Kinofilm

Muxmäuschenstill

Jan Henrik Stahlberg, Drehbuchautor und Hauptdarsteller, missbraucht das Medium Film um endlich mal so richtig vom Leder ziehen. Als Mux säubert er die Straßen Berlins. Nach kurzer Zeit geht der Hasstirade die Ideen aus und der Film verkommt zur Selbstinszenierung.

Mux (Jan Henrik Stahlberg) widmet sein Leben der Wiederherstellung der Ordnung im Alltag und der damit einhergehenden Disziplinierung seiner Mitmenschen. Als selbst ernannter Sheriff deckt er Regelverstöße auf und ahndet diese an Ort und Stelle. Er geht soweit, von den Missetätern sogar eine Aufwandsentschädigung zu verlangen. Wer nicht spurt, wem der Blick auf Mux' Pistole nicht ausreicht, der bekommt Tränengas ins Gesicht gesprüht. Manch einer zahlt auch mit dem Leben. Wie etwa der junge Sprayer, dem Mux den Sprühlack in die Augen sprüht. Der erblindete Junge läuft in einen Nahverkehrszug, der um diese Zeit eigentlich gar nicht fahren dürfte. Folglich trägt die Schuld am Tod des Opfers der Nahverkehr! In seiner Selbsteinschätzung ist Mux das Abbild des edlen Ritters zu Pferde. Nach außen hin tritt er arrogant, selbstherrlich und faschistisch auf.
Zunächst dokumentiert der Streiter für Recht und Ordnung seine Arbeit eigenhändig per Videokamera. Dann stellt er Gerd ein. Einen Langzeitarbeitslosen, der ihn an seinen Hund erinnert. Vielleicht weil Gerd so treu und ergeben ist wie sein verstorbener Hund? Später wird Gerd sogar unter der Hundedecke nächtigen. Fortan trott er neben seinem Chef, wird stummer Zeuge, filmt die Erfolge des Duos. Fast entspinnt sich ein homoerotisches Verhältnis zwischen den Männern, doch Mux, der versucht sein gesamtes Leben per Kopf zu steuern, unterdrückt auch seine Libido. Trotzdem quält er gerne Frauen und ist erschrocken, dass es ihn antörnt, in der Umkleidekabine eine Ladendiebin zur Herausgabe des geklauten BHs zu zwingen. Noch mehr verwirrt ihn die Tatsache, dass sogar die Frau das erregend fand.
Was für ein Mensch ist dieser Mux? Der Film zeigt ihn nur eindimensional. Wie er Hundehalter mit der Nase in die Hinterlassenschaften ihrer Köter steckt. Rasern die Lenkräder abmontiert. Einem bekannten Fernsehmoderator würde er gerne in die rosige Rosette ... Fantasie. Die Praxis: Einem Pädophilen schiebt er die Videokassette in den Anus.

Kritik: 20 Minuten lang funktioniert das Konzept von "Muxmäuschenstill" gut. Dann wird es anstrengend, denn die Idee ist schnell ausgeschöpft. Mangels einer echten Entwicklung, spitzt man die Vorgänge zu. Mux wird immer selbstherrlicher. Der anfänglich sympathische Rächer mutiert zum selbstgefälligen Psychopathen. Er lässt die Welt an seinem ätzenden Hass teilhaben, verhöhnt die New Economy und erschießt aus Eifersucht seine Freundin.
Hauptdarsteller Jan Henrik Stahlberg schrieb sich das Drehbuch von "Muxmäuschenstill" auf den Leib. Es wirkt weniger wie ein Kunstprodukt, als vielmehr wie ein Missbrauch mit fließenden Übergängen zwischen der Privatperson Stahlberg und der Rolle des Mux. Ein Schauspieler kotzt seine persönlichen Aggressionen aus. Das findet er selbst so begeisternd, dass selbst sein Erbrochenes gefilmt wird. Wenn Mux in seiner Stammkneipe Karaoke zum Besten gibt, dann bereichert es den Film keineswegs, sondern Jan Henrik Stahlberg nutzt wieder eine Gelegenheit, sich selbst zu präsentieren. Im Ergebnis verliert der Kino-Film "Muxmäuschenstill" desto mehr an Wirkung je länger er dauert. Dem filmischen Selbstzweck fehlen Grundlage wie greifbare Aussage. Die Hasstiraden beispielsweise laufen wenig geschliffen ab. Wenige Themen werden stetig wiederholt. Jan Henrik Stahlberg begnügt sich mit dem Abdreschen hinlänglich bekannter Phrasen. Dazu wackelt das grobkörnige Bild wie ein Lämmerschwanz. Dieser Dogmastil ist für wenige Minuten authentisch - auf Dauer nur nervtötend.
Thomas Maiwald

Credits

Original Film-Titel: "

Deutschland 2003

Laufzeit ca. 90 Min.

Kino-Start: 15.07.2004

Regie: Marus Mittermeier

Drehbuch: Jan Henrik Stahlberg

Schauspieler (Besetzung): Jan Henrik Stahlberg (Mux), Fritz Roth (Gerd), Wanda Perdelwitz (Kira), Joachim Kretzer (Björn)

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