Kinofilm

Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich - Kritik

Meet The Fockers

Nachdem Gaylord Focker (Ben Stiller) in "Meine Braut, ihr Vater und ich" als Schwiegersohn akzeptiert wurde, sollen die Eltern einander kennen lernen. Das kann eigentlich nicht gut gehen, denn die lockere Lebensweise von Gaylords Eltern (Barbra Streisand und Dustin Hoffman) steht im krassen Gegensatz zur Weltanschauung der Byrnes (Robert De Niro und Blythe Danner). So sehr der Schwiegersohn in spe sich auch bemüht, die Kluft zu überbrücken, eine Katastrophe jagt die nächste. Eine Hochzeit zwischen den Clans scheint ausgeschlossen.

Filmkritik

Der englische Titel "Meet the Fockers" spricht Bände. Diese hoch turbulente Screwball-Comedy lebt von Wortspielen und Tempo. Wie die vielen Wortspiele vom Englischen ins Deutsche übertragen werden sollen, ist mir schleierhaft. So wird etwa Gaylord von seinen Eltern Gay Focker gerufen (was ausgesprochen Gayf***er ergibt). Auch das ist exemplarisch, denn der Humor ist einfach nur harmlos bescheuert ohne großen Schliff, Hintersinn oder Biss. Die einfach strukturierte Geschichte von "Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich" setzt auf Gegensätzlichkeit: Der spießige Robert De Niro und seine Frau (Blythe Danner) treffen die Schwiegereltern ihrer Tochter, das Hippie-Ehepaar Focker. Sexuelle Befreiung und Flowerpower hier, Kontrollfreaks dort. Da auch das Wohnhaus der Fockers mit freizügigen Darstellungen und Skulpturen geschmückt ist, wohnen die Byrnes in ihrem abhörsicheren Wohnmobil (um es nicht einen Panzer für Privatleute zu nennen). Selbst die Haustiere folgen dem Sprichwort: Wie der Herr so's Gescherr. Hier ein zutraulicher Hund, dort ein hinterhältiger Kater, der den Rivalen im Klo runterspült.
Damit alle Szenen in einer Katastrophe enden, wird jeder, aber auch wirklich jeder Witz genutzt. Könnte jemand mit dem Stuhl umfallen, dann kippt jemand mit dem Stuhl um. Scheint das Essen die Familien zu versöhnen, dann holen die Fockers das Fotoalbum raus, in dem sie statt einer Locke Gaylords abgeschnittene Vorhaut aufbewahren - die im Fonduetopf landet. Dazu serviert man ungezählte Sexwitze. Das ehemalige Kindermädchen ist eine Sexbombe und hat den unschuldigen Gaylord verführt. Die Hippie-Eltern bringen nachts mit ihren Liebesspielen das Haus zum Wanken, während bei den Byrnes Enthaltsamkeit herrscht. Das Konzept der Anspruchslosigkeit traf in den USA den Nerv der Zuschauer und ließ die Kinokassen klingeln. Trotzdem hat es seine Tücken, denn in den wenigen Momenten, in denen der Film keine Gags bietet, bricht sein Tempo ein.
Bei den Schauspielern fiel auf, Ben Stiller agiert ungewohnt zurückhaltend. Dafür dreht Dustin Hoffman umso mehr auf. In seiner Distanzlosigkeit, die schon fast auf die Nerven fällt, verpasst er Robert De Niro wiederholt Knutscher, was der mit sauren Mundwinkeln quittiert. Die Rolle des Spießers verkörpert er mit gewohnter Glaubwürdigkeit. Barbra Streisand gibt gut gelaunt die Sex-Therapeutin, die für Senioren Gruppenunterricht erteilt (in heißen Stellungen etc.). Die restlichen Rollen tun ihre Pflicht. Blythe Danner macht einen sympathischen Eindruck als geplagte, und ebenso nachsichtige Ehefrau, die unter anderem seit Jahren darauf wartet, dass ihr Mann mal wieder die ehelichen Pflichten an ihr vollzieht. Teri Polo als Martha darf den einen oder anderen Witz besteuern, wie, dass sie den Namen ihres Zukünftigen anzunehmen gedenkt (und dann Martha Focker heißt). Ansonsten bleibt ihre Darstellung so farblos, sie könnte vor einer gleichfarbigen Wand unsichtbar werden. Wie gesagt, der Humor ist massenkompatibel. Im Kinosaal waren zwei Reaktionen zu beobachten: Entweder der Film berührt gar nicht, oder schallendes Gelächter. Mir persönlich sagte er nichts. Aber das muss nichts heißen.
Filmkritik: Thomas Maiwald

Credits

Original Film-Titel: "Meet The Fockers"

USA 2004

Laufzeit ca.: 115 Minuten

Kino-Start: 17.02.2005

DVD-Start: 04.08.2005

Regie: Jay Roach

Drehbuch: John Logan

Schauspieler (Besetzung): Robert De Niro (Jack Byrnes), Ben Stiller (Gaylord Focker), Dustin Hoffman (Bernie Focker), Barbra Streisand (Roz Focker), Blythe Danner (Dina Byrnes), Teri Polo (Martha Byrnes), Owen Wilson (Kevin Rawley)

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