Mangas und abendfüllende, japanische Animationsfilme sind zweifellos im Kommen. Der Film setzt auf Bewährtes: Martial Arts, viel Geballere und archaische Themen. Anfangs viel versprechend läuft die Handlung aufs Übliche hinaus.
Im Jahr 2131 tobt ein weiterer Weltkrieg. Die Kämpferin Deunan ist seit drei Monaten von ihrer Einheit abgeschnitten und weiß nicht, dass sie mittlerweile vergeblich kämpft, da der Krieg als verloren und somit beendet gilt. Erst als sie von ihresgleichen entführt wird, endet ihr persönlicher Kampf zunächst. Wenige Menschen haben sich ins futuristische Olympus zurückgezogen. Hier leben sie mit Bioroiden zusammen. Menschliche Klone, die keine Emotionen empfinden und die regelmäßig ihr Weiterleben verlängern lassen müssen. Damit die Menschen ihnen leichter vertrauen, gibt es einen Tank, dessen Inhalt innerhalb kürzester Zeit alle Klone töten könnte. Dieser Tank ist gut sichtbar auf dem Dach eines Hochhauses platziert worden. Die Feinde der Klone müssten folglich nur die Sperren durchbrechen und ... Zurzeit jedoch wird die Stadt von den Bioroiden regiert, die ihre Befehle wiederum von einem Ältestenrat bekommen. Sieben alte Männer stehen im ununterbrochenen Dialog mit dem Supercomputer Gaya, der sie in allen Fragen berät.
Sofort nach ihrer Ankunft muss Deunan sich in der fremden Welt zurechtfinden. Ihre Begleiterin ist Hitomi. Eine Bioroidin, mit der sie sich auf seltsame Weise verbunden fühlt. Deunans ehemaliger Freund und Kampfgefährte Briareos lebt mittlerweile als Cyborg, nachdem er im Krieg seinen Körper einbüßte. Sehr schnell werden auch die Fronten geklärt. Es gibt auf der einen Seite das Militär, an dessen Spitze General Uranus steht. Er ist überzeugter Feind der Bioroiden. Seine rechte Hand ist Hades, der ebenfalls alle Klone lieber tot als lebendig sähe. Den Aggressoren steht die Regierung gegenüber an dessen Spitze die Bioroidin Athena steht.
Gleich einen Tag nach ihrer Ankunft soll Deunan Mitglied von ESWAT werden, die für die innere Sicherheit der Stadt sorgen. Damit steckt sie bereits wieder mitten im Geschehen, denn zwei Seiten sehen in ihr eine Schlüsselfigur. Anders gesprochen, will eine Fraktion sie tot sehen, während sie für die andere die letzte Hoffnung darstellt. Das wird mehr als deutlich, als Terroristen das Reproduktionsmaterial für die Bioroiden zerstören. Jetzt gibt es nur noch zwei Möglichkeiten, entweder die Bioroiden pflanzen sich geschlechtlich fort, wozu sie das verlorene Forschungsmaterial "Appleseed" benötigen, oder die Bioroiden fallen ins Koma und sterben aus. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.
Filmkritik
Nach dem "Wandelnden Schloss" hatte ich mich auf einen weiteren Animationsfilm aus Japan gefreut. Die Eröffnung von "Appleseed" ist mitreißend. In einer düsteren Optik legt die Heldin einen beeindruckenden Kampf gegen Roboter hin. Die Computeranimation ist wirklich gelungen. Auf Dauer jedoch macht er einen weniger guten Eindruck. Die Animation etwa legt viel Wert auf Sexappeal, die Mimik wiederum wurde vernachlässigt. Stattdessen setzt man nach wie vor auf Blicke und Augen. Die Optik erinnert stark an ein Computerspiel - wie auch die Handlung.
Auf Dauer enttäuschend: Statt eigene Fantasien zu entwickeln, mischte man Bewährtes. In der Regel laufen die Szenen auf Kämpfe, Geballere, nochmals Geballere und Kampfkunst hinaus. Selbstredend dabei - die Bullettime aus "Matrix". Auch weniger originell: Die Stadt Olympus ist eine techniklastige Maschinenstadt. Viele Namen entstammen der griechischen Mythologie. Der Ältestenrat ist ebenso hinlänglich bekannt, wie ein Supercomputer, der regiert. Auch die Problemstellungen sind wenig erfrischend, laufen auf eine Schwarz-Weiß-Zeichnung hinaus: Fremdenhass und Allmachtsfantasien sowie der menschliche Wunsch Schöpfer zu spielen. Wahrscheinlich wirkte die Geschichte komplexer, wäre sie synchronisiert worden. In der gesehenen Fassung bellen die japanischen Stimmen, während knappe Untertitel den Eindruck vermitteln, nur das Notwendigste zu übersetzen. Die Story ist technisch interessant umgesetzt, allerdings inhaltlich wenig originell. Genre-Fans dürfen einen Blick riskieren.
Filmkritik: Thomas Maiwald