Kinofilm

Atomic Blonde

Agententhriller, der während der Zeit der Wende in West- und Ostberlin spielt. Charlize Theron schlüpft in die Rolle der taffen Agentin, deren letzter Job schief ging. Nun möchten ihre Vorgesetzten wissen, was vorgefallen ist.

Nun, Lorraine Broughton hat es nur um Haaresbreite geschafft; die anderen sind leider draufgegangen. Eigentlich möchte Lorraine zu dem Schlamassel nichts sagen, aber dann bequemt sie sich doch ein wenig auszuholen, nimmt einen tiefen Zug an der Zigarette und erzählt von ihrem Einsatz in Berlin, während der ausklingenden 1980er Jahre. Es ist eine Stadt, die den bevorstehenden Umbruch atmet. Doch noch steht die Mauer und die Geheimdienste in Ost und West konkurrieren. Und es gibt die Liste, die jeder haben will und für die jeder bereit ist zu töten.

Kritik

Viel muss man über den Film nicht wissen, denn er setzt nicht auf eine komplizierte Handlung oder den Ausbau der Charaktere, sondern auf die Optik, stellt seine Hauptdarstellerin klar in den Mittelpunkt. Charlize Theron macht rein optisch eine tolle Figur, wenn sie auf hohen Absätzen durch ein bleiernes Berlin stöckelt. Damit sie noch besser rüberkommt, sind ihre russischen Gegenspieler in der Mehrzahl übergewichtig. Die Idee ist schön und gut - doch dem Styling fehlt es auf die Dauer an Bandbreite. Theron kippt noch ein Glas Hochprozentiges, inhaliert eine weitere Zigarette und tritt zum wiederholten Mal einem Mann in die Weichteile. Zu oft enden Kämpfe mit Kopfschüssen, bei denen Blut an die Wand spritzt. Dazu wird ein Zuviel an Musik serviert, die nicht wettmachen kann, was der Handlung fehlt. Der lahme Höhepunkt des Stils ist eine lesbische Bettszene. Alles in allem ist der Stil im Ansatz nicht schlecht, er wiederholt nur zu oft und vermittelt kein besonders Berlin-Gefühl.
Folglich müssen die restlichen Aspekte es ausgleichen. Aber einen Ausbau der Charaktere bleibt der Film schuldig. Man erfährt nicht viel über die wenigen auftretenden Personen. Was hat es beispielsweise mit der Lovestory zwischen Lorraine und dem ermordeten Agenten auf sich? Es ergibt Sinn, dass die Profis keine Gefühle entwickeln. Doch sind Gefühle nicht das, was der Zuschauer sehen will? Im Endeffekt ist es so, dass der Film nur wenige Charaktere einführt und trotzdem atmosphärisch keine Dichte aufbaut, weil ich zu den Personen keinen Bezug bekomme.
Bleibt also noch die Chance das Ganze durch eine spannende Handlung zu retten. Doch die reißt nicht viel. Es geht um tricksen, täuschen, lügen und betrügen. Der Spannungsbogen ist nicht nur flach, sondern wird durch die Dramaturgie regelmäßig geplättet. Aufkeimender Spannung folgt stets ein Schnitt und Lorraine sitzt wieder im Verhörraum. Und weil es einen Doppelagenten gibt, ist auch das Ende doppelt gemoppelt.

Fazit
Dem temporeichen Auftakt mit einer Verfolgungsjagd und gesprühten Untertiteln, folgt eine klassische Geschichte, die als Zusammenschnitt von Verhör und Rückblenden erzählt und unspannend ist. Die Lauflänge von fast zwei Stunden ist angesichts der Story mutig. Das Schöne an "Atomic Blonde" ist Charlize Theron - die leider nicht viel von ihrem Können zeigen darf. Das ist bedauerlich, wenn ich an Leistungen wie in "Monster" oder "Kaltes Land" denke.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %

Land: USA
Jahr: 2017
Laufzeit ca.: 115
Genre: Action • Krimi
Verleih: Universal Pictures International
FSK-Freigabe ab: 16 Jahren

Kinostart: 24.08.2017

Regie: David Leitch
Drehbuch: Kurt Johnstad
Literaturvorlage: Antony Johnston • Sam Hart

Schauspieler: Charlize Theron (Lorraine Broughton) • James McAvoy (David Percival) • Eddie Marsan (Spyglass) • John Goodman (Emmett Kurzfeld) • Toby Jones (Eric Gray) • James Faulkner (Chef) • Roland Møller (Aleksander Bremovych) • Sofia Boutella (Delphine Lasalle) • Bill Skarsgård (Merkel) • Sam Hargrave (James Gasciogne) • Jóhannes Haukur Jóhannesson (Yuri Bakhtin) • Til Schweiger (Uhrmacher) • Barbara Sukowa (Gerichtsmedizinerin) • Attila Árpa (Ostdeutscher) • Martin Angerbauer (Ostdeutscher)

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