Kinofilm

Wenn Träume fliegen lernen - Kritik

Finding Neverland

Biopics sind eine feine Sache, denn in der Regel lockt bereits ein bekannter Name die Zuschauer ins Kino. Dennoch verzichtet der deutsche Verleih darauf, den Namen Peter Pan im Titel zu führen.

Wahrscheinlich sollen vorschnelle Erinnerungen an die letzte "Peter-Pan-Verfilmung" vermieden werden, die die Zuschauer verschmähten. Im Gegensatz dazu steht aktuell nicht das Werk im Vordergrund, sondern vielmehr seine Entstehung.
Für die Verkörperung eigenartiger Rollen gibt es Johnny Depp. Der schlüpft in die Rolle des schottischen Schriftstellers James Mathew Barrie. Nach dem Flop seines jüngsten Theaterstücks sucht er nach Inspirationen und findet sie bei den Söhnen der Witwe Sylvia Llewlyn Davies (Kate Winslet). Bei gemeinsamen Picknicks, Ausflügen oder auf der Sommerresidenz entwickeln sich Teile des späteren Nimmerlands. Sogar für den bösen Captain Hook gibt es ein lebendes Vorbild. Bei diesen Zusammentreffen ist James ein großer Junge unter kleinen Jungen, quasi der Vorläufer für den späteren Peter Pan.
Nun gehen nicht alle Hoffnungen in Erfüllung: Die Liebe zur schönen Witwe bleibt unerfüllt, aber allein die Tatsache, dass ein Kontakt besteht, sorgt für böswilligen Tratsch und natürlich für Unmut. Sylvias Mutter Emma du Maurier (Julie Christie) fürchtet, die Tochter wird keinen neuen Ehemann finden, solange James ein und aus geht. Auf der anderen Seite fühlt sich James' Ehefrau zunehmend ausgeschlossen aus der Erlebniswelt ihres Mannes, in die sie ihm mangels eigener Fantasie nicht folgen kann. Derart liegen Freude und Leid nahe beieinander. Das Bühnenstück "Peter Pan" feiert große Erfolge, doch im Privatleben sieht es weniger rosig aus. Mary Ansell (Rhada Mitchell) trennt sich von James und Sylvia stirbt.

Filmkritik

Genügend Anlässe für großes Gefühlskino sind im Kinofilm "Wenn Träume fliegen lernen" gegeben. Regisseur Marc Forster wollte kein gelebtes Leben spiegeln, sondern eine magische Geschichte erzählen. Dazu griff er tief in Emotionen und bringt eine gute Portion Kitsch auf die Leinwand. Dank der Tricktechnik liegt Nimmerland stets nur einen Wimpernschlag entfernt - was trotz fehlenden Gegengewichts zur stark romantischen Handlung unterm Strich rund ist.
Etwas vernachlässigt bleibt die Ausarbeitung der Rollen. Sylvias Mutter ist die typische Schwiegermutter: Hart im Nehmen und eine Kneifzange. Rhada Mitchell kann als Ehefrau nicht viel zeigen, denn die Konflikte der Ehe bleiben weitgehend ausgespart. Johnny Depp verlässt morgens das Haus, wie andere arbeitende Menschen auch, kehrt abends Heim. Dabei brilliert er als verwunschener Schriftsteller, und der Film wurde geschickt um ihn herum inszeniert. An seiner Seite wirkt Kate Winslet als Freigeist etwas in den Hintergrund gerückt, dennoch gefällt ihr Spiel. Das gilt ebenfalls für die Kinder, die ihr Bestes geben. Und, um die Lobeshymne voll zu machen, selbst die Nebenrollen sind prominent besetzt: Dustin Hoffman als loyaler Theaterbesitzer und Eileen Essel gibt das Gegenteil des "Apartmentschrecks".
Filmkritik: Thomas Maiwald

Credits

Original Film-Titel: "Finding Neverland"

Land: USA 2004

Laufzeit ca.: 106 Minuten

Kino-Start: 10.02.2005

DVD-Start: 25.06.2005

Regie: Marc Forster

Drehbuch: David Magee

Schauspieler (Besetzung): Johnny Depp (Sir J. M. Barrie), Kate Winslet (Sylvia Llewelyn Davies), Julie Christie (Mrs. Du Maurier), Radha Mitchell (Mary Ansell Barrie), Dustin Hoffman (Charles Frohman), Eileen Essel (Mrs. Snow), Freddie Highmore (Peter Llewelyn Davies), Joe Prospero (Jack Llewelyn Davies), Nick Roud (George Llewelyn Davies), Luke Spill (Michael Llewelyn Davies)

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