Kinofilm

High Society

Komödie über vertauschte Kinder. Kurz nach der Geburt werden Anabel von Schlacht und Aura Schlonz auf der Säuglingsstation vertauscht. Fortan wächst Aura bei ihrer einkommens- und sozial schwachen Mutter Carmen auf und Anabel bei ihrer sozial schwachen und einkommensstarken Mutter Trixi. Eines Tages kommt die Vertauschung ans Licht.

Trixi (Iris Berben) beschließt daraufhin, das verlorene Schaf in die Familie heim zu holen und fortan zwei Töchter zu haben. Anabel (Emilia Schüle) kommt mit der neuen Rolle, ab jetzt die zweite Geige zu spielen, nicht klar und beginnt zu bocken. Sie will fortan lieber bei ihrer leiblichen Mutter (Katja Riemann) leben. Von der überzeugten Buddhistin und ihrer bunten Familie wird sie schnell ins Herz geschlossen. Der Rollentausch geht soweit, dass Anabel auch Auras Freund Yann (Janis Niewöhner) übernehmen würde. In der Folge kommt es zu Zicken-Terror und Anabel muss sich plötzlich zwischen dem farblosen Polizisten Yann und dem schnöseligen Yuppie Marc Benjamin (Benjamin Schwarz) entscheiden.

Kritik

Die meisten Komödien über vertauschte Kinder nutzen die Ausgangslage, um Menschen ins kalte Wasser zu stoßen. Das reiche Kind ist plötzlich arm und umgekehrt. "High Society" nutzt diese Möglichkeit nicht. Hier sind die Unterschiede zwischen den Familien zu vernachlässigen, weil beide dysfunktional sind. Die reiche Familie weiß mit ihrem Reichtum nichts anzufangen und Mutter Trixi kommt mit ihrem Leben nicht klar. Sie greift gerne zu legalen Betäubungsmitteln wie Hustensaft. Die arme Familie funktioniert ebenfalls nicht, weil Mutter Carmen ein Ex-Hippie ist, der einem verqueren Weltbild nachhängt. Hier wird gerne gekifft.

Den Humor bezieht der Film folglich nicht aus der Unterschiedlichkeit der sozialen Schichten, sondern aus der Eingeschränktheit der Charaktere. Die Personen des Films sind freundlich gesprochen unterbelichtet. Die einzige Ausnahme bildet Yann. So bestellt Aura in einem Nobelrestaurant Kalbsbries ohne zu wissen, was ihr serviert wird. Yann klärt sie auf, dass es das sei, was ihr fehlt. Der Witz ist besser gedacht, als gemacht, weil Kalbsbries nicht das Hirn des Kalbs darstellt, sondern den Thymus. Das tut dem Humor keinen Abbruch, sondern verdeutlicht dessen Niveau und zeigt auf, dass diese Ansammlung von Bemühen nichts schmälern kann.

Worin die Handlung bestehen soll, ist schwer zu deuten. Der Familientausch kommt nicht infrage. Die Charaktere haben weder Bandbreite, noch Tiefgang und durchleben keine Entwicklung. Der Schwerpunkt liegt auf Emilia Schüle als Anabel, die sich in einer veränderten Situation neu orientieren muss. Beispielsweise versucht sie mit ihrem gekauften Realschulabschluss einen Job zu finden, weil sie der Meinung ist, dass sie mit ihren 26 Jahren das Abenteuer zu arbeiten mal ausprobieren kann. Da sie bislang von Beruf Tochter war, vermasselt sie einige wenige Vorstellungsgespräche und landet als Putzfrau bei einem reichen Internet-Jung-Unternehmer. Der ist ebenfalls von Geldadel und würde eigentlich gut zu Anabel passen. Doch sein Angebot, sie solle quasi als bezahlte Beziehung dienen und ihn bei Sexspielen unterwerfen, lässt bei der Angebeteten Zweifel aufkommen. Somit endet dieser Handlungsstrang, der nicht zufällig an "Fifty Shades of Grey" erinnert, schon bald. Weiter geht es dann mit Yann, mit dem sie flirtet, aber nicht so recht wahr haben will, dass sie auf ihn steht ... derart hangelt sich die Handlung von einer Szene zur nächsten. Am Ende finden sich Mann und Frau und reich und arm schließen Freundschaft.

Die Darsteller leisten wenig. Katja Riemann gelingt die, im Vergleich zum Rest der Besetzung, beste Leistung in ihrer undankbaren Rolle. Der Rest der darstellenden Kunst reicht von peinlich bis zu nicht der Erwähnung wert.

Fazit
Es ist nicht die Frage, ob es in der Realität reiche Dumpfbacken gibt? Eine Ansammlung von lahmen Klischees zu einem Drehbuch zu verdichten, gelingt "High Society" nicht.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 20 %

Alternativtitel: High Society - Gegensätze ziehen sich an
Land: Deutschland
Jahr: 2017
Laufzeit ca.: 100
Genre: Komödie
Verleih: Warner Bros.
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 14.09.2017
Heimkino: 15.02.2018

Regie: Anika Decker
Drehbuch: Anika Decker

Schauspieler: Katja Riemann (Carmen Schlonz) • Emilia Schüle (Anabel von Schlacht) • Jannis Niewöhner (Yann) • Jannik Schümann (Albrecht von Schlacht) • Iris Berben (Trixi von Schlacht) • Marc Benjamin (Benjamin Schwarz) • Gizem Emre • Tom Keune (Herr Sackbrot) • Vince Giordano • Caro Cult (Aura) • Kat Edmonson (Sänger) • Langston Uibel (Siddharta Schlonz) • Bärbel Stolz (Mandy) • Vinny Raniolo (Gitarrist) • Mark Shane (Pianist)

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