Kinofilm

Bergkristall

Das Kino der großen Gefühle läutet Hektik ein. In der Jetztzeit fährt eine Familie (Katja Riemann und Herbert Knaup als Eltern) in den Winterurlaub. Kaum sind sie im Dorf Gschaid angekommen, geht eine Lawine nieder. Der nachfolgende Stromausfall lässt es so richtig gemütlich werden. Im Pfarrhaus ist es warm und sicher. Bei Kerzenschein und einem guten Tropfen erzählt Onkel Ernst die Geschichte vom "Bergkristall".

Die Dörfer Gschaid und Millsdorf verbindet eine tiefe Erbfeindschaft. Das bekommt der Schuster Sebastian deutlich zu spüren, als er um die Hand der Färberstochter Susanne (Dana Vavrova) aus dem reichen Millsdorf anhält. Der Brautvater zweifelt, dass der Sebastian überhaupt eine Familie ernähren kann; die Gschaider wiederum wollen keine Fremde im Dorf. Den Verstoß gegen das ungeschriebene Gesetz, zahlen die Eheleute: 13 Jahre dauert die Ablehnung. Selbst die Kinder Konrad (Francois Göske) und Sanna (Josefina Vilsmaier) bekommen den Hass in der Schule zu spüren. Die Dorfbewohner bringen ihre Schuhe nicht mehr zur Reparatur. Schweren Herzens kehrt Susanne zu ihren Eltern zurück, damit endlich wieder Ruhe einkehrt. Die Kinder aber bleiben bei ihrem Vater.
Insofern es die Witterung zulässt, überqueren sie an Wochenenden die Berge und besuchen ihre Mutter im Nachbardorf. So auch an Weihnachten. Doch auf dem Rückweg schlägt der Föhn wieder in Winter um, die Kinder verirren sich im dichten Schneegestöber. Ihre verzweifelte Wegsuche lässt sie in eine Höhle einbrechen, wo sie einen besonders schönen, großen "Bergkristall" finden. Der Sage nach, soll er die Kraft haben, Liebende wieder zu vereinen. Doch Sanna ist sicher, der Berg will dafür als Gegenleistung ihre Leben.
In Millsdorf werden Großmutter und Mutter von einer unerklärlichen Unruhe überfallen; während in Gschaid der Vater auf die Kinder wartet. Endlich schickt er einen Boten, der in Millsdorf nur berichten kann, dass die Kinder verschollen sind. Jetzt brechen aus beiden Dörfern die Menschen auf, die Kinder zu retten. Ihre gemeinsame Rettungsaktion bricht endlich die Sturheit ... aus Dankbarkeit wird gemeinsam gebetet.

Kritik: Herbst und Winter sind die Jahreszeit der Ruhe und inneren Einkehr. Je kälter es draußen wird, desto größer ist das Bedürfnis nach Wärme und Geborgenheit. Eine ideale Zeit für Kerzenschein, Kaminfeuer und das Erzählen von Geschichten. Diese Tradition greift Joseph Vilsmaier mit seinem Film "Bergkristall" auf. Eine erdige Inszenierung, die auf moderne Technik wie Handy und Computer verzichtet, dafür ganz den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Das ist angesichts der Tatsache, dass heute fast kein aktueller Film mehr auf Hauptrollen verzichten kann, die irgendwann im Internet recherchieren, sehr angenehm. Für die Kulisse bewies der Regisseur einen guten Blick. Verschneite Berge und dämmrige Hütten verbreiten alpenländischen Charme. Das behandelte Thema ist zeitlos: Fremdenhass und Verbohrtheit.
Seine Darsteller versuchte er zu großen Gefühlen zu bewegen, was sich als unglückliches Unterfangen herausstellt. Die Männer agieren im Film "Bergkristall" durchweg ungelenk, wirken hinter ihren Vollbärten zu jung für die Rollen; während Dana Vavrovas Theatralik Lacher provozierte und die Schauspielerin zu alt für die Rolle scheint. Tochter Josefina gibt das weinerliche Nesthäkchen - eine weitere Fehlentscheidung, denn das Mädchen strahlt für eine Hauptrolle zu wenig aus. Am besten gefiel das Spiel von Francois Göske als Konrad. Es bleibt Spekulation zu vermuten, dass Herr Vilsmaier die Schauspieler aus den Augen verlor, weil er neben der Regie auch die erste Kamera führte. Er wäre nicht der erste, dem zwei Jobs bei einer Produktion über den Kopf wuchsen.
Natürlich muss ein Weihnachts-Film nicht zwangsläufig in Kitsch und Wundern gipfeln. Dass dem unrunden Werk aber auch die Warmherzigkeit fehlt, ist arg bedauerlich. Die Handlung, angelehnt an eine Novelle von Adalbert Stifter, trägt den Film "Bergkristall" nur bedingt. Eher wirkt sie wie eine Nebenhandlung auf Film-Länge gedehnt. Der Plot erschöpft sich darin, dass die Frau des Schusters im Dorf gehasst wird, weil sie aus dem reicheren Nachbarort stammt. Erst die gemeinsame Rettungsaktion integriert sie in die Dorfgemeinschaft. Um überhaupt Kinolänge zu erreichen, leitet eine neuzeitliche Familie, die Erzählung ein und später wieder aus. Dabei werden Katja Riemann und Herbert Knaup auf Minutenauftritte reduziert.  "Bergkristall" bietet insgesamt wenig Grund ins Kino zu gehen.
Thomas Maiwald

Credits

Original Film-Titel: "

Deutschland 2004

Laufzeit ca. 92 Min.

Kino-Start: 18.11.2004

DVD-Start: 02.11.2005

Regie: Joseph Vilsmaier

Drehbuch: Klaus Richter

Schauspieler (Besetzung): Dana Vavrova (Susanne), Daniel Morgenroth (Sebastian), Josefina Vilsmaier (Sanna), Francois Göske (Konrad), Max Tidorf (Pfarrer), Christian Nickel (Andreas), Jürgen Schornagel (Färber), Thomas Wlaschiha (Schafhirt), Andreas Nickl (Holzknecht), Michael Schönborn (Lehrer), Katja Riemann (Karin), Herbert Knaup (Paul), Paula Riemann (Lisa), Frederick Lau (Marc), Reinhard Forcher (Leitnerbauer), Ulrike Beimpold (Leitnerbäuerin), Teresa Vilsmaier (Maria) Doris Plörrer (Färberin), Carmen Gratl (Andreas' Frau)

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