Kinofilm

Silentium - Kritik

"Jetzt ist es schon wieder passiert", sagt der Sprecher. "Diesmal in Salzburg. Der Schwiegersohn des Festspielpräsidenten ist tot. Angeblich Selbstmord. Für die Kirche eine glückliche Fügung. Hat doch der Tote erst vor kurzem mit skandalträchtigen Erinnerungen an seine Jugend im Knabenkonvikt aufhorchen lassen."
Mit diesen lakonischen Worten nimmt Sie der Kinofilm mit auf eine Reise durch Salzburg, die wohl kein Reiseveranstalter bietet. Auf dem Programm stehen Kindesmissbrauch in einem katholischen Knaben-Internat, zur Prostitution gezwungene philippinische Jungfrauen und die Salzburger Festspiele. Dies in einen Zusammenhang zu bringen, ist die Kunst.

Ihr Reiseführer ist Privatermittler Brenner (Josef Hader), der wie in "Komm süsser Tod", die Welt zwar nicht mehr versteht, aber die Dinge nimmt, wie sie kommen. Zwei aberwitzige Zufälle bringen ihn mit der Frau des Verstorbenen zusammen. Beim zweiten Aufeinandertreffen erteilt ihm die Witwe (Maria Köstlinger) den Auftrag, herauszufinden, was wirklich geschah. Also schleicht er sich als Penner bei den barmherzigen Brüdern ein, deckt nach und nach einen unglaublichen Skandal auf. Das Kloster ist als andere als ein Ort der Nächstenliebe. Die Kirche sucht nach neuen Einnahmequellen. Zu ihren "neuen" Kunden zählen auch die Salzburger Festspiele. Deren Leiter (Udo Samel) sind alle Mittel recht, damit die Sänger im nächsten Jahr wiederkommen.

Filmkritik

Obwohl "Silentium" kein Krimi zum Mitraten ist, bleiben die wahren Verflechtungen lange Zeit verborgen. Das ist nur teilweise spannend, da der Film mit der Begeisterung des Zuschauers für Skurrilität steht und fällt. Ohne eine Ader für diesen sehr spezifischen, österreichischen Humor, bleibt nicht viel übrig, zumal die Handlung alles ins Absurde führt: Da muss selbst Hitler als Scherzbringer herhalten. Die Gespräche enden gerne in grotesken Phrasen. Brenner fragt an der Nachtapotheke nach Kopfschmerztabletten:
"Haben sie eine Familienpackung?"
"Haben sie Familie?"
Die Grenze zum Kalauer ist in "Silentium" fließend. Der szenische Humor wiederum zielt gerne auf anti-kirchliche Scherze ab. Da schleppt der Hauptdarsteller (s)ein Kreuz durchs Kloster. Ein ehemaliger Rechtsradikaler stirbt einen rituellen Tod; mit dem Kopf nach unten erhängt. Überwiegend ist der schwarze Humor gelungen, doch dann wird "Silentium" ekelig. Ein Junge bringt eine abgeschnittene Hand in den Gottesdienst, während der Geistliche davon spricht, dass man sich brüderlich die Hände reichen möge. Ein fetter Opernsänger lässt sich von einer jungen Frau anpinkeln und gurgelt genüsslich mit deren Urin. In diesen Momenten schlägt der Versuch der stetigen Steigerung fehl. Stattdessen stünde dem Film etwas mehr Normalität an, um der Extravaganz einen Gegenpol zu verleihen.
Auf Grund der mangelhaften Feintarierung droht die Gesellschaftskritik unterzugehen - obwohl heiße Eisen angefasst werden: Kindesmissbrauch durch Geistliche (man denke an den Vorfall in St Pölten, bei dem 2004 Kinder-Pornografie auf einem Computer des katholischen Priesterseminars entdeckt wurde), zur Prostitution gezwungene Jungfrauen und eine Opern-Kultur, die auf ihrem heiligen Altar alles opfert.
Die Darsteller machen ihre Sache gut. Josef Hader gibt den vom Leben gezeichneten Brenner. Der zum Bedauern seiner Auftraggeberin leider "ein alter Sack" ist. An seiner Seite schlüpft Simon Schwarz wieder in die Rolle des Rettungssanitäters, mit mehr Glück als Verstand. Joachim Krol hat sich nach dem knackigen Auftritt in "Lautlos" wieder den gewohnten Babyspeck angefuttert und tritt als skrupelloses Moppelchen auf. Das ist nicht eben neu, doch für die Rolle stimmig.
Filmkritik: Thomas Maiwald

Credits

Original Film-Titel: "

Land: Österreich 2004

Laufzeit ca.: 116 Minuten

Kino-Start: 03.03.2005

DVD-Start: 18.10.2005

Regie: Wolfgang Murnberger

Drehbuch: Wolfgang Murnberger, Josef Hader, Wolf Haas

Schauspieler (Besetzung): Josef Hader (Brenner), Simon Schwarz (Berti), Joachim Krol (Sportpräfekt Fitz), Maria Köstlinger (Frau Dornhelm), Udo Samel (Festpielpräsident), Jürgen Tarrach (Opernsänger), Rosie Alvarez (Di Ding), Georg Friedrich (Hausmeister Josef), Anne Bennent (Apothekerin), Johannes Silberschneider (Inspektor Stronegger) Joachim Bissmeier (Regens), Karl Fischer (Killer Max) Wolfgan S. Zechmayer (Killer Moritz)

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