Kinofilm

Greatest Showman

Das Musical "Greatest Showman" ist eine klassische Darbietung nebst eingeflochtener Lovestory. Ein Film, bei dem weniger die Handlung im Vordergrund steht als vielmehr die Emotionen, die er transportiert und im Zuschauer wachruft.

Phineas Taylor Barnum wurde als Sohn eines Schneiders nicht mit dem silbernen Löffel im Mund geboren. Er ist es gewohnt herabgesetzt und herumgestoßen zu werden. Doch bereits als Kind hat er einen Traum: Gib niemals auf. Diesen setzt er als erwachsener Mann Schritt für Schritt in die Tat um. Zunächst heiratet er seine Liebe aus Kindertagen und zieht mit Charity nach New York. Dort gelingt es ihm bei der Bank einen Kredit zu erschwindeln und mit dem geliehenen Geld ein Museum zu eröffnen. Dort stehen einige ausgestopfte Exponate, die das Publikum nicht locken. Als er eines Tages einen Liliputaner sieht, kommt ihm die Idee, besondere Menschen auszustellen. Es gelingt ihm die Klassiker eines Panoptikums anzuwerben: Eine Frau mit Bart, einen dicken Mann, einen besonders großen Mann, einen besonders kleinen Mann und andere mehr. Er überzeugt seine Künstler davon, dass sie etwas Besonderes sind und die Show, in der sie auftreten wird ein durchschlagender Erfolg.
Nur die Presse empfindet anders und verreißt Barnums Shows mit schöner Regelmäßigkeit. Als der Showman bei einer Audienz der britischen Königin die schwedische Opernsängerin Jenny Lind kennenlernt, hat er die nächste richtige Idee. Er überredet sie in Amerika aufzutreten. Dabei gerät seine bisherige Show ins Hintertreffen und er verkennt Linds wahre Absichten.

Kritik

Der Kinofilm "The Greatest Showman" ist ein klassisches Musical. Hugh Jackman schlüpft in die Rolle des Showdirektors, der ein Stehaufmännchen ist und den richtigen Riecher für Sensationen besitzt. Dass seine Motive nicht immer so hehr sind wie er vorgibt, wird anfangs angedeutet und später sehr deutlich, wenn er seine Truppe bei der Gala zu Ehren von Jenny Lind aussperrt.

Die Story basiert auf Motiven des Lebens von Phineas Taylor Barnum. Das Vorbild soll ähnlich wie die Filmfigur ein Kuriositätenkabinett betrieben haben und in späteren Jahren auch einen Zirkus. Soweit überschneiden Fiktion und Überlieferung einander. Im Film wird es angesprochen, dass Barnum mit Fälschungen arbeitet, den einschlägigen Beweis lässt die Fiktion fehlen. Den Kern der auftretenden Figuren gab es auch in der Wirklichkeit, siamesische Zwillinge spart der Film aus.

Die Handlung ist im Grundgerüst einfach gestaltet und setzt stark auf die Vermittlung von Emotionen. So ist die Demütigung des jungen Barnum eine schallende Ohrfeige, die sich ihm tief einbrennt und als Erwachsener nimmt er Rache an seinem ehemaligen Peiniger. Man kann dem Film vorwerfen, dass die Story an Handlung wenig bietet und sehr auf klassische Motive und Momente setzt. Das ist richtig, ebenso wie der Umstand, dass die Gesangsnummern sauber eingesungen sind und im Fall von Rebecca Ferguson wirklich zu Herzen gehen. Wenn sie singt "It's never enough!" dann spricht das Lied gezielt diese unbestimmte Sehnsucht an, die jeder von uns empfindet. Die Anzahl der Lieder ist für ein Musical allerdings gering und einige Songs wiederholt der Film mehrfach. So ist es nicht falsch zu sagen, dass es an Bandbreite mangelt. Weiterhin folgt das Drehbuch einer Dramaturgie wie aus dem Lehrbuch. Einführung, Aufbau, Fall und Wiederauferstehung des Helden sind nach Lehrbuch gestaltet. Darum kann man dem Film Schwächen vorhalten.

Die andere Sichtweise besteht darin, sich der Geschichte hinzugeben. Sie erzählt zwischen den Zeilen nicht nur vom amerikanischen Traum vom Leben, sondern auch davon, dass jeder Mensch seinen Platz in der Gesellschaft sucht. Und wie wichtig das Akzeptieren von Andersartigkeit ist. Wer schon einmal das Gefühl hatte, nicht Teil einer Gruppe beziehungsweise der Gesellschaft zu sein, wird wissen, was ich meine. Mich spricht diese Ebene an. Wer möchte kann einen Aufruf zu Toleranz herauslesen. Verpackt ist das Ganze in eine Extraportion Kitsch, die gekonnt inszeniert ist, das muss man neidlos anerkennen.
Die Darsteller spielen ihre Rollen insgesamt gut. Hugh Jackman schlägt sich als Hauptrolle tapfer ohne eine Glanzleistung zu bieten. Die Gewichtung fällt klar zu seinen Gunsten aus. Leider kommen dadurch einige Figuren zu kurz. Zum Beispiel Michelle Williams in der Rolle der Ehefrau. Etwas schade, denn von ihr sowie von denen, die die Bösen im Film als Freaks beschimpfen, hätte ich gerne mehr gesehen. Lobenswert ist, dass die Schauspieler ihre Lieder selbst gesungen haben.

Nebenbei schildert der Film auch einen Seitenhieb auf allzu kritische Kritiker. So sagt Hugh Jackman sinngemäß, dass es schade ist, wenn ein Kritiker, keine Freude an dem empfindet, was er kritisiert.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 80 %

Original Filmtitel: The Greatest Showman
Land: USA
Jahr: 2017
Laufzeit ca.: 97
Genre: Biografie • Drama • Musik • Tanzfilm
Verleih: 20th Century Fox
FSK-Freigabe ab: 6 Jahren

Kinostart: 04.01.2018
Heimkino: 31.05.2018

Regie: Michael Gracey
Drehbuch: Jenny Bicks • Bill Condon

Schauspieler: Hugh Jackman (P. T. Barnum) • Michelle Williams (Charity Barnum) • Zac Efron (Phillip Carlyle) • Zendaya (Anne Wheeler) • Rebecca Ferguson (Jenny Lind) • Austyn Johnson (Caroline Barnum) • Cameron Seely (Helen Barnum) • Keala Settle (Lettie Lutz) • Sam Humphrey (Tom Thumb) • Yahya Abdul-Mateen II (W. D. Wheeler) • Eric Anderson (Mr. O'Malley) • Ellis Rubin (Barnum, jung) • Skylar Dunn (Charity, jung)

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