Kinofilm

Simpel

Ben hat sein ganzes Leben darauf ausgerichtet seinen behinderten Bruder Barnabas, den alle nur Simpel nennen, zu pflegen. Er hat keine feste Arbeit und keine Freundin. Als die Mutter stirbt, erlässt das Amt einen Bescheid, dass Simpel in ein Heim eingewiesen werden soll, weil der Vater das Sorgerecht ablehnt. In einer Kurzschlusssituation entscheidet Ben gemeinsam mit Simpel durchzubrennen. Zunächst ohne Ziel landen sie alsbald in Hamburg, wo Ben den Vater umstimmen will.

Kritik

Die Geschichte der zwei Brüder ist im Kern einfach konstruiert. Ben hat den Sinn des Lebens darin gefunden, den geistig behinderten Bruder zu betreuen, der auf ihn fixiert ist. Was Ben dabei übersieht ist der Umstand, dass Simpel auch für die Zuwendung durch andere offen ist und Ben die Pflegschaft vorschiebt, um sein eigenes Leben nicht anpacken zu müssen. Die Flucht nach vorn ist im übertragenen Sinn auch eine Flucht vor dem eigenen Leben. Das spiegelt ihm Aria (Emilia Schüle), die den Brüdern im Hamburg zu Seite steht, als die im Großstadt-Dschungel unterzugehen drohen.

Was den Personen des Films wie auch dem Film selbst schwerfällt sind Konflikte. Die Handlung vermeidet Konfliktsituationen einzuflechten. Und wenn sie stattfinden, dann sind sie vergleichsweise schlecht gespielt und die Dramaturgie rutscht schnell über sie hinweg. Das ist ein wenig schade, weil die Handlung genug Konfliktpotenzial mitbringt, dessen Ausbau auch für den Zuschauer interessant wäre. So hat der Vater keinen Kontakt zur Familie, weil er den behinderten Sohn nicht akzeptieren kann und weil seine Ex-Frau Kontaktaufnahmen abblockte. Dieser Handlungsstrang klingt verhältnismäßig kurz an. Auch kurz kommt die Missstimmung, die entsteht, weil Aria, Enzo und Simpel auf den Rummelplatz gehen, ohne Ben davon in Kenntnis zu setzen.

Mehr Wert legt die Handlung auf die Darstellung von Wohlfühlszenen. Diese laufen nicht immer glaubwürdig ab, wie etwa die Tuchfühlung mit dem Hamburger Rotlichtmilieu. Insgesamt sind sie gut gelungen und es macht Spaß David Kross als Sonnenschein Simpel und Frederick Lau als Ben beim Spielen zuzusehen. Sie bilden eine der Stärken des Films, indem sie wie echte Brüder agieren und ihre Darstellung natürlich ausfällt.

Abträglich sind die vielen Wiederholungen. Leider verzichtet die Handlung auf eine Weiterentwicklung der Charaktere und zeigt die Brüder zu oft in ähnlichen Situationen. So gehen sie mehrfach im Supermarkt auf Klautour, Simpel soll irgendwo sitzen und Ben liest mehrfach eine Gutenacht-Geschichte vor. Um Missverständnissen vorzubeugen. Diese Szenen sind nicht schlecht gespielt, sondern zu oft wiederholt.
Eigenartig mutet der Umstand an, dass Devid Striesow den Vater spielt. Er ist gerade mal 13 Jahre älter als Frederick Lau.

Fazit
Der Film "Simpel" schöpft seine Möglichkeiten nicht ganz aus. Insgesamt legt er weniger Wert auf Konflikte und mehr auf die spaßigen Momente. Der Humor ist norddeutsch gefärbt und da mit einem Behinderten gelacht wird und nicht über ihn geht auch das in Ordnung.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 70 %

Land: Deutschland
Jahr: 2016
Laufzeit ca.: 113
Genre: Komödie
Verleih: Universum Film
FSK-Freigabe ab: 6 Jahren

Kinostart: 09.11.2017

Regie: Markus Goller
Drehbuch: Dirk Ahner • Markus Goller
Literaturvorlage: Marie-Aude Murail

Schauspieler: David Kross (Simpel) • Frederick Lau (Ben) • Emilia Schüle (Aria) • Axel Stein (Enzo) • Annette Frier (Chantal) • David Berton (John) • Maxim Kovalevski (Franciczek) • Oscar Ortega Sánchez (Santos) • Ludger Pistor (Schöll) • Uwe Rohde (Friedhofsangestellter) • Anneke Kim Sarnau (Julia) • Devid Striesow (David) • Tim Wilde (Gruber)

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