Kinofilm

Hotel

Der Kinofilm "Hotel", die zweite Regiearbeit der österreichischen Regisseurin Jessica Hausner aus Wien, wurde auf der Diagonale 2005 als "Bester Film" ausgezeichnet.

Irene (spröder Charme: Franziska Weisz), jung, blond, und ziemlich introvertiert, tritt ihre erste Stelle nach der Ausbildung zur Hotelfachfrau an. Im abgelegenen Hotel Waldhaus steht sie ab sofort an der Rezeption, ist aber auch bei der Planung von Tagungen und größeren Veranstaltungen dabei. Das Hotel ist etwas unheimlich: Endlose Gänge, dunkle Ecken, versteckte Treppen, Lampen, die mal leuchten und mal nicht. Dazu in einem abgelegenen Winkel ein Schwimmbad, das fast nie von den Gästen benutzt wird. Irenes Zimmer ist eng und muffig, ihre Kolleginnen und Kollegen sind von einer unbestimmten Feindseligkeit, und rund um das Hotel ruht still und stumm der dichte Wald. Doch Irene, die Brillenträgerin, ist guter Dinge und freut sich auf ihre Arbeit. Sie versucht sich mit ihrer Kollegin Petra (bäuerlicher Charme: Birgit Minichmayr) anzufreunden, die sich aber nur unwillig mit ihr beschäftigt.

Gemeinsam besuchen sie eine Diskothek, in der Irene einen jungen Mann kennenlernt. Als sie ihn mit auf ihr Zimmer nimmt - was streng verboten ist - wird sie natürlich erwischt und erhält einen Verweis. Künftig sitzt sie nur noch mit ihm im Auto. Irene ist eine begeisterte und sehr gute Schwimmerin. Als sie darum bittet, abends das Schwimmbad benutzen zu dürfen, wird das von ihrer Chefin (eisiger Charme: Marlene Streeruwitz) zunächst abgelehnt. Aber als sie hartnäckig bleibt, bekommt sie dann doch den Schlüssel für das Schwimmbad ausgehändigt. Fortan krault Irene regelmäßig in dem menschenleeren Schwimmbecken ihre Bahnen, allein in der düsteren Umgebung. Irene weiß, dass ihre Vorgängerin ziemlich sang- und klanglos verschwunden ist. Als sie aber die Kollegen danach fragt, will keiner so recht mit der Sprache heraus. Widerwillig behaupten sie schließlich, dass das Mädchen wohl einen Typen kennengelernt hätte, mit dem sie einfach abgehauen ist. Irene kann das nur schwer glauben, denn sie hat in ihrem Zimmer durch Zufall die Brille ihrer Vorgängerin gefunden. Und wer geht schon ohne seine Brille weg? Petra nimmt Irene ab und zu in den Wald mit und erzählt ihr schlimme Geschichten über böse Geister und schreckliche Ereignisse, die hier angeblich stattgefunden haben. Inzwischen darf Irene den Nachtdienst an der Rezeption schon allein machen. Ab und zu geht sie durch die Hintertür hinaus, um eine Zigarette zu rauchen und in den stillen, stockfinsteren Wald zu starren, der eine seltsame Anziehungskraft auf sie ausübt. Eines Tages will sie mit Petra ihren Dienst tauschen, doch die will nur einwilligen, wenn Irene ihr ihre Kette für den nächsten Discobesuch leiht. Doch für Irene ist ihre Kette etwas ganz Besonderes und sie lehnt ab. Als sie kurz darauf wieder schwimmen geht, findet sie die Türe zur Schwimmhalle abgeschlossen vor, und ihre Halskette, die sie vor dem Schwimmen immer abnimmt, ist verschwunden. Sie erstattet Anzeige bei ihrer Chefin, die daraufhin die ganze Mannschaft zusammentrommelt und fordert, dass derjenige, welcher die Kette an sich genommen hat, die Kette anonym wieder zurückgeben soll. Falls die Kette überhaupt gestohlen und nicht einfach nur verloren oder verlegt wurde. Dass sie eingesperrt wurde, interessiert niemand. Der nächste seltsame Vorfall ereignet sich bei ihrer Nachtschicht. Wieder geht sie - wie immer - hinaus um eine Zigarette zu rauchen. Als sie fertig ist und sich umdreht, ist die Haustür zu. Sie will sie aufstoßen - doch die Türe ist abgesperrt. Dabei ist niemand von ihren Kollegen noch da. Von da an häufen sich die merkwürdigen Ereignisse, und Irene findet schreckenerregende Sachen in ihrem Zimmer.

