Kinofilm

The Great Wall

Das Kaiserreich China wird seit dem 7. Jahrhundert vor Christus durch die große Mauer geschützt. Wer es nicht besser weiß, denkt, sie sei ein Bollwerk, das vor nomadischen Reitervölkern schützen soll. Doch die Wahrheit ist anders gelagert.

Das Geheimnis entdecken im 12. Jahrhundert zwei Glücksritter, die mit ihren Kameraden auf der Suche nach dem schwarzen Gold sind, der legendären Waffe, die die Chinesen erfunden haben und die dem Besitzer große Reichtümer verspricht, denn wer das Schwarzpulver besitzt, hat die Macht über seine Feinde oder die Möglichkeit die Türen von Schatzkammern zu sprengen. Doch noch sind die Abenteurer aus dem Westen vor Reitern auf der Flucht, denen sie nur um Haaresbreite entkommen.
Als die Nacht hereinbricht lagern sie an einer Felswand. Und kaum brennt das Lagerfeuer, greift aus dem Dunkel eine furchtbare Bestie an. Nur William Garin (Matt Damon) und Tovar (Pedro Pascal) überleben die Attacke, weil es William gelingt, dem Angreifer einen Fuß abzuschlagen, woraufhin das verstümmelte Untier in eine Schlucht stürzt. Damit ist die Pechsträhne noch nicht beendet. Am kommenden Tag geraten die Zwei in Gefangenschaft und lernen so den Namenlosen Orden kennen, der die Mauer nicht nur bewacht, sondern sie gegen Monster verteidigt, die man Tao Tei nennt. Diese Geisel der Götter greift alle sechzig Jahre die Menschen an.

Kritik

"The Great Wall" ist eine Mischung aus Historie, Heldenfilm, Action, Abenteuer und Asiatika. Der Film versucht zwei Welten gerecht zu werden, dem westlichen und dem asiatischen Publikum zu gefallen. Diesen Spagat könnte man salopp so umschreiben, als wollten Amerikaner Frühlingsrollen nach China exportieren.

Um das asiatische Publikum anzusprechen, basiert die Handlung auf einem asiatischen Mythos und verlegt den Löwenanteil des Geschehens auf die Chinesische Mauer. Im Optischen spiegeln Uniformen oder die Farbgebungen die Absicht wider. Und auch formal hält die Handlung bestimmte Vorgaben ein. Das beginnt bei einer steilen Hierarchie, geht über den Umstand, dass das Leben der Gruppe mehr zählt, als das des Einzelnen und vermittelt ganz selbstverständlich, dass die Autoritäten es am besten wissen. Und das Filmende ist kein Happyend, sondern ein Kompromiss, indem es nur leicht unglücklich ausgeht. Das Drehbuch stammt aus amerikanischer Feder, während der Chinese Yimou Zhang Regie führt. Der hatte 2002 mit "Hero" ein Meisterwerk abgeliefert, dem die schwächeren Filme "House of flying Daggers" (2004) und "Der Fluch der goldenen Blume" (2006) folgten.

Um dem westlichen Publikum den Zugang zur Handlung zu erleichtern, treten zwei Glücksritter auf. Die Chinesen müssen ihnen (und somit dem Zuschauer) freundlicherweise Dinge erklären. Matt Damon spielt einen Meisterbogenschützen und Pedro Pascal seinen besten Freund. Ihre Dolmetscherin ist die Kommandantin Lin Mae (Tian Jing).

Optisch gefällt der Film grundsätzlich. Die Kostüme sind fantasievoll und auch die Idee, die vier Elemente in den Farbgebungen zu spiegeln, gefällt. Nicht überzeugend ist die Ausformung der Dramaturgie, die das Visuelle stark überfrachtet. So wird gezeigt, dass bereits die alten Chinesen die Idee für eine Art Bungee-Sprung hatten. Doch nicht in einer Kameraeinstellung, sondern in mehrfacher Wiederholung. Gleiches gilt für das Fangen eines Speeres oder die Kriegstrommeln. Auf die Dauer verliert der visuelle Bombast an Wirkung.
Immer wieder geht der Film in einen hörbaren oder auch nicht hörbaren Rhythmus über. Dann schwingt die Handlung wie eine Choreografie. Doch dieser Eindruck ist leider nicht durchgängig. Die gesehene 3D-Fassung macht den Eindruck, dass der Film durch den Effekt nicht gewinnt.

