London 1938: Miss Lambert (Annette Bening) ist unangefochtener Star des Boulevardtheaters. Mit ihren Auftritten feiert die Diva regelmäßige Triumphe - was jedoch bei näherer Betrachtung Fassade ist, denn innerlich fühlt sie sich leer und ausgebrannt. Ihre Ehe etwa ist zu einem geschäftlichen Arrangement abgekühlt. Immer wieder plagt sie das schlechte Gewissen in Gestalt des alten Mentors.
Als der junge Amerikaner Tom Fennel auftaucht, angeblich um bei ihrem Mann (Jeremy Irons) zu lernen, kommt der Grand Dame die Gelegenheit gerade recht. Die reife Frau und der junge Mann werden ein Paar. Doch bereits nach kurzer Zeit, beginnt der Gigolo in anderen Gefilden zu fischen. Mehr noch: Er bittet sie darum, seiner neuen Geliebten eine Rolle im nächsten Stück anzubieten. Diese Gelegenheit nutzt die Rivalin in "Being Julia" für einen handfesten Racheakt.
Kritik: Istvan Szabo inszenierte mit "Being Julia" einen etwas widersprüchlichen Theater-Film. So spielt er die meiste Zeit nicht am Theater, sondern beleuchtet das Privatleben einer Schauspielerin, die keine private Persönlichkeit hat. Annette Bening verkörpert diese Frau mit Bravour. Allerdings lernen Sie die Protagonistin nie wirklich kennen, denn alles geschieht als Rolle. Solche Realitätsverluste sind bei Schauspielern sicherlich denkbar, aber bei einem Kino-Film abträglich. Gelungen ist das Zusammenspiel zwischen der Hauptdarstellerin und Juliet Stevenson, die die rechte Hand spielt. Wie Katz und Hund liegen sich die Frauen ständig in den Haaren, sind ohneeinander jedoch unglücklich. Kritik gibt es auch für die durchwachsene Inszenierung. Sie versucht der Vorstellung vom Künstlerleben gerecht zu werden, wirkt dabei doch etwas naiv und rutscht wiederholt vom leichtfüßig Beschwingten ins Triviale. Die Spitzen treffen nur bedingt. Wiederum lobenswert ist der durchgängig schöne Stil des Films. Insgesamt ist das Werk ein etwas enttäuschender Kino-Film, der dem Zuschauer zu sehr entgegen kommt, dafür allerdings eine zu selten besetzte Annette Bening ("Open Range", "American Beauty") ins rechte Licht rückt.
Thomas Maiwald