Kinofilm

Der ewige Gärtner - Kritik

The Constant Gardener

Ein Mix aus ungewöhnlicher Liebesgeschichte und Thriller - kann das gut gehen? Es kann dank guter Schauspieler und geschickter Regie. Die Spurensuche eines bislang sehr zurückhaltenden Diplomaten deckt Machenschaften auf, in die die Pharmaindustrie ebenso verwickelt ist, wie hochrangige Politiker. Ihre Opfer sind Menschen in der so genannten Dritten Welt.

Mit "City of God" hatte Fernando Meirelles einen beeindruckenden Erstling geliefert. Drei Jahre später verfilmte er den gleichnamigen Roman von John le Carré. Und wieder ist es dem Regisseur gelungen, einen Kinofilm zu schaffen, der an emotionaler Dichte keine Wünsche offen lässt. Justin Quayle (Ralph Fiennes) ist ein ruhiger, unehrgeiziger Diplomat, den seine Pflanzen mehr interessieren als der Rest des Lebens. Das ändert die Nachricht vom Tod seiner Frau Tessa (Rachel Weisz) schlagartig. Der bis dato ruhige Justin begibt sich auf eine Reise, die nicht nur die Geschichte der ungewöhnlichen Liebe erzählt, sondern gleichzeitig einen unglaublichen Skandal großer Pharmafirmen aufdeckt. Zunächst hat es den Anschein, als sei Tessa in Afrika mit ihrem Liebhaber durchgebrannt und bei einem Unfall ums Leben gekommen. Doch das stellt sich als eine der vielen falschen Fährten heraus, die der Kinofilm legt. Die engagierte Aktivistin war Machenschaften auf der Spur, die frei erfunden wurden; aber gerade deshalb so unglaublich klingen, weil sie vollkommen realistisch sind.

Filmkritik

Um es gleich vorwegzunehmen. Der Kinofilm dürfte einer der eindringlichsten 2006 werden. Allerdings um den Preis, dass man als Zuschauer deprimiert und fassungslos den Saal verlässt. Wie können Firmen so handeln? Weshalb sind die Afrikaner als Volk derartig passiv? "Warum schießen die ihren Diktatoren nicht einfach Brandpfeile auf den Pelz?", fragte beispielsweise eine Kollegin. Ich weiß es nicht. Es ist eine der vielen bitteren Pillen, die er zu schlucken gibt. Denn auch wenn es sich um Fiktion handelt, siedelt die Erzählung verdammt nahe an der Realität. Das fiktive Treiben der Pharmaindustrie sowie ihre Geschäftsidee siedeln nahe an der Realität und dass die Industrienationen die so genannte Dritte Welt ausbluten lassen, ist leider wahr.

Bei aller Realitätsnähe verzichtet die Handlung nicht auf Kunstgriffe. Die Bilder sind teils deutlich farbverfälscht. Unterstreichen je nach Land eine kühle oder warme Atmosphäre. Die Kamera bleibt stets nah an den Hauptdarstellern und dem Geschehen, ohne dabei einfach nur platt Mitleid zu erheischen. Sogar ein wenig bitterer Humor wird eingestreut: Während Justin in einem deutschen Hotelzimmer seine letzte Warnung bekommt, also zusammengeschlagen wird, plärrt aus dem Fernseher deutsche Volksmusik. Unter der Federführung Hollywoods hätte aus der Geschichte ein saftiges Tränenrührstück werden können, doch so umschiffen Regie und Darsteller diese Klippen, denn die Handlung wird nicht zuletzt von den guten bis sehr guten Darstellern getragen. Am meisten sticht dabei Ralph Fiennes (Spider) hervor, der eine Glanzleistung abliefert. An seiner Seite überzeugt Rachel Weisz (Constantine) als engagierte Umweltschützerin. Szenen, die das Privatleben der Zwei zeigen, wirken tatsächlich wie privat aufgenommen. Nicht weniger überzeugend der Rest der Crew, etwa Bill Nighy (Underworld).

Bei allem Lob will ich die Knackpunkte nicht unerwähnt lassen. Nicht immer gelingt es den Spannungsbogen aufrecht zuerhalten. Teils lahmt die Handlung auf Grund der Wiederholungen oder verliert die Ausrichtung aus den Augen; schwankt zwischen Liebegeschichte und Thriller. Des Weiteren fügen sich die falschen Fährten nicht alle nahtlos ein. So macht die Auflösung der angeblichen Affäre zwischen Tessa und ihrem besten Freund Dr. Arnold Bluhm, der ihr Liebhaber gewesen sein soll, den Eindruck von, hier führen wir den Zuschauer nur deshalb in die Irre, um ihn in die Irre zu führen.

Fazit
Kein leicht zu konsumierender Stoff. Sein schwieriges Thema wurde atmosphärisch ausgesprochen dicht umgesetzt. Dabei trüben die genannten Schnitzer trüben den Gesamteindruck etwas. Insgesamt ein Tipp fürs Programmkino.
Filmkritik: Thomas Maiwald

Credits

Original Film-Titel: "The Constant Gardener"

Land: Großbritannien / Kenia / Deutschland 2005

Laufzeit ca.: 128 Minuten

Kinostart / Filmstart: 12.01.2006

DVD-Start: 25.08.2006

Regie: Fernando Meirelles

Drehbuch: Jeffrey Caine

Buchvorlage: John le Carré

Schauspieler (Besetzung): Ralph Fiennes (Justin Quayle), Rachel Weisz (Tessa Quayle), Bill Nighy (Sir Bernard Pellegrin), Danny Huston (Sandy Woodrow), Pete Postlethwaite (Lorbeer), Richard McCabe (Arthur Hammond), Donald Sumpter (Tim Donohue), Juliet Aubrey (Gloria Woodrow), Hubert Kounde (Arnold Bluhm), Archie Panjabi (Ghita Pearson), Gerard McSorley (Sir Kenneth Curtiss), Samuel Otage (Mustafa), Anneke Kim Sarnau (Birgit)

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