Kinofilm

Im Namen meiner Tochter - Der Fall Kalinka

Au Nom De Ma Fille

Rache-Drama eines verzweifelten Vaters.
André Bamberski (Daniel Auteuil) muss verkraften, dass er seine Frau Dany (Marie-Josée Croze) an den deutschen Arzt Dieter Krombach (Sebastian Koch) verliert. Nach der Scheidung nehmen seine Ex-Frau und ihr neuer Partner die Kinder zu sich. Eines Tages ereilt André die niederschmetternde Nachricht vom Tod seiner Tochter. Der hegt sofort den Verdacht, dass Krombach daran die Schuld trägt. Doch zunächst kann dies nicht bestätigt werden; der Obduktionsbericht der deutschen Rechtsmediziner weist auf die widersprüchliche Hilfestellung des Mediziners hin. Diese Tatsachen beweisen zu diesem Zeitpunkt nichts.

Bamberski lässt der Fall keine Ruhe. Er beginnt sein Leben darauf auszurichten Krombach zu entlarven. Doch was er von Frankreich aus auch versucht, Krombach entkommt ihm immer wieder und Deutschland scheint seinen Staatsbürger zu schützen. Als der wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt wird, wertet Bamberski dies als Beweis seiner These. In mehreren Fällen soll der Mediziner eine Minderjährige vergewaltigt haben. Zur Verhandlung vor Gericht kommt jedoch nur ein Fall. Erneut kommt Krombach mit einem blauen Auge davon. Doch Bamberski sieht sich bestätigt und sorgt mit ungesetzlichen Mitteln dafür, dass der in seinen Augen Schuldige hinter Gitter kommt.

Kritik

Der Kinofilm "Im Namen meiner Tochter" basiert auf einer wahren Geschichte. Er erzählt seine Geschichte spannend und handwerklich nicht immer überzeugend. Daniel Auteuil ist bemüht den verzweifelten Familienvater glaubhaft darzustellen. Er entwickelt in seiner Rolle eine regelrechte Paranoia, von der ich als Zuschauer erst gegen Filmende erfahre, dass er Recht hatte. Bis dahin gibt es eine lange Phase der Ungewissheit, in der ich nicht einordnen kann, ob es Hirngespinste sind? Hier wünsche ich mir eine klarere Aussage des Drehbuchs. Im Endeffekt ist die Dramaturgie des Schwebezustands stimmig; während des Films lange Zeit nicht. Man weiß nicht, wem man glauben soll.

Zudem bleibt mir die Handlung eine Erklärung für die Verbissenheit schuldig. Vielleicht ist es das schlechte Gewissen des Familienvaters, der seine Familie lange Zeit vernachlässigte. Handwerklich gefällt mir die Überdosis Auteuil nicht gut, weil der Hauptdarsteller zu wenige Facetten zeigt. Zudem versäumt es die Maske ihn altern zu lassen. Im Gegensatz zu den restlichen Figuren des Films, die ihre Frisuren ändern oder graue Haare bekommen, gräbt die Zeit am Hauptdarsteller zu wenig Spuren ein. Das ist in Verbindung mit den Zeitsprüngen nicht gut umgesetzt, weil ich am Gesicht und am Auftreten des Hauptdarstellers nicht ablesen kann, in welcher Zeit die Handlung spielt. Den Auftakt bildet eine Szene der Jetztzeit, dann springt die Erzählung in die Vergangenheit und später wieder in die Gegenwart.

Außerdem fehlt es mir an Ausbau. So bleibt vieles angerissen. Etwa warum die Bamberskis zunächst in Marokko leben? Wie sie den Arzt kennenlernt? Und wozu passiert der Autounfall? Es ist zudem denkbar den restlichen Figuren mehr Raum zu geben. So ist die Person der Mutter interessant. Sie hält lange Zeit zu Krombach und ist von seiner Unschuld überzeugt. Der Grund dafür, dass sie ihren Partner über lange Jahre verkennt, könnte interessant sein. Doch die Mutter des getöteten Mädchens bleibt eine Nebenrolle.

Fazit
Die dramaturgischen Gewichtungen und der Fokus auf dem Hauptdarsteller nehmen dem Film einen Teil der Spannung. Die wackelige Handkamera nervt. Einiges wirkt überzogen. So soll Krombach mehr als ein Dutzend Vergewaltigungen begangen haben. Selbst wenn es den Tatsachen entspricht, die man schlecht weglassen kann, wirkt es im Film wie Klischee.
Filmkritik: Thomas Maiwald

Wertung: 60 %

Credits

Original Film-Titel: Au Nom De Ma Fille

Land: Deutschland • Frankreich 2016

Laufzeit in Minuten ca.: 86

Kinostart / Filmstart: 20.10.2016

Regie: Vincent Garenq

Drehbuch: Julien Rappeneau • Vincent Garenq

Schauspieler (Besetzung): Daniel Auteuil (André Bamberski) • Sebastian Koch (Dieter Krombach) • Marie-Josée Croze (Dany) • Christelle Cornil (Cécile) • Lilas-Rose Gilberti (Kalinka (6 Jahre)) • Emma Besson (Kalinka (14 Jahre)) • Christian Kmiotek (Robert) • Serge Feuillard (Mâitre Gibault) • Fred Personne (Vater Bamberski) • Thérèse Roussel (Andrés Mutter) • Tom Hudson (Pierre (20 Jahre)) • Antoine Milhaud (Pierre (12 Jahre)) • Timéo Bolland (Pierre (4 Jahre)) • Samira Hchaika (Fatma) • Natalie Beder (Bamberskis Sekretärin)

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