Kinofilm

The Killing of a Sacred Deer

Rache ist ein schwieriges Unterfangen. Dem Täter kann es passieren, dass sein Opfer zurückschlägt oder sogar zeitweilig die Oberhand gewinnt. Manchmal ist das Motiv unklar. Im Film ist beides der Fall.

Vor einigen Monaten hat der Herzchirurg Steven Murphy während der Operation seinen Patienten verloren. Martin, der Sohn des Verstorbenen sucht nach dem traurigen Vorfall den Kontakt zu Steven. Das Verhältnis zwischen den Männern ist nicht geklärt. Es kann die Suche nach einer neuen Vaterfigur sein, bei der eine unterschwellige Homoerotik mitschwingt. Aufseiten des Arztes sind wahrscheinlich Schuldgefühle der Grund für das Mitspielen. Als Steven eines Tages die Idee kommt, Martin seiner Familie vorzustellen, begeht er einen schweren Fehler. Der junge Mann dringt in die Familienstruktur ein und fordert offen mehr Zuwendung und Aufmerksamkeit. Mehr noch: Er will Vergeltung für den Tod seines Vaters. Als Gegenleistung soll ein Familienmitglied aus Stevens Familie sterben.

Kritik

Der Verleih beschreibt den Film als Psychothriller und Rachedrama, das auf den griechischen Götter- und Heldensagen beruht. Ich stufe den Film anders ein. Im weitesten Sinn ist es experimentelles Programmkino, das zum Schicksal der Iphigenie kaum Parallelen zieht.

Die Inszenierung ist künstlich. Das Szenenbild und die Kamera fangen naturalistische Szenen wie durch einen Bilderrahmen ein. In diesem Guckkasten findet das Leben einer Bilderbuchfamilie in Ritualen statt; es gibt eine klare Aufgabenteilung. Selbst das Intimleben ist stilisiert. Wenn die Eltern Sex haben wollen, spielt sie "Vollnarkose". Die Dialoge des englischen Originals klingen wie aus einem Lehrbuch zum Erlernen des Englischen. Leider kommen die gedrechselten Dialoge so gut wie nie auf den Punkt und die Figuren reden viel und stets um den heißen Brei herum. Für den Zuschauer kann das zur Geduldsprobe werden, etwa die Philosophie über den Verzehr von Spagetti. Die einzelnen Szenen sind in der Regel auch hinsichtlich der Länge überzogen. Das ergibt für den Zuschauer Spannung wie auch eine quälende Ruhe. Nicht zuletzt ist die Filmmusik eine Herausforderung.

Die Handlung bezieht ihre Spannung aus der Ungewissheit. Über einen langen Zeitraum weiß der Zuschauer nicht, was vorgefallen ist und wie die Figuren zueinander stehen. Dann wird in Nebensätzen das Eine oder Andere angedeutet. So hatte der Herzchirurg Steven ein Alkoholproblem und ist mittlerweile trocken. Ob er die Schuld am Tod des Patienten trägt bleibt schlussendlich offen. Ebenso die Frage, ob der Alkohol eine Rolle spielte? Dieses Stilmittel des Schwebenden geht soweit, dass die Erzählung den Plot ungeklärt lässt. Am Ende ist es nicht möglich sicher zu sagen, was vorgefallen ist. Im übertragenen Sinn haben lähmende Schuldgefühle die Familie überfallen.

Während des Sehens überlege ich, ob ich finde, dass die Schauspieler gut spielen? Ich kann es nicht beurteilen, weil sie hinter der starken Stilisierung zurücktreten. Im Fall von Barry Keoghan vermag ich nicht zu deuten, ob er absichtlich kaum Variation im Ausdruck zeigt? Angesichts der schwammigen Machart kann es von der Regie genauso gut gewollt wie durchgerutscht sein. Wer Freude am Interpretieren findet, kann in "The Killing of a Sacred Deer" viel deuten. So ist es im übertragenen Sinn ein Kampf Unterschicht gegen Oberschicht. Eine Entwicklung der Charaktere bleibt aus.

Fazit
Was Unterhaltung ist, liegt im Auge des Betrachters. Ich bin in diesem Fall verwundert und fühle mich nicht gut unterhalten. Die unbestimmte Erzählweise ist nur eine von mehreren Eigenwilligkeiten. Auch in anderen genannten Aspekten verlangt der Film dem Zuschauer einiges ab. Von den verwendeten Stilmitteln gefällt mir die Kameraführung. Die Spielzeit von 121 Minuten tut dem Film nicht gut.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %

Land: Großbritannien • Irland
Jahr: 2017
Laufzeit ca.: 121
Genre: Spielfilm
Verleih: Alamode Film
FSK-Freigabe ab: 16 Jahren

Kinostart: 28.12.2017
Heimkino: 04.05.2018

Regie: Yorgos Lanthimos
Drehbuch: Yorgos Lanthimos

Schauspieler: Nicole Kidman (Anna Murphy) • Colin Farrell (Steven Murphy) • Alicia Silverstone (Martins Mutter) • Barry Keoghan (Martin) • Raffey Cassidy (Kim Murphy) • Sunny Suljic (Bob Murphy) • Bill Camp (Matthew) • Denise Barone (Konferenzteilnehmer) • Jerry Pope (Konferenzteilnehmer) • Josephine Elle (Doctor) • Ming Wang (Doktor) • Rachael Mcadams (Krankenpflegerin)

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