Kinofilm

Die Taschendiebin

Ahgassi

Asiatisches Programmkino in drei Akten. Du kannst alles und jeden betrügen - aber nicht dein Herz. Sookee (Kim Tae-ri) ist eine ausgebildete Diebin. Aktuell wird sie auserwählt um an einer ausgefuchsten Gaunerei teilzuhaben. Im Hause des reichen Kouzuki (Cho Jin-woong) lebt die junge Lady Hideko (Kim Min-hee) wie eine Gefangene. Sie soll ihren abstoßenden Onkel heiraten, damit der in den Besitz ihres Erbes gelangt.

Doch Hideko ist einem Betrüger aufgefallen. Der hat sich unter der Vorgabe ein Graf zu sein Zugang zum Haus verschafft. Er schleust Sookee als neue Dienerin für Hideko ein. Sie soll dafür Sorge tragen, dass Hideko sich in den Grafen verliebt und mit ihm nach Japan durchbrennt. Dort will der Graf sie heiraten und dann in ein Irrenhaus einweisen lassen. Sookee verachtet Hideko zunächst und hält sie für ein naives, dummes Ding. Doch mit der Zeit verändert sich ihr Eindruck. Mehr noch: sie erliegt dem Zauber der attraktiven Frau. Und je stärker ihre Gefühle für Hideko werden, desto mehr verachtet sie den Grafen und seinen finsteren Plan, dessen Teil sie ist. Doch Hideko besteht darauf, mit ihm davonzulaufen und Sookee mitzunehmen.

Im zweiten Akt wird die Geschichte noch einmal aus anderer Sicht erzählt. Sätze bekommen aus der zweiten Perspektive manchmal überhaupt erst einen Sinn und teilweise verkehren sie die Bedeutung des Gesehenen ins Gegenteil. Aus Betrügern werden Betrogene.
Der dritte Akt schließt die Geschichte ab. Dieses Mal ohne Überraschung und etwas vorhersehbar.

Kritik

Der Film von Park Chan-wook ist für westliche Maßstäbe ungewöhnliches Kino. Die Handlung beschreibt der Verleih als Kriminalfilm und Thriller. Soweit mag ich nicht gehen. Nach meiner Einschätzung ist "Die Taschendiebin" ein Kunstfilm. Für einen Thriller ist die Handlung zu gleichförmig und zu fließend. Ein Kriminalfilm ist es im weitesten Sinn.

Viel Gewicht legt der Film aufs Visuelle. Szenen wirken wie gemalt und er weiß die Attraktivität seiner weiblichen Hauptrollen auszunutzen. Das geht soweit, dass es zu ausgesprochen intimen Szenen kommt, in denen die Kamera den zwei Frauen sehr nahe ist. Ein weiterer Teil der erotischen Komponente ist geschriebene Erotik. Hideko wird bereits als kleines Mädchen im Lesen unterrichtet und muss als herangewachsene Frau einem ausgesuchten Kreis von Männern Pornografie vortragen. Sie widert das an und ihre Mutter verlor darüber sogar den Verstand. Man kann das als Grund sehen, weshalb Hideko lesbisch ist. Im Klartext wird es nicht gesagt.

Die zweite Besonderheit liegt im Betrügen. Bis auf Frau Sasaki, die zur willfährigen Gehilfin ihres Mannes wurde, sind die auftretenden Hauptrollen Betrüger. Der Onkel verkauft Fälschungen. Hidekos Betrug möchte ich hier nicht verraten. Während die Motivation des Grafen und der Taschendiebin klar im Verrat wurzeln.

Die dritte Besonderheit ist die Umkehrung des Geschehens. Aus der zweiten Perspektive klingt die Handlung anders, teils sogar gegenteilig. Das verleiht dem Film einen eigenen Charakter. Allerdings setzt es beim Zuschauer auch Geduld voraus, denn der Spannungsbogen ist flach und die Handlung ist nur teils an westliche Sehgewohnheiten angepasst.

Fazit
"Die Taschendiebin" ist stark komponiertes Programmkino. Vieles wirkt wie gemalt. Die auftretenden Menschen verkörpern weniger Personen im westlichen Sinn, sondern spielen die Rollen, die ihnen ihr Stand vorgibt. Etwas mehr Erklärung könnten die angedeuteten, politischen Hintergründe vertragen.
Filmkritik: Thomas Maiwald

Wertung: 80 %

Credits

Original Filmtitel: Ahgassi
Land: Südkorea
Jahr: 2016
Laufzeit ca.: 145

Kinostart: 05.01.2017
Heimkino: 24.05.2016

Regie: Park Chan-wook
Drehbuch: Chung Seo-kyung • Park Chan-wook
Romanvorlage: Sarah Waters

Schauspieler: Kim Min-hee (Hideko) • Kim Tae-ri (Sookee) • Ha Jung-woo (Graf Fujiwara) • Cho Jin-woong (Kouzuki) • Kim Hae-sook (Frau Sasaki) • Moon So-ri (Hidekos Tante)

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