Kinofilm

Der Kaufmann von Venedig

The Merchant of Venice

Der venezianische Edelmann Bassanio (Joseph Fiennes) bittet seinen Freund den Kaufmann Antonio (Jeremy Irons) um Kredit, damit er um die Hand der schönen Portia anhalten kann. Antonio leiht die Summe beim jüdischen Geldverleiher Shylock (Al Pacino). Der setzt einen seltsamen Pfandschein auf: Kann Antonio die Schuld nicht begleichen, darf er aus dem Leib des Schuldners ein Pfund Fleisch schneiden.

Während Bassanio seine Portia zur Frau gewinnen kann (er löst ein vertracktes Rätsel, an dem bis dato alle Freier scheiterten), erhält Antonio die Kunde, dass alle seine Schiffe untergingen. Nun fordert Shylock, dessen Tochter ihn verließ und einen beträchtlichen Teil des Vermögens stahl, vor Gericht sein Recht. Nur durch das Eingreifen der verkleideten Portia, die sich als Rechtsgelehrter ausgibt, kommt es nicht zum Blutvergießen, denn die listige Frau deutet den Pfandschein wortwörtlich. Shylock darf sich ein Pfund Fleisch schneiden, aber dabei kein Blut vergießen! So wechselt der Prozess, bis Shylock am Ende sein Vermögen verliert und geläutert aus dem Ganzen hervorgeht. Kurz darauf erhalten die frisch gebackenen Ehemänner eine Lektion hinsichtlich dem Halten von Versprechen.

Kritik: Das Stück um den "Kaufmann von Venedig" hat den Haken, dass es leicht antisemitisch gedeutet und inszeniert werden kann. Michael Radford (Drehbuch / Regie) gelang es, diese Klippe zu umschiffen. Eindeutig steht nicht das Judentum zur Anklage, sondern Habsucht und Verblendung. Das ist ihm gut gelungen, im Gegensatz zur Inszenierung. Die Vielschichtigkeit der Hintergrundgeschichte sollte ein Traum für jeden Regisseur darstellen, denn Shakespeare vereint darin Komödie mit Tragödie, Liebe und Hass, behandelt menschliche Emotionen wie Neid und Eifersucht. Dieser Bandbreite wird die Verfilmung leider nur ansatzweise gerecht. Die Doppeldeutigkeiten der Hauptfiguren sind im Kino-Film "Kaufmann von Venedig" zu wenig ausgearbeitet. Al Pacino gibt den verhärmten, verbitterten Shylock recht gut. Jeremy Irons bleibt als Antonio jedoch zu blass. Er lässt sich anfangs dazu hinreißen, auf den Juden zu spucken, doch insgesamt fehlt der Figur die Hintergründigkeit - was nicht nur in der Filmkritik stört. Seine Beziehung zu Bassanio etwa kann homosexueller Natur sein. Der Film "Der Kaufmann von Venedig" zieht es vor, hierauf keine Antwort zu geben. An anderen Stellen fehlt der Komödie der Schwung, den das Stück grundsätzlich bietet, und es kommt bei einer Lauflänge von 138 Minuten wiederholt zu Längen.
Die Bildregie wirkt befremdlich: Aus dem kalt wässrigen Venedig, dem Portias paradiesisches Belmont gegenübersteht, wurde eine sehr dunkle, muffige Lagunenstadt, die salopp gesagt, auf den Hund gekommen ist. In der dunklen Inszenierung treten die schönen Kostüme in den Hintergrund. Das ist bedauerlich, denn der Film "Der Kaufmann von Venedig "setzt auf eine klassische Ausgestaltung und erreicht durchaus den Status des gehobenen Kostümkinos. Wiederum ein Pluspunkt ist das schöne Shakespeare-Englisch, das die Darsteller sehr natürlich sprechen.
Thomas Maiwald

Credits

Original Film-Titel: "The Merchant of Venice"

Land: USA 2004

Laufzeit ca.: 138 Minuten

Kino-Start: 21.04.2005

Regie: Michael Radford

Drehbuch: Michael Radford

Schauspieler (Besetzung): Al Pacino (Shylock), Jeremy Irons (Antonio), Joseph Fiennes (Bassanio), Lynn Collins (Portia), Zuleikha Robinson (Jessica), Kris Marshall (Jessica), Charlie Cox (Gratiano), Heather Goldenhersh (Nerissa), Mackenzie Crook (Lancelot Gobbo), John Sessions (Salerio), Gregor Fisher (Solanio), Anton Rodgers (Herzog)

 DVD bestellen bei Amazon.de



Anzeige
Einkaufen bei Amazon.de

Copyright Texte, Bilder, Clipart: 2001 - 2015 Filmhai.de oder Lizenzgeber, falls angegeben
Impressum Datenschutz