Kinofilm

The Take - Die Übernahme

"The Take - Die Übernahme" erzählt die packende Geschichte einer Industriearbeitergruppe im von wirtschaftlichen und politischen Krisen geschüttelten Buenos Aires, Argentinien. Von Verzweiflung und Armut zermürbt beschließen die Arbeiter eines Tages ihren in einem Vorort der Hauptstadt gelegenen ehemaligen Arbeitsplatz, die "Forja"-Fabrik für Autoteile, zu besetzen, zu übernehmen, und die Fabrik nicht mehr zu verlassen, bis die Produktion wieder läuft.

Sie alle zusammen haben den Anblick der stillstehenden Anlage, die einst ihnen allen Arbeit und Brot gegeben hatte, und die nun zum politischen Spielball in einem großen Schacher zwischen Regierung, internationalen Investoren und dem Eigentümer geworden war, nicht mehr ertragen. Und sehen die "Enteignung mit den Füßen" als einzig gebliebene Weg an, ihr Recht auf (Weiter-)Arbeit in der eigentlich funktionstüchtigen Fabrik zu erkämpfen. Die Arbeiter der "Forja" sind in derselben Situation wie viel Hunderttausende ihrer Landsleute auch. Denn nach dem spektakulären Zusammenbruch des argentinischen Wirtschaftssystems versinkt das einst mit der stärksten und wirtschaftlich prosperierendsten Mittelklasse in ganz Lateinamerika gesegnete Land in einem Sumpf aus Verfall und Massenarbeitslosigkeit.
Mit der eigenmächtigen Übernahme der "Forja"-Fabrik gehören die Arbeiter zu einer neuen aber allgegenwärtigen Bewegung in ganz Argentinien, in der mit von Verzweiflung und Mut geprägten Schritten Arbeiter ihr Los selbst in die Hand nehme. Und von den Eigentümern und der Politik längst aufgegebene Produktionsanlagen wieder unter eigener Leitung - oft auf Basis einer Kollektive - zu neuem Leben erwecken, in einen rentabel arbeitenden Betrieb zurück verwandeln.
Doch Freddy, der gewählte Vorsitzende der neue "Forja"-Kooperative und Lalo, der Vorsitzende der mächtigen politischen Gruppierung "Bewegung zur Rettung von Fabriken", wissen nur zu gut das jeder ihrer Übernahmeerfolge auf tönernen Füssen steht. Denn wie jede Fabrikübernahme muss auch die "Forja"-Besetzung einen Spießrutenlauf zwischen Polizei, Gerichten und Politikern absolvieren um ggf. rechtliche und politische Legitimierung zu erfahren. Bis dieser Prozess sein Ende findet, können die Arbeiter theoretisch jeden Tag mit Gewalt aus der Fabrik vertrieben werden.

Die Überlebens-Geschichte der "Forja"-Arbeiter wird vor dem Hintergrund des kurios-erschreckenden Präsidenten-Wahlkampfs von Argentinien erzählt, anhand dessen einmal mehr deutlichst klar wird, dass Politik in Südamerika meist sehr wenig mit europäisch-westlichen Vorstellungen von Demokratie zu tun hat. Von den Methoden der Wahlwerbung angefangen bis zum Lebenslauf der Kandidaten. Aussichtsreichster Bewerber in dem in "The Take - Die Übernahme" skizzierten Wahlkampf ist mit Carlos Menem zum Beispiel ausgerechnet jener Mann, der Jahre zuvor das Land mit seinem Währungsspekulationen in genau jenes Debakel gestürzt hat, unter dem es heute leidet. Die immer noch wohlständige Klasse der Land- und Gebäudebesitzer spekuliert mit seinem Sieg. Menem würde die Rückgabe aller bislang besetzen Fabriken an die einstigen Eigentümer uneingeschränkt unterstützten. Und damit könnte auch der Erfolg der "Forja"-Besetzung schnell dahin sein ...
Nur bewaffnet mit Steinschleudern und einen unbändigen Glauben an Basisdemokratie ausgestattet bieten die "Forja"-Arbeiter den Lügen ihrer einstigen Bosse, den Bankern und überhaupt dem gesamten System, welches in ihrer Fabrik nicht mehr als Altmetall für den Schrott sieht, mutig die Stirn. Ungeachtet der rechtlichen Unsicherheit besorgen sie Schritt für Schritt sie Aufträge, Materialien, installieren Arbeits- und Organisations-Abläufe. Verwandeln den an sich destruktiv-enteignenden Akt der Besetzung eine konstruktive, sinn stiftende Übernahme, wenn angerostete, eingestaubte Maschinen wieder in ertrag bringende und damit für ihre Bediener Existenz rettende Anlagen verwandelt werden.

Copyright/Quelle: Kinostar

Credits

Original Film-Titel: The Take

Land: Kanada / Argentinien 2004

Laufzeit in Minuten ca.: 87

Kinostart: 28.09.2006

Regie: Avi Lewis, Naomi Klein

Drehbuch:

Schauspieler (Besetzung):

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