Die Aufklärung von Verbrechen ist ein ganz besonderes Thema. Sei es als Fernsehkrimi oder als Kinofilm. Was geht in Menschen vor, die sich tagtäglich mit Mord und Totschlag beschäftigen? "Street Kings" will einen Blick ins Innere eines Reviers in Los Angeles bieten und gleichzeitig der Stadt ein Denkmal setzen. Keanu Reeves schlüpft darin in eine Rolle, die nicht zuletzt an eine Comicfigur erinnert: der Rächer.
Tom Ludlow (Keanu Reeves) ist Cop in Los Angeles und hat das Gesetz selbst in die Hand genommen. Sobald er glaubt, Verbrecher überführt zu haben, richtet er sie im Alleingang und fälscht danach die Spuren, damit es so aussieht, als habe er in Notwehr gehandelt. Und obwohl einige Kollegen an ihm zweifeln, wird er von seinem Vorgesetzten immer wieder gedeckt. Das geht soweit, dass nicht nur Augen zugedrückt werden, sondern auch Beweise verschwinden.
Aber als er einen verhassten Kollegen ans Messer liefert, ihn in den Rücken schießt, damit der von zwei Räubern niedergeschossen werden kann, hat Ludlow den Bogen überspannt. Man findet in der Leiche nämlich drei Arten von Geschossen und es ist klar, dass von den Räubern nur zwei Geschosse stammen. Das würde eigentlich mindestens das Ende einer Karriere bedeuten, wenn nicht sogar Gefängnis. Doch was der Schuldige nicht weiß, es gibt Leute, die ein berechtigtes Interesse daran haben, dass er weitermacht. Und so scheint es, als könne der Rächer seine blutige Spur fortsetzen. Ohne zu ahnen, dass er nur die Hauptfigur in einem abgekarteten Spiel ist. So wird aus dem Jäger ein Gejagter und Freunde zu Feinden.
Filmkritik
Die Idee des Plots geht in Ordnung. Der zunächst zwielichtige Cop, für den der Zweck die Mittel heiligt, übt Selbstjustiz, erfährt seine Läuterung und wird am Ende begnadigt und in den Stand des Helden erhoben. Gefallen kann auch das Spiel mit den gezinkten Karten und doppelten Böden. Wenig gefiel mir hingegen die Art der Umsetzung. Die Inszenierung ist durchweg überzeichnet und lässt die Geschichte unrealistisch erscheinen - und dass, obwohl Regisseur David Ayer (Drehbuch zu S.W.A.T) meint, sein Film sei ein "spannendes und realistisches Polizeiporträt".
Wie gesagt: Kritisch dürfen sie keinesfalls an die Handlung herangehen, denn der gezeigte Alltag der Polizisten wirkt zu unglaubwürdig. Die Cops strotzen vor Männlichkeit, werfen ununterbrochen mit Kraftausdrücken um sich. Bei den Feuergefechten kommen regelmäßig Maschinenpistolen zum Einsatz. Die die Einrichtung und auch Menschen regelrecht durchsieben. Nicht ganz ins Bild passt dabei, dass der Held selbst in extremen Situationen nie ernsthaft verletzt wird. Bei einer der Schießereien kriecht er hinter ein stinknormales Sofa, das die Salven einer Maschinenpistole abhält! Neben der Unlogik fallen die Klischees ins Auge. Die Hood wird von Bilderbuch-Farbigen bevölkert und Frauen tragen zur Handlung nicht viel mehr bei, als dass sie schön anzusehen sind und Modellmaße mitbringen. Thematisch passend ist die Stilisierung durch den unruhigen Schnitt sowie hektische Szenenwechsel.
Für Keanu Reeves hätte die Hauptrolle eine Traumrolle sein können. Ein innerlich zerrissener Polizist, der seit dem Tod seiner Ehefrau als Kläger, Richter und Vollstrecker in einer Person durch Los Angeles zieht. Der nicht nur den inneren Kampf kämpft, sondern zusätzlich in die Machenschaften eines korrupten Reviers gerät. Doch statt diese Thematik auszuleben, beschränkt sich Reeves auf wenige Gesichtsausdrücke und versucht möglichst cool zu wirken (so deute ich das mal). Wäre ich gemein, würde ich an dieser Stelle behaupten, er habe vielleicht nicht mehr als eine Handvoll Gesichtsausdrücke und sei fehlbesetzt. Doch so gemein bin ich nicht. Ich beschränke mich darauf zu sagen, dass nur wenige andere Darsteller des Films Reeves minimalistisches Spiel noch unterbieten.
Fazit
Eine Aussage zu treffen, ob "Street Kings" gut oder schlecht ist, fällt schwer, denn mir hat der Film nicht viel gesagt. Weder der rastlose Schnitt, noch die effektheischende Dramaturgie und Bildsprache überzeugten. Ich will damit nicht sagen, dass er nicht durchgängig seinem Stil treu bleibt. Es liegt auch nicht daran, dass ich mir angesichts dieser geballten Männlichkeit auf der Leinwand im Kinosessel ganz unmännlich vorkam. Für meinen Geschmack wird in puncto Action und Ausdruck durchgehend eine Spur zu viel geboten. Etwas mehr Ruhe und Psychologie sowie ein ausdrucksstarker Hauptdarsteller hätten aus der Idee mehr herausholen können.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Credits
Original Film-Titel: "
Land: USA 2008
Laufzeit in Minuten ca.: 100
Kinostart / Filmstart: 17.04.2008
DVD-Start: 23.01.2009
Regie: David Ayer
Drehbuch: James Ellroy, Kurt Wimmer
Schauspieler (Besetzung): Keanu Reeves, Hugh Laurie, Terry Crews, Forest Whitaker, Chris Evans