Kinofilm

The Commuter

Der Tag beginnt für Liam Neeson wie viele andere auch. Doch unversehens wird aus dem Einerlei ein Wettlauf um Leben und Tod bei dem es nicht nur das eigene Leben geht, sondern um die Existenz von vielen Menschen.

Für den Pendler Michael MacCauley sind Zugfahrten im Pendlerzug (Commuter) das tägliche Brot. Morgens hin und abends zurück. Im Sommer wie im Winter. Ein fester Kern an Reisenden kennt sich, ab und an taucht ein neues Gesicht auf. Wie an diesem Tag, der zunächst der beschissenste in Michaels Leben zu sein scheint. Während sein Sohn darauf brennt ein privates College zu besuchen, wird Michael (Liam Neeson) nach Jahren der harten Arbeit mit schönen Worten aus seiner Arbeit entlassen. Er ist zu teuer für die Leistung, die er erbringt. Dass er bei dem Bankenkrach vor einigen Jahren alles verloren hat und die Kündigung ihn ruinieren wird, interessiert niemanden. Noch ein Bier mit einem Freund und zurück geht es im Commuter nach Hause.

Plötzlich sitzt ihm gegenüber eine fremde Frau. Sie gibt an Joanna zu heißen und verwickelt ihn in ein Gespräch. Das endet mit einem seltsamen Angebot. Michael soll in dem Zug eine Person finden, die unter dem Decknamen Prynne reist, das Geschlecht ist nicht bekannt. Die Belohnung für den Gefallen beträgt 100.000 Dollar. Falls Michael nein sagt, wird seine Familie sterben. Widerstrebend tritt er den Job an.

Kritik

Für den Zuschauer ist es zunächst verwunderlich, weshalb ausgerechnet ein Versicherungsmakler ausgewählt wird. Erst später deckt der Film den Hintergrund auf. Michael MacCauley ist kein gewöhnlicher Pendler, sondern ein Ex-Cop. Und seine brachliegenden Instinkte erwachen alsbald aufs Neue. Diese Idee ist nicht neu und nicht ganz stimmig inszeniert. Liam Neeson macht in der Rolle des Helden wider Willen, der ausgestiegen war und nun zur Rückkehr gezwungen wird, nur bedingt eine gute Figur. Für einige der Actionszenen ist er - das darf ich jetzt sagen - zu alt. Im Film gibt er an 60 Jahre alt zu sein, sieht allerdings älter aus. Zudem transportiert er die innere Anspannung seiner Rolle nur teilweise.
Wobei es ihm das Drehbuch nicht einfach macht. Es lässt ihn in einigen Szenen auffällig ungeschickt auftreten. So agiert er bei seinen Ermittlungen nicht dezent, sondern trampelt durch den Zug und zieht die Aufmerksamkeit fast jeden Fahrgastes auf sich.
Seine Gegenspielerin agiert mit ihm nur über das Smartphone, was die Spannung unterläuft, denn ihre Stimme klingt nicht bedrohlich genug. Zudem erstaunt es, wie gut die Unbekannte, die sich nicht im Zug befindet, über den Verlauf der Dinge Bescheid weiß. Entweder gibt es im Zug versteckte Kameras, auf die der Film nicht hinweist oder die Erpresserin hat seherische Kräfte. Außerdem findet die Bedrohung von Michaels Familie nur verbal statt. Mir fehlt es die Familie in Not auch zu sehen. Der Fokus liegt klar auf Liam Neeson, der vieles transportieren muss und seine Rolle annehmbar spielt.

Die Logik überzeugt nur bedingt. Am Ende wird der Fall im Klartext aufgedröselt und macht einen etwas konstruierten Eindruck. Wenn ich richtig aufgepasst habe, hat Michael vier Stationen Zeit. Die Zeit zwischen den Stopps beträgt 4 Minuten. Also bleiben ihm nur 16 Minuten, die mir im Film wie Stunden vorkommen. Weiterhin frage ich mich, ob es auf amerikanischen Bahnstrecken keine Zwangsbremsung gibt, die einen Zug mit überhöhter Geschwindigkeit abbremst? Zudem verwundert es, wie belesen Michael ist. So stellt er mit Leichtigkeit die Verbindung zwischen dem Decknamen Prynne und dem Fall her. Die Idee mit dem Superhirn, das die Fäden zieht, bleibt ein na ja. Den genauen Plot will ich nicht verraten. Ich hätte nur gerne erfahren, welcher Skandal denn letztlich vertuscht wird und das alles wert ist.

Gut dargestellt ist das Lokalkolorit. Wenn die Kamera durch den Zug fährt und die Leute in ihrem Alltag einfängt, vermittelt es gut den Eindruck von Pendlern in einem Zug. Der transportiert auch das Gefühl von Enge. Wobei ebenfalls der Eindruck mitschwingt, dass die Konzentration auf wenige Drehorte im Zuginnern das Budget geschont hat. Hinsichtlich des Bildes gefällt mir die Handkamera nicht. Selbst in den eröffnenden Szenen, wackelt das Bild ohne Unterlass. Das erzeugt ohne Frage eine Unruhe. Doch braucht es die bereits zu Filmbeginn?

Fazit
Alles in allem ergibt "The Commutter" einen soliden Fernsehfilm. Auf der Leinwand erreicht der Film trotz großen Bildes keine Größe. Den Fokus so klar auf Liam Neeson zu legen, halte ich für keine gute Idee. Nicht weil er es nicht spielen kann, sondern weil er altersbedingt nicht gut in die Rolle passt. Viel besser steht ihm die Rolle an, die er in "The Secret Man" spielt.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %

Land: Großbritannien • USA
Jahr: 2017
Laufzeit ca.: 104
Genre: Action • Krimi • Spannung
Verleih: Studiocanal
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 11.01.2018

Regie: Jaume Collet-Serra
Drehbuch: Byron Willinger • Philip de Blasi

Schauspieler: Liam Neeson (Michael MacCauley) • Vera Farmiga (Joanna) • Patrick Wilson (Alex Murphy) • Jonathan Banks (Walt) • Sam Neill (Captain Hawthorne) • Elizabeth McGovern (Karen MacCauley) • Killian Scott (Dylan) • Shazad Latif (Vince) • Andy Nyman (Tony) • Clara Lago (Eva) • Roland Møller (Jackson) • Florence Pugh (Gwen)

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