Kinofilm

Batman Begins

Zu Anfang sitzt der spätere Superheld (Christian Bale) im Gefängnis. Dort macht er die Bekanntschaft mit Henri Ducard (Liam Neeson). Der sorgt für die Freilassung und erlegt dem Gefangenen eine Prüfung auf. Er muss eine bestimmte Blume finden und einen hohen Berg im Himalaja bezwingen ("this is where it begins"). Dort, hoch oben im Kloster, residiert die League of Shadows. Die Wanderung ist rasch erledigt, das Blümchen gepflückt.

Als Begrüßungsgeschenk wird der Novize vom Meister zusammengeschlagen, danach beginnt die Ausbildung zum Schwertkämpfer - um nicht Ninja zu sagen. Die Abschlussprüfung vermurkst der Adept absichtlich. Infolgedessen muss er kämpfen und das Kloster explodiert (es scheint dort eine Gasetagenheizung zu geben). Da der Held im Film ein Held und kein Mörder ist, rettet er seinem Mentor das Leben und zieht erst dann von dannen. Eingeschnitten in diese Eröffnung von "Batman Begins" erleben Sie Bruce Wayne als Kind und erfahren, weshalb ihn welche Schuldgefühle plagen. Und woher sein Rachedurst stammt.
In seiner Heimatstadt Gotham City findet er zwei Verbündete. Den treuen Diener Alfred (Michael Caine) und Lucius Fox (Morgan Freeman) der dieselbe Rolle spielt wie Q bei James Bond. Was nun folgt, ist ein klassisches Drama. Der Held muss den eigenen Rachedurst besiegen, damit er ehrlich für Recht und Ordnung kämpfen kann. Außerdem steht eine Konfrontation zwischen Meister und abtrünnigem Schüler an. Dazu addiert der Film "Batman Begins" das Übliche: Der Protagonist spürt die fadenziehenden Schurken auf, verbündet sich mit einem guten Cop und beginnt das organisierte Verbrechen zu bekämpfen. Nebenbei hält er zur Tarnung das Bild des Lebemannes aufrecht und sehnt sich in seinem Herzen doch nur nach der Liebe seiner Jugendfreundin Rachel Dawes (Katie Holmes), die mittlerweile als Assistentin des Staatsanwaltes arbeitet.

Kritik: Eine der schlechteren Ideen in Hollywood lautet: Erzählen wir doch mal, was bisher geschah. So werden Heldenmythen zum Aufklärungs-Film - aktuell hat es den Fledermaus-Mann erwischt. Die Idee, das Seelenleben des Helden zu schildern erinnert spontan an "The Punisher". Allerdings setzt "Batman Begins" noch stärker auf klassische Elemente. Das beginnt mit der Ausbildung in Asien, die dahingeht ohne Fahrt aufzunehmen. Fährt mit dem Kampf gegen die eigenen Dämonen fort und endet im Fight Meister gegen Schüler. Dieses Drehbuch wirft zwei Probleme auf: Das Drama ist sehr ruhig inszeniert. So dauert die Ausbildung im Film "Batman Begins" nebst Einführung der Figuren länger als eine Stunde. Von Action kann während dieser Zeit kaum die Rede sein. Dann folgt der Mittelteil, in dem die Actionszenen hinter der Schilderung der Seelenkämpfe zurücktreten. Den Abschluss bildet eine angedeutete, überflüssige Lovestory. Die Laufzeit von 140 Minuten ist nicht gerechtfertigt, denn die ersten 60 vergehen nur zäh.
Wenn dann endlich Action folgt, überzeugt sie leider auch nicht. Erstens sind die Einstellungen im Film "Batman Begins" derartig rasant geschnitten, dass man kaum noch wahrnimmt, wer gerade wen vermöbelt. Weiterhin sind die Actionhäppchen in der Regel nach einer Minute abgefrühstückt. Selbst die Schwertkämpfe in Asien fallen dieser Zerstückelung zum Opfer. Das macht den Eindruck, als seien die Choreografien misslungen und der Schnitt verleiht ihnen im Nachhinein etwas Dampf. Vielleicht ging auch die Angst vor der FSK um. Oder man wollte zeigen, dass der Fledermausmann wirklich der nahezu Unsichtbare ist.
Problem Nummer zwei lautet: Thema verfehlt. Der Film-Titel lockt Actionfans ins Kino - denen dann ein Drama gezeigt wird. Während Fans von Dramen und Programmkino wohl kaum in diese Vorstellung gehen werden. Da rettet es wenig, dass die Darsteller ihre Rollen in "Batman Begins" interessant ausgestaltet haben. Christian Bale (der Hungerkünstler aus dem "Maschinisten") macht in den Szenen als Sunnyboy einen stärkeren Eindruck als im schwarzen Kostüm. Zudem kriegt er in der englischen Fassung eine komische Stimme nach Anlegen des Körperpanzers. An seiner Seite verkörpert Michael Caine den Butler Alfred gelungen mit gediegener Souveränität. Morgan Freeman glänzt in seiner Rolle als Mann im Hintergrund, der es faustdick hinter den Ohren hat (o.k. ist dasselbe wie in "Million Dollar Baby", aber das sieht der Kritiker trotzdem gerne).
Eigenwillig erscheinen die Bösen, die weniger durch Charisma beeindrucken sollen als vielmehr durch Hintergründigkeit. Tom Wilkinson mit seinem weichen Familienvater-Gesicht passt ebenso wenig in die Schurkenrolle wie Cillian Murphy in Anzug und Krawatte (der aussieht wie eine bebrillte Milchschnitte). Auch wenn die Darsteller einen Ruf genießen, ist doch kein Zugpferd dabei, dessen Name allein die Massen ins Kino zieht. Es ist schon eigenartig, was sich die Verantwortlichen bei Warner Bros. dachten. Regisseur Christopher Nolan ("Memento") bewies bislang seine Vorliebe fürs Arthouse-Kino. Ihm dann nicht nur die Regie von "Batman Begins" anzuvertrauen, sondern auch das Schreiben des Drehbuchs war entweder eine mutige oder eine verzweifelte Entscheidung. Ein ähnliches Experiment ging schief, als Ang Lee 2003 aus "Hulk" ein Vater-Sohn-Drama machte. Die Story als Drama mit realistischem Schwerpunkt zu inszenieren ist interessant, überzeugt den Kritiker jedoch nicht. Ob den Fans die Entzauberung des Mythos schmeckt, werden die Einspielergebnisse zeigen.
Thomas Maiwald

Credits

Original Film-Titel: "

Land: USA 2005

Laufzeit ca.: 134 Minuten

Kino-Start: 16.06.2005

Regie: Christopher Nolan

Drehbuch: David S. Goyer

Schauspieler (Besetzung): Christian Bale (Bruce Wayne / Batman), Michael Caine (Alfred), Liam Neeson (Henri Ducard), Morgan Freeman (Lucius Fox), Cillian Murphy (Dr. Jonathan Crane), Tom Wilkinson (Carmine Falcone), Katie Holmes (Rachel Dawes), Gary Oldman (Jim Gordon), Rutger Hauer (Richard Earle), Ken Watanabe (Ra's Al Ghul)

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