Kritik: Der Kinofilm "Hotel" ist die zweite Regiearbeit der österreichischen Regisseurin Jessica Hausner. Sie studierte Regie an der Filmakademie in Wien, wo sie 1996 ihren ersten Kurzfilm namens "Flora" verwirklichte, für den sie bei den Filmfestspielen in Locarno einen Preis bekam. Auch ihr Diplomfilm "Interview" wurde ausgezeichnet, ebenso wie ihr erster Spielfilm "Lovely Rita" 2001. Über den Kinofilm "Hotel" sagt Jessica Hausner: "Ich wollte ein Gefühl von Spannung erzeugen, die sich aus dem Stil und dem Schnitt aufbaut, aber nicht von einer konkreten Bedrohung ausgeht und auch nicht durch simples Decodieren der Motivationen der Charaktere gelöst werden kann". Diese Vorgabe ist Jessica Hausner voll gelungen. Je mehr mysteriöse Dinge Irene passieren, desto mehr Spannung baut sich auf, die aber keinen konkreten Auslöser hat. Die einzelnen Charaktere verhalten sich teilweise ziemlich unverständlich, ohne dass man im Laufe des Films je dahinter kommt, warum sie was tun. Warum ärgert der Koch Irene, in dem er ständig die Musik in seinem Zimmer so laut aufdreht, dass sie nicht schlafen kann und jedes Mal im Nachthemd bei ihm aufkreuzt und sich beschwert? Warum fängt Irene plötzlich an, die Brille ihrer Vorgängerin zu tragen? Warum riecht es in ihrem Zimmer so komisch? Warum verhält sich das Personal des Hotels, inklusive der Chefs, so irrational?
Fragen über Fragen und keine Antworten. Leider. Ein paar sind schon notwendig, sonst läuft die Spannung ins Leere und mündet in Langeweile. In der Ankündigung des Verleihs steht: "Mit stilistischer Meisterschaft gelang Jessica Hausner eine eigene, extrem spannungsreiche Form des Mystery-Films zwischen Hitchcocks Suspense-Thrillern und Stanley Kubricks "Shining"".Das ist - mit Verlaub gesagt - ganz eindeutig zu hoch gegriffen. Der Kinofilm "Hotel" mutet mich eher wie "Blair Wicht Projekt" für Arme an. Hitchcock hat seine Art des Filmemachens einmal sehr gut und schlüssig in etwa so beschrieben: "Ein Mann sitzt in einem Café. Unter seinem Stuhl ist eine Bombe, die losgeht. Wenn das Publikum nicht weiß, dass sich unter seinem Stuhl eine Bombe befindet, erschrickt es im Augenblick der Explosion und das war es. Wenn es allerdings weiß, dass diese Bombe unter dem Stuhl ist, und dass sie gleich unter dem ahnungslosen Mann hochgehen wird, dann steigt die Spannung ernorm an." Bei dem Kinofilm "Hotel" vermutet das Publikum eine Bombe, aber es geht keine hoch. Ein hoher Ansatz, der sich leider in der Ausführung nicht erfüllt.

Fazit: Schade, die Idee ist gut. Und die Schauspieler sind durch die Bank sehenswert, aber das reicht halt nicht, wenn man aus dem Film geht und fragt: "Und???"

Credits

Original Film-Titel: "

Land: Österreich / Deutschland 2004

Laufzeit in Minuten ca.: 83

Kinostart: 22.06.2006

DVD-Start: 01.12.2006

Regie: Jessica Hausner

Drehbuch: Jessica Hausner

Schauspieler (Besetzung): Franziska Weisz, Birgit Minichmayr, Marlene Streeruwitz, Rosa Waissnix, Christopher Schärf, Peter Strauß, Regina Fritsch, Alfred Worel

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