreise ihrer Freundinnen antrifft. Was soll man auch denken, wenn die eigene Mutter nackt hinter einer Obstschale posiert und sich von ihren Freundinnen fotografieren lässt?
In Wahrheit steckt eine ganz andere Idee dahinter: Jedes Jahr veröffentlicht das Women's Institute einen Kalender. Von den Erlösen möchten die Frauen ein Ledersofa fürs Krankenhaus kaufen, doch die regulären Einnahmen reichen dafür bei weitem nicht. Also muss einer entworfen werden, der genug Kaufanreize bietet, damit mehr Geld in die Kasse gespült wird. Wie wäre es also mit einem Erotikkalender, auf dem die Damen des Women's Institute nackt zu sehen sind als "Kalender Girls" - bei ganz normalen Tätigkeiten. Natürlich alles sehr geschmackvoll und gediegen. Der enge Freundinnen-Kreis ist schnell für die Idee gewonnen. Anfängliche Zweifel, da die Damen nun nicht mehr im knusprigsten Alter sind, werden bald zerstreut. Auch die technischen Probleme lassen sich lösen. Frau findet einen Fotografen, der die Kamera ausrichtet, einstellt und dann im Nebenzimmer wartet. Dieser Versuch schlägt allerdings fehl und die Damen arbeiten nun doch direkt mit dem Fotografen zusammen. Am Ende haben sie ihren Kalender zusammengestellt, der in elf Monaten eine andere Yorkshire Lady zeigt und im Dezember einen Gruppenfoto. So weit entspricht der Kino-Film weitgehend den Tatsachen. Den Ort Knapely gibt es zwar nicht, aber die Geschichte trug sich großenteils derartig zu. Es gab das Werk wirklich zu kaufen.

Für den Film wird die Geschichte weitergesponnen und dramatisiert. Die Vorsitzende des Ortsvereins des Women's Institute fällt beim Anblick des Druckwerks aus allen Wolken. Annie und Chris müssen ihren Kalender sogar auf der Hauptversammlung des Women's Institute in London verteidigen. Was danach kommt, übertrifft ihre kühnsten Träume. Sie werden über Nacht berühmt. (Was auch in der Realität geschah. Die New York Times berichtete auf der Titelseite darüber.) Die Ladys werden im Kino-Film nach Amerika eingeladen und treten in einer Talkshow auf. Desweiteren nutzen sie ihren Bekanntheitsgrad und drehen einen Werbespott. Was nicht allen "Kalender Girls" zusagt. In Amerika beginnt es zwischen Annie und Chris zu kriseln. Geht es wirklich noch um das gemeinsame Projekt oder spielen sich eigene Beweggründe in den Vordergrund. Außerdem hat Annie den Tod ihres Mannes noch keines Wegs verarbeitet, sondern einfach nur verdrängt. Wieder in heimatlichen Gefilden, gilt es den privaten Problemen ins Auge zu sehen. Auch Chris hat ihre liebe Not mit dem Ruhm. Ein Klatschreporter hat sich das Vertrauen ihres Mannes erschlichen und eine böse Schmutzkampagne über Chris' Ehe ausgeschüttet. Zeit also die Ärmel hochzukrempeln und für Klarheit zu sorgen.

"Kalender Girls" ist eine weitgehend gelungene Umsetzung wahrer Begebenheiten. Der Kino-Film beginnt in Yorkshire (mit erstaunlich gutem Wetter) schwenkt über den großen Teich und wieder nach Yorkshire zurück. Die Szenen in Yorkshire sind stärker als das Zwischenspiel in New York, das etwas aufgesetzt wirkt. Vor allen Helen Mirren glänzt im Film mit ihrer Darstellung. Im Gegensatz zu bisherigen Produktionen schwingt nichts sauertöpfisches in ihrem frischen Spiel mit. Von Julie Walters hätte ich gerne auch mal eine neue Facette gesehen, doch sie eher eine Variation ihre nonchalanten Auftretens. Anmerkung der Filmkritik: Der Film-Start wurde vom 6.11.2003 auf den 01.01.2004 verlegt. Somit läuten die "Kalender Girls" ein vergnügliches neues Kino-Jahr ein.
Thomas Maiwald

Credits

Original Film-Titel: "Calendar Girls"

USA 2003

Laufzeit ca. 108 Min.

Kinostart / Filmstart: 01.01.2004

Regie: Nigel Cole

Drehbuch: Juliette Towhidi, Tim Firth

Schauspieler (Besetzung): Julie Walters (Annie), Helen Mirren (Chris), Penelope Wilton (Ruth), Annette Crosbie (Jessie), Celia Imrie (Celia), Linda Bassett (Cora), Georgie Glen (Kathy), Angela Curan (May), Rosalind March (Trudy), Ciaran Hinds (Rod), John Alderton (John), Philip Glenister (Lawrence), John-Paul McLeod (Jem), Geraldine James (Marie), Marc Pickering (Gaz), George Costigan (Eddie), Graham Crowden (Richard), John Fortune (Frank), John Sharian (Danny)

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