Kinofilm

Lieber Frankie - Kritik

Dear Frankie

Der berührende Film lebt von seiner Geschichte und den brillanten Darstellern. Um ihren Sohn zu schützen, lebt Frankies Mutter seit Jahren eine Lüge. Doch dann zwingen sie äußere Umstände entweder die Wahrheit zu sagen, oder ein weiteres Mal zu schwindeln. Mit unabsehbaren Folgen ...

In einer Zeit, in der Faxe, E-Mails und Handys als Inbegriff der Kommunikation gelten, scheint es anachronistisch, wenn eine Mutter ihrem Sohn Briefe schreibt und dabei mit "Lieber Frankie" beginnt. Das zudem nicht in eigenem Namen, sondern im Namen des Vaters. Der durchkreuzt angeblich die Weltmeere auf der HMS Accra, was der Junge stolz auf einer Weltkarte mitverfolgt. Er selbst ist ständig mit Mutter und Großmutter auf der Flucht, ohne den wahren Grund für die häufigen Umzüge zu wissen, aber der Junge ist geübt darin, sich mit Lebensumständen zu arrangieren. Vor kurzer Zeit hat sich die Familie in einer kleinen Hafenstadt niedergelassen. Hier findet seine Mutter einen Job und der Junge einen Freund, den Frankies Taubheit nicht stört.
Sein großer Traum ist es, endlich den Vater kennen zu lernen. Ein Schiff mit diesem Namen wird es nicht geben, hofft wiederum Frankies Mutter Lizzie (Emily Mortimer) - doch eines Tages legt ausgerechnet die HMS Accra im Hafen an. Jetzt steht sie vor einer schweren Entscheidung. Entweder die Wahrheit zu sagen, oder nach einem Mann zu suchen, der bereit ist, für einen Tag Frankies Vater zu verkörpern - und danach wieder aus ihrem Leben verschwindet. Das Schicksal will es jedoch anders. Der wortkarge Fremde (Gerald Butler) nicht nur ein lieber Kerl, erobert Frankies Herz, sondern empfindet mehr für seine Auftraggeberin als vorgesehen. Das wiederum stürzt Lizzie in Verwirrung, da sie mit Frankies Vater schlechte Erfahrungen machte. Der jähzornige Mann schlug seinen Sohn mit drei Jahren taub und hat sich bis heute nicht gebessert. Nun weckt der Fremde vergessen geglaubte Hoffnungen in ihr ...

Filmkritik

Wieder einmal ist es ein kleiner, unaufgeregter Film, der begeistert. Auf Spezialeffekte und großes Brimborium wird lieber zugunsten des Zwischenmenschlichen verzichtet. Der Kern der ruhigen Erzählung ist so karg, wie die Gegend in der er spielt; lebt von seinen brillanten Darstellern und den vielen Augenblicken, in denen nicht gesprochen wird, sondern Blicke und Gesten aussagen. (Der schottische Akzent der Originalfassung ist nebenbei gesagt wirklich gewöhnungsbedürftig.) Im Mittelpunkt stehen klar die drei Menschen und ihre Beziehungen untereinander. Dabei bleibt stets Raum für eigene Interpretationen. Beispielsweise erfahren Sie nicht genau, ob der Sohn die Scharade seiner Mutter nicht längst durchschaute, denn er begreift sehr schnell. Auch das Ende ist offen. Der Realist hält es für unwahrscheinlich, dass der Fremde zurückkehrt, während der Romantiker keinen Zweifel hegt.
Ein weiterer Pluspunkt liegt darin, dass die emotionale Geschichte ohne Kitsch überzeugt und es stets vermeidet nach Mitleid zu heischen. Im Gegenteil. In einer gelungenen Szene sie Frankies Behinderung für köstlichen Humor: Der versehentlich geschimpfte Junge wird von einer aufgebrachten Bibliothekarin gehätschelt, indem er sich so viele Bücher ausleihen darf, wie er möchte. "Lieber Frankie" ist ein berührender Film der ebenso von der Kunst des Erzählens lebt wie von seinen Darstellern.
Filmkritik: Thomas Maiwald

Credits

Original Film-Titel: "Dear Frankie"

Land: Großbritannien 2004

Laufzeit ca.: 105 Minuten

Kino-Start: 21.04.2005

Regie: Shona Auerbach

Drehbuch: Andrea Gibb

Schauspieler (Besetzung): Emily Mortimer (Lizzie), Gerald Butler (der Fremde), Jack McElhone (Frankie), Sharon Small (Marie), Mary Riggans (Nell)

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