Kinofilm

Moonlight

Die Frage wie man sich im Leben zurechtfindet und wer als Vorbild dienen kann dominiert das Leben des Hauptdarstellers bis in die 30er Lebensjahre. Bei der Oscarverleihung 2017 gewann Moonlight die Auszeichnung als bester Film.

Der Kinofilm Moonlight erzählt von der Schwierigkeit im Leben ein Vorbild oder Orientierung zu finden. Dazu lässt er seine Hauptperson in drei Lebensphasen auftreten. Chiron ist ein 10 Jahre alter schüchterner Junge, der von seinen Mitschülern gehänselt wird, weil er weich ist. Nur sein bester Freund Kevin hält zu ihm. Seine Mutter hingegen hat Probleme ihren Sohn zu akzeptieren, den sie für schwul hält und deshalb verachtet. Als Chiron den Drogendealer Juan trifft, beginnt der ihm den fehlenden Vater zu ersetzen und seine Lebensgefährtin Teresa wird seine zweite Mutter.

Als Teenager beginnt Chiron langsam wahrzunehmen, dass er tatsächlich homosexuell ist. Nach wie vor wird er von seinen Mitschülern unterdrückt. Das geht soweit, dass sein bester Freund Kevin ihn auf dem Schulhof niederschlägt, um sich selbst zu beweisen. Und das obwohl Kevin und Chiron kurz zuvor sexuell intim waren. Für Chiron ist es das erste Mal das er zurückschlägt. Mit den Konsequenzen hat er nicht gerechnet.

Jahre später ist Chiron Mitte Zwanzig. Er lebt nicht mehr in Miami sondern in Atlanta. Äußerlich eifert er dem verstorbenen Juan nach. Sein Körper ist durch Bodybuilding gestählt und er dealt mit Drogen. Als er eines Nachts einen Anruf von Kevin bekommt, beschließt er den ehemaligen Freund zu besuchen. Ihr Wiedersehen verläuft wie immer. Chiron bekommt den Mund nicht auf und Kevin redet. Zwischen den Zeilen versuchen beide herauszufinden, wie sie zueinanderstehen. Erst als Chiron Kevin in sein ärmliches Apartment folgt, rückt er mit der Sprache raus: Kevin ist der Einzige, der ihn jemals berührt hat.

Kritik

Der Kinofilm Moonlight ist sehr spezifisches unabhängiges amerikanisches Autorenkino. Das Meiste wird nicht ausgesprochen, sondern findet zwischen den Zeilen statt. Der Zuschauer muss gewillt sein, vieles zu interpretieren beziehungsweise eine vage und gleichzeitig versponnene Handlung schätzen. Das Erzähltempo ist (quälend) ruhig. Chiron macht selten den Mund auf, egal in welchem Alter. Seine Gesprächspartner sagen ihm mehrfach, dass es anstrengend ist, ihm Dinge aus der Nase zu ziehen.

Den Roten Faden bildet nicht das Coming-out oder die Homosexualität, sondern sie Suche nach Orientierung. Chiron ist ein Mensch, der in seiner Umgebung nach Halt sucht und ihn nur bedingt findet. Seine drogensüchtige Mutter ist ihm kein Vorbild und auch Juan, der ihm eine Zeitlang den Vater ersetzt hat seine Schattenseiten, denn er ist der Dealer, der Chirons Mutter die Drogen verkauft. Kevin ist lange Zeit der beste Freund und auch der einzige Mensch, der Chiron berührt hat (im körperlichen wie im seelischen Sinn).

Wenngleich Interaktion zwischen den Charakteren stattfindet, trägt sie nur bedingt zur Handlung bei. Moonlight legt den Schwerpunkt auf die Darstellung der Orientierungsprobleme seiner Hauptperson. Eine Weiterentwicklung zeigt diese jedoch nicht. In allen drei Altersstufen dominiert die Sprachlosigkeit gepaart mit der Suche nach der Position im Leben. Die eine Suche nach sich selbst sein könnte, doch so weit geht der Film nicht. Nur Chirons Mutter durchläuft eine Veränderung, die ich nicht Entwicklung nennen kann. Sie sieht ihre Drogensucht ein und versucht von den Drogen loszukommen. Chiron, der sie in der Entzugsklinik besucht, kann ihr nicht vergeben und findet (wie stets) keine Worte. Die drei Darsteller machen das Schweigen durch körperlichen Ausdruck nur bedingt wett. Auch deshalb sticht Naomie Harris mit ihren kurzen Einlagen als Mutter aus der Besetzung heraus. Was allerdings relativ ist, denn - ohne ihre Darstellung abzuwerten - es ist einfach aus einem Kreis von schwach auftretenden Kollegen hervorzutreten. Zudem fällt auf, dass mit Mahershala Ali, Janelle Monáe, Naomie Harris und Trevante Rhodes attraktive Menschen vor die Kamera treten; denen es in diesem Film allerdings an darstellerischem Ausdruck mangelt. Was zwei Gründe haben kann: Entweder der Schauspieler ist ausdrucksarm oder der Regisseur hat ihn bewogen so zu spielen. Beurteilen kann ich das nicht.

Die Handlung bildet die Achillesferse des Films, denn sie besteht ausschließlich aus der Thematik der Orientierung. Wer sich davon nicht angesprochen fühlt, kann leer ausgehen. Andere mögliche Punkte, wie etwa Rassenkonflikte bleiben ausgespart. Chiron wächst in einem von Afroamerikanern dominierten Viertel auf. Das ist realistisch; doch das fast kein Weißer im Film auftritt fällt auf.

Fazit
Das behandelte Thema spricht mich nicht an. Der Fokus der Handlung ist mir zu eng gefasst. Handwerklich sticht "Moonlight" für mich nicht hervor. Laut Presseheft möchte Regisseur Barry Jenkins seine Kindheit mit diesem Film aufarbeiten.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %

Land: USA
Jahr: 2016
Laufzeit ca.: 96
Genre: Drama • LGBT
Verleih: DCM Film Distribution
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 09.03.2017
Heimkino: 30.09.2017

Regie: Barry Jenkins
Drehbuch: Barry Jenkins • Tarell Alvin McCraney

Schauspieler: Alex Hibbert (Chiron, Kind) • Ashton Sanders (Chiron, Teenager) • Trevante Rhodes (Chiron, erwachsen) • Jaden Piner (Kevin (9)) • Jharrel Jerome (Kevin, Teenager) • André Holland (Kevin, erwachsen) • Mahershala Ali (Juan) • Shariff Earp (Terrence) • Duan Sanderson (Azu) • Janelle Monáe (Teresa) • Naomie Harris (Paula) • Herman McGloun (Longshoreman) • Kamal Ani-Bellow (Portable Boy 1) • Keomi Givens (Portable Boy 2) • Eddie Blanchard (Portable Boy 3) • Rudi Goblen (Gee) • Edson Jean (Mr. Pierce) • Patrick Decile (Terrel)

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