Kinofilm

Joy - Alles außer gewöhnlich

Die Geschichte von Joy Mangano, die durch selbst erfundene Haushaltsgegenstände, verkauft im Tele-Shopping, reich wird. Ausgerechnet mit einem Wischmob fängt alles an. Kann Mann das ernst nehmen? Bedauerlich, dass die Antwort des Films Nein lautet und er aus der Story eine Seifenoper macht. Die ist selbst in der Hinsicht konsequent, dass der Film kein Kinofilm ist.

Die Story ist schnell erzählt. Joy (Jennifer Lawrence) träumt schon als Mädchen davon, eines Tages geniale Erfindungen zu machen, die jeder kaufen kann. Und so kommt es dann auch. Sie erfindet einen raffinierten Wischmob, den Frau auswringen kann, ohne sich die Hände nass zu machen. Zudem ist der Mob in der Maschine waschbar. Doch das pfiffige Produkt will anfangs niemand haben. Doch sie gibt nicht auf. Selbst als sie betrogen, hintergangen und abgezockt wird. Sie lernt ihre Lektion und wird über Nacht zur Geschäftsfrau mit Herz. Dabei vergisst sie zwei Dinge nicht: ihre beste Freundin und ihren Werdegang.

Kritik

Die Karriere von Joy Mangano klingt wie die Vorlage für eine spritzige Komödie. Doch der Kinofilm zeigt sie als überzeichnete Seifenoper. Infolgedessen bleiben die Charaktere ohne Tiefzeichnung. Selbst die Hauptdarstellerin wird nur für Augenblicke sympathisch; dann versinkt ihre Figur wieder in der gleichförmigen Darstellung der patenten Frau, die einfach durch nichts zu erschüttern ist. Die das Geld verdient, die Kinder großzieht und den alltäglichen Wahnsinn erträgt.
Der leider nicht überspitzt, sondern entschleunigt abläuft. Egal ob zwei Menschen, die einander nicht ausstehen können aufeinandertreffen oder Joys Schwester das junge Unternehmen fast ruiniert - die Dramaturgie handelt selbst Katastrophen wie unter Valium ab. Und sie schreckt nicht davor zurück, gängige Klischees zu bemühen. So stirbt Joys Großmutter an dem Tag, an dem Joy ihren ersten Triumph feiert. Um zu verdeutlichen, dass Joy jetzt andere Saiten aufzieht, schneidet sie ihre Haare ab.
Ausgeschmückt wird der Kern mit etwas Drumherum. Einige familiäre Probleme hier und ein paar Reibereien da. Die Charaktere bleiben ohne Belang; die Wendungen ebenfalls. Beispielsweise kommt ein venezuelischer Klempner ins Haus und wird der Partner der allein stehendenden Mutter. Aus dem gemischtrassigen Paar wird kein Konfliktstoff gezogen. Schlimmer noch: Konfliktlösungen treten praktisch über Nacht ein. Abträglich ist zudem, dass sie vorhersehbar sind.
Der Stil ist insofern inkonsequent, dass der Film als Erzählung beginnt. Joys Großmutter erzählt die Geschichte ihrer Enkelin. Die Erzählerin endet nach wenigen Minuten, steuert später ab und an noch Phrasen bei. Meldet sich gegen Filmende aus dem Jenseits und weißt daraufhin, dass Joy noch so viele schöne Dinge erfinden wird, von denen sie heute noch nichts ahnt. Ja, so ist das laut "Joy" mit alten Menschen: Meinen es gut und haben doch eigentlich nichts zu sagen … Inkonsequent auch die Dramaturgie: eigentlich ein Film über Generationen und doch wieder nicht.

Fazit
Der Kinofilm "Joy" lässt mich immer wieder dasselbe denken: "Und?" Auf mich macht er den Eindruck, dass er seine Hauptdarstellerin und ihre Geschichte nicht ernst nimmt. Weiterhin verstehe ich nicht, womit er mich unterhalten will und weshalb mich die Biografie dieser Frau interessieren sollte?
Die Handlung wie eine Soap anzulegen liegt nahe, weil Soaps gerne TV-Shopping einrahmen. Ist jedoch eine schlechte Idee, weil die Kinoqualität fehlt. Der Spannungsbogen ist einschläfernd statt plätschernd wie eine Seifenoper. Die Personen sind langweilig und die Drehbuchautoren machen lästige Fehler.
Filmkritik: Thomas Maiwald

Wertung: 50 %

Copyright/Quelle: eigen

Credits

Original Film-Titel: Joy

Land: USA 2015

Laufzeit in Minuten ca.: 124

Kinostart / Filmstart: 31.12.2015

Regie: David O. Russel

Drehbuch: David O. Russel, Annie Mumolo

Schauspieler (Besetzung): Jennifer Lawrence, Robert De Niro, Bradley Cooper, Isabella Rossellini

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