Kinofilm

Hellboy - Die goldene Armee - Kritik

Hellboy 2 - The golden Army

Als "Iron Man" und "The Dark Knight" sich unabhängig voneinander von der reinen Comicverfilmung zum Realfilm hinbewegten, hätte dies der Anfang einer Trendwende sein können. "Hellboy 2 - Die goldene Armee" setzt diesen Trend jedoch nicht fort, sondern bietet eine klassische Comicverfilmung mit visuellem Schwerpunkt.

Inhalt / Handlung
Vor vielen vielen Jahren tobte ein Krieg zwischen den Menschen und den Elfen. Als diese keinen anderen Ausweg mehr sahen, schufen sie die Goldene Armee, die aus 70 mal 70 Kriegern besteht. Und nur wer die entsprechende Krone trägt, kann über diese Armee herrschen. Weil aber auch die Elfen einsehen mussten, dass ihre unzerstörbare Armee zu furchtbar ist, teilten sie die Krone in drei Hälften ...

In der Jetztzeit greift der finstere Nachkomme des weisen Elfenkönigs Prinz Nuada (Luke Goss) nach der Macht. Das bedeutet, er sucht nach den drei Teilen der Krone. Eines besitzen die Menschen und der Prinz raubt es. Das zweite verwahrt sein Vater der König, den er töten muss, um in den Besitz des Kronenstückes zu gelangen. Das dritte Teil verwahrt seine Zwillingsschwester Prinzessin Nuala (Anna Walton). Die wiederum ist zwar auf der Flucht vor ihrem finsteren Bruder, doch ein magisches Band verbindet die Zwillinge, und der Bruder kann den Aufenthaltsort seiner Schwester spüren. Da hilft es wenig, dass die Prinzessin über einige Umwege in die Obhut der B.U.A.P. (Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen) gelangt ist. Der finstere Elfenprinz dringt dort ein und es gelingt ihm sogar, Hellboy eine tödliche Wunde beizubringen. Doch noch ist die letzte Schlacht nicht geschlagen und das letzte Kronenstück nicht gefunden. Aber der Prinz hat die eigene Schwester als Geisel genommen und dummerweise ist der Fischmann Abe Sapien (Doug Jonse) bis über beide Kiemen in die Prinzessin verliebt und würde für seine Liebe einfach alles tun - auch eine große Dummheit begehen ...

Filmkritik

Guillermo del Toro, der das Drehbuch schrieb und Regie führte, erzählt eine einfach konstruierte Geschichte, deren Schwerpunkt auf der Darstellung möglichst vieler skurriler Kreaturen liegt. Besonders deutlich wird das auf dem Trollmarkt. Bei der Darstellung der Kreaturen wurde zwar nicht gespart, sondern wirklich geklotzt. Trotzdem wirkt das Ergebnis nicht sonderlich fantastisch oder fantasievoll, sondern einfallsarm. So lässt sich die eigentliche Handlung auf wenige Wendungen runterbrechen. Einführung der Figuren, Zusammenführung der Handlungsstränge, Kämpfe und Endkampf.

Die Machart des Films zielt auf ein junges Publikum ab. Es fließt kein Blut, obwohl die Handlung szenenweise sehr brutal ausfällt. Etwa wenn der Sohn den eigenen Vater mordet und der im Sterbeprozess versteinert. Die einfachen Zusammenhänge werden trotz ihrer Durchsichtigkeit im Klartext erklärt. Und auch die Zeichnung der Darsteller bleibt oberflächlich. Ihre Probleme entsprechen weitgehend denen von Jugendlichen. Hellboy fühlt sich unverstanden, leidet darunter, dass ihn die Menschen nicht akzeptieren. Er hat Streit mit seiner Freundin Liz, weil er schlampig ist und sie das nervt. Liz ist gereizt, weil sie schwanger ist. Bietet ansonsten kaum einen eigenständigen Charakter. Der Fischmann ist zum ersten Mal in seinem Leben verliebt und weiß nicht, wie er damit umgehen soll - also hört er romantische Musik. Das macht die Darsteller zwar menschlicher - gleichzeitig bleiben sie eindimensional.
Auch die simpel gestrickten Witze zielen auf ein junges Publikum. Einer der anspruchsvolleren Witze geht darüber, dass Hellboy wegen seiner roten Hautfarbe als Kommunist beschimpft wird. Die meisten anderen Pointen sind jedoch flach. So betitelt Hellboy den finsteren Prinzen wiederholt als seine "königliche Arschigkeit".
Geärgert hat mich die Darstellung des Deutschen. Die Formel "alle Deutschen sind Nazis = alle Deutschen sind böse" die es in "Hellboy" noch gab, hat zwar ausgedient, aber das deutsche Teammitglied ist ausgesprochen obrigkeitshörig und der klassische Befehlsempfänger. Wirklich bitter ging mir der Witz über den Nachnamen runter, der sinngemäß lautet: "Er heißt Krauss mit Doppel-S - wie SS". Das hätte der Verleih dem deutschen Publikum, das schließlich Eintritt zahlt, ruhig ersparen können und den Gag streichen.

Fazit
Für einen Film, der fast ausschließlich von dargestellter Fantasie leben will, fehlt es mir an frischen Einfällen. Die Idee, dass Prinz und Prinzessin eine Person sind, die sich in männlich und weiblich aufgespalten hat finde ich interessant. Gleichzeitig erinnern die zwei mich aber an den Witcher aus dem gleichnamigen Computerspiel. Davon abgesehen gelang es Guillermo del Toro (Drehbuch und Regie) kaum eine tiefer gehende Geschichte zu entwickeln. Das Ganze bietet für meinen Geschmack zu viel Freakshow und zu wenig Unterbau. Kinderkino.
Filmkritik: Thomas Maiwald

Wertung: 60 %

Credits

Original Film-Titel: Hellboy II - The golden Army

Land: USA 2008

Laufzeit in Minuten ca.: 120

Kinostart / Filmstart: 16.10.2008

Regie: Guillermo del Toro

Drehbuch: Guillermo del Toro

Schauspieler (Besetzung): Ron Perlman, Selma Blair, Doug Jones, Luke Goss, Johann Kraus, John Hurt

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