Alle Personen des Films, die Hauptpersonen eingeschlossen, bekommen nur eine rudimentäre Zeichnung. Am ärgsten trifft es Willem Dafoe, den dritten Fremden. Seine Figur dient für einige sparsame Hinweise und er ist beteiligt am Nicht-Happy-End. Streng genommen könnte man seine Rolle streichen. Die strikte Vernachlässigung des Ausbaus der Rollen ist dem Film abträglich, denn es fällt schwer mit den schemenhaften Figuren mitzufühlen. Liebesgeschichte, Freundschaft und Verrat wiegen darum nicht viel. Hinzu kommt, dass kein Schauspieler in diesem Film eine preisverdächtige Darstellung bietet. Und in der Gesamtheit ist die Story nicht so packend, wie sie sein könnte. Was auch in der Reduktion der Texte auf schlagkräftige Oneliner begründet ist. Dieses Stilmittel funktioniert in anderen Actionfilmen durchaus - doch bei "The Great Wall" ist nicht klar, ob der Film kurz und knackig sein will oder episch?

Der Fantasieanteil überzeugt nur bedingt. Die Monster sind solide gestaltet ohne wirklich Angst einzuflößen. Ihre Intelligenz ist erstaunlich. Sie sind sie in der Lage abstrakt zu planen. Zudem ahnen oder wissen sie, dass hinter der Mauer die Hauptstadt liegt, nur wenige Tagesritte entfernt, in der es jede Menge Beute zu holen gibt.
Anderen Einfällen fehlt der Feinschliff. So treten zwar Bogenschützen, Fern- und Nahkämpfer auf, doch die sich dadurch bietenden Möglichkeiten liegen brach. Weiterhin ist das Kriegsgewirr für Action arg überschaubar und zeigt das Kriegsgeschehen anhand einiger Einzelschicksale auf.
Die Idee, dass die Chinesische Mauer innen hohl ist und wie eine Festung genutzt wird, gefällt nur im ersten Moment. Der Film gewinnt durch den Umstand nicht, weil dieser Umstand zu wenig vermittelt wird. Wenn dann sogar ein Teil der Mauer angehoben wird, und aus dem entstandenen Schlitz Klingen ausfahren, die den hinauf kletternden Angreifern die Beine abschneiden, dann erinnert das an dichterische Freiheit. Davon abgesehen ist die Aushöhlung eine schlechte Idee, denn eine hohle Mauer mit wenig Tiefe bietet viel weniger Widerstand als eine massive Mauer (wie es in der Realität auch der Fall ist).

Fazit
"The Great Wall" ist ein bunter Stilmix, der unentschlossen ist und zu viele Punkte nicht ausbaut. Der Action fehlt der durchgängige Spannungsbogen und die Figuren reißen nicht mit.
Filmkritik: Thomas Maiwald

Wertung: 60 %

Credits

Land: China • USA
Jahr: 2016
Laufzeit ca.: 103

Kinostart: 12.01.2017

Regie: Zhang Yimou
Drehbuch: Carlo Bernard • Doug Miro • Tony Gilroy • Max Brooks • Edward Zwick • Marshall Herskovitz

Schauspieler: Matt Damon (William Garin) • Jing Tian (Kommandantin Lin Mae) • Pedro Pascal (Pero Tovar) • Willem Dafoe (Ballard) • Hanyu Zhang (General Shao) • Eddie Peng (Kommandant Wu / Tiger) • Lu Han (Peng Yong / Kadet Bären) • Kenny Lin (Kommandant Chen / Adler) • Jungkai Wang (Der Kaiser) • Zheng Kai (Shen, Wangs Assistent) • Cheney Chen (Kaiserliche Wache) • Xuan Huang (Kommandant Deng/ Hirsch) • Andy Lau (Stratege Wang)